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Der Wirtschaftsweise Martin Werding fordert höhere Abschläge auf die Frührente. Die Ampel-Regierung setzt dagegen lieber auf Lockmittel für längeres Arbeiten.
Berlin – In Deutschland gehen viele Menschen lieber früher in die Rente, was aufgrund des demografischen Wandels zu einer erheblichen Belastung der Rentenkassen führt und den Mangel an Fachkräften verschärft. Ein Wirtschaftsexperte plädiert nun für höhere Abschläge bei der Frührente, zusätzlich zu den Anstrengungen der Ampel-Koalition, Menschen dazu zu motivieren, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten.
Frührente: Wirtschaftsweiser Werding will höhere Abschläge
Der Wirtschaftsweise Martin Werding fordert in einem Bericht der Funke-Mediengruppe am Mittwoch (7. August) höhere Abschläge für die Frührente. „Abschläge von 3,6 Prozent pro Jahr sind dafür zu niedrig“, argumentiert er, „stattdessen müssten es 5 bis 6 Prozent sein.“
Werding, der als Hochschulprofessor für Sozialpolitik in Bochum tätig ist, sieht keinen Nutzen darin, dass gesunde Menschen mit durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Einkommen teilweise ohne Abschläge frühzeitig in den Ruhestand treten können. Er ist der Meinung, dass dies „angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels überhaupt nicht in die Landschaft“ passt.
Länger arbeiten statt früher in Rente: Die Pläne der Ampel
Werding stellt sich damit auf die Seite der FDP, die seit langem die Abschaffung der „Rente mit 63 Jahren“ für langjährige Versicherte fordert. Die FDP argumentiert, dass diese Regelung den Haushalt stark belastet. Mit dem Koalitionspartner SPD ist das aber nicht zu machen. Die Regierung setzt bisher eher auf Anreize, um ältere Menschen dazu zu bringen, länger zu arbeiten: Im Rahmen der Wirtschaftsinitiative der Ampel-Koalition zur „Dynamisierung der Wirtschaft in Deutschland“ sollen mehr Menschen durch eine zusätzliche Prämie dazu motiviert werden, länger zu arbeiten.
Bereits jetzt erhält man für jeden Monat, den man über das Rentenalter hinaus arbeitet, einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Mit der Prämie würden Arbeitnehmende zusätzlich den Teil erhalten, auf den sie durch längeres Arbeiten verzichtet haben, steuerfrei aufgerechnet. Immer mehr Menschen arbeiten aber bereits länger als vorgeschrieben: 2022 waren es 1,52 Millionen, die trotz der Möglichkeit zum Renteneintritt weiterarbeiteten. Dies geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.
Laut der Deutschen Rentenversicherung gingen im letzten Jahr im Gegenzug 279.000 langjährige Versicherte ohne Abschläge in Rente und 243.862 Versicherte mit Abschlägen. Wer 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, gilt als langjährig versichert und kann ohne Abschläge mit 63 Jahren in Rente gehen. Andernfalls sind 35 Versicherungsjahre erforderlich, was zu einem Abschlag von 0,3 Prozent pro Monat führt.
