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Marcel Reichschließen
Trotz dreifacher Unterstützung durch den Wirtschaftsstabilitätsfonds rutscht FTI in die Insolvenz. Ein weiterer Fehlschlag für den staatlichen Fonds.
Frankfurt – Die Nachricht traf viele Urlauber hart: Am Montag (3. Juni) beantragte der Reise-Riese FTI Touristik GmbH ein Insolvenzverfahren. FTI kündigte in einer Pressemitteilung weitere Insolvenzen innerhalb des Konzerns an. Trotz einer Finanzspritze von rund 600 Millionen Euro aus staatlichen Mitteln während der Corona-Krise, lehnte die Ampel-Koalition weitere Unterstützung ab. Es wurde offensichtlich, dass der zugehörige Fonds bereits erhebliche Summen „verbrannt“ hatte.
Der staatliche Wirtschaftsstabilitätsfonds (WSF), verwaltet von der Bundesfinanzagentur, wurde ins Leben gerufen, um Unternehmen während der Coronavirus-Pandemie zu stabilisieren, die finanzielle Unterstützung benötigten. Eine Bedingung für die Unterstützung war, dass eine „Bestandsgefährdung erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft, die technologische Souveränität, Versorgungssicherheit, kritische Infrastrukturen oder den Arbeitsmarkt“ in Deutschland hätte.
FTI ist insolvenz: Auch hier wurde das Steuergeld verloren
Ursprünglich mit einem Volumen von 600 Milliarden Euro ausgestattet, wurde der Fonds bis zum 1. Januar 2022 auf 250 Milliarden Euro reduziert. Bis zum 30. Juni 2022 wurden Stabilisierungsmaßnahmen durchgeführt. Unter den unterstützten Unternehmen waren der damals bereits angeschlagene Reiseanbieter FTI mit 600 Millionen Euro, Galeria Karstadt Kaufhof mit 650 Millionen Euro und der Autozulieferer A-Kaiser mit 12,5 Millionen Euro.
Die WirtschaftsWoche berichtete kürzlich von einer Reihe von „Fehlschlägen“ bei den WSF-Hilfen. Trotz finanzieller Unterstützung meldeten Galeria, A-Kaiser und nun auch FTI Insolvenz an. Weitere „Fehlschläge“ waren die FRIMO Group GmbH, die bereits im Frühjahr 2023 Insolvenz angemeldet hatte, nachdem die Regierung etwa zehn Millionen Euro aus dem Fonds bewilligt hatte, und die Global Retool Group. Die fast 5,8 Milliarden Euro, die in die Lufthansa flossen, konnten das Unternehmen jedoch wieder auf die Beine bringen.
Wenn unterstützte Unternehmen letztendlich doch Insolvenz anmelden, muss der WSF das Geld abschreiben. Die genaue Höhe der Abschreibungen ist von der Finanzagentur nicht klar ersichtlich, fließt aber in die Ausgaben ein. Laut Jahresbericht beliefen sich diese im Jahr 2022 auf etwa 739,9 Millionen Euro und 2023 auf rund 275,7 Millionen Euro. Das Geschäftsjahr 2023 schloss der WSF mit einem Jahresergebnis von 109,7 Millionen Euro ab, die Bilanzsumme betrug 37,6 Milliarden Euro.
Bei FTI hatte der Fonds dreimal geholfen
„Dieses Ergebnis wurde im Wesentlichen durch Erträge im Zusammenhang mit der vorzeitigen Rückzahlung von Stabilisierungsmaßnahmen, Zinserträge aus gewährten Stabilisierungsmaßnahmen sowie Wertberichtigungen der Finanzanlagen bestimmt“, so der Fonds. Das Gesamtvolumen der beschlossenen und mit Unternehmen vereinbarten Rekapitalisierungen betrug 9,6 Milliarden Euro, von denen der WSF bis Ende 2023 rund 6,4 Milliarden Euro ausgezahlt hatte. Davon hatten die Empfänger der Maßnahmen bereits 4,4 Milliarden Euro zurückgezahlt.
Im Fall von FTI hatte der Fonds dreimal geholfen: Zwischen August 2020 und Oktober 2021 gab es drei Maßnahmen in Höhe von insgesamt rund 600 Millionen Euro. Dies war jedoch nicht ausreichend. Die Buchungen der Kunden blieben „deutlich“ hinter den Erwartungen des Konzerns zurück. Laut Handelsblatt entstand zuletzt eine Deckungslücke in Höhe eines „zweistelligen Millionenbetrags“.
Die FTI Touristik GmbH gab bekannt, dass die Luxusmarke Windrose Finest Travel GmbH ihre Geschäfte fortsetzen wird. Zunächst ist nur die Veranstaltermarke FTI Touristik betroffen. Mit Material von dpa
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