20.000 Soldaten gesucht

Für eine kriegstüchtige Bundeswehr: Dafür werden die neuen Milliarden jetzt ausgegeben

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CDU und SPD wollen die Schuldenbremse reformieren und ein 500-Milliarden-Paket für die Infrastruktur schnüren. Vor allem die Bundeswehr soll gestärkt werden.

Berlin – Vor allem für die Rüstungsbranche gab es am Dienstagabend (5. März) mal wieder richtig gute Nachrichten: Bei den Sondierungsgesprächen zur Bildung einer neuen Regierung haben sich Union und SPD auf ein milliardenschweres Finanzierungspaket verständigt. Alle Verteidigungsausgaben oberhalb von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen von den Beschränkungen der Schuldenbremse ausgenommen werden. Zudem solle ein neues Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastrukturausgaben für die Dauer von zehn Jahren geschaffen werden. Beschlossen werden sollen die Pakete in der kommenden Woche im alten Bundestag.

Rüstungsbranche erlebt den Boom: Rheinmetall & Co. bauen massiv aus

Entsprechend positiv haben am Mittwoch auch die Märkte reagiert: Der deutsche Leitindex eroberte die 23.000-Punkte-Marke zurück, die er zu Wochenbeginn erstmals geknackt hatte. Angetrieben von einem Kursfeuerwerk bei Bau- und Rüstungswerten notierte der Dax bis zu 3,6 Prozent fester bei 23.130 Zählern, der EuroStoxx gewann 2,4 Prozent. „Für den Aktienmarkt wirkt das neue Politik-Paket wie ein riesiges Konjunkturpaket“, sagt Thomas Altmann von QC Partners. „Viele Branchen und Firmen dürfen sich jetzt auf zusätzliche Großaufträge freuen.“

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Durch die angespannte geopolitische Lage soll der Fokus der nächsten Bundesregierung zunächst auf die Ertüchtigung der Bundeswehr liegen. Die Abkehr der USA von den liberalen Demokratien Europas könnte die Auftragsbücher weiter füllen - und der angeschlagenen deutschen Wirtschaft nach zwei Jahren Rezession Auftrieb geben. Die Hersteller von Panzern, Munition und Militärfahrzeugen suchen händeringend nach Kapazitäten, Fachkräften und Fabriken, um den immer dringlicher werdenden Anfragen nachzukommen und ihre Produktion zügig hochzufahren. Dabei greifen sie auch bei der einstigen Vorzeigebranche zu und stellen von Autofirmen abgebautes Personal ein oder widmen ganze Fabriken um.

Luftabwehr, Drohnen, Munition und eine Wehrpflicht: Dafür soll das Geld ausgegeben werden

Um wirklich kriegstüchtig zu werden, braucht das deutsche Militär nach Angaben der Tagesschau eine Ausstattung von über 100 Prozent sowie eine Luftverteidigung, Cyberabwehr, nachrichtendienstliche Kapazitäten und Präzisionswaffen. Ebenfalls dringend benötigt werden mehr Munition und Drohnen – sowie Personal. Letzteres soll durch einen neuen Wehrdienst beschaffen werden, Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) warnt aber vor einer vorschnellen Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Nach Willen der CSU könnte die Wehrpflicht (Symbolbild) schon ab diesem Jahr wieder gelten.

Die Bundeswehr habe gar keine Kasernen, um alle Wehrpflichtigen eines Jahrganges tatsächlich einziehen zu können, sagte der SPD-Politiker in den ARD-„Tagesthemen“. Wichtiger sei, denjenigen eine Perspektive zu geben, die zur Bundeswehr wollten und diese Menschen zu erfassen. „Ein Schnellschuss à la ‚wir führen die Wehrpflicht, wie wir sie früher kannten, wieder ein‘, ist nicht wirklich hilfreich“, sagte Pistorius. Der Reservistenverband der Bundeswehr spricht von 20.000 Soldaten, die noch in diesem Jahr gebraucht würden.

Wirtschaftsweise warnt Merz vor der Aufnahme neuer Schulden

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm – die die Aufnahme dieser Schulden insgesamt kritisch sieht – sprach sich gegenüber der NOZ dafür aus, „unpopuläre Debatten“ zu führen. „Aufbau einer eigenen Waffenindustrie, vor allem auch in einem Hightech-Bereich. Wehrpflicht oder Dienstpflicht. Waffenexporte, Beteiligung an einem nuklearen Schutzschirm“, so die Expertin. Verhindert werden sollten aus ihrer Sicht übermäßige Investitionen in ausländische Waffen: „Einen großen Teil des Geldes werden wir dann für Waffenimporte ausgeben, was das Wachstum andernorts ankurbelt, aber nicht bei uns“.

Neben den Milliarden für die Bundeswehr soll auch ein 500-Milliarden-schweres Infrastrukturpaket geschnürt werden. Ausgegeben werden soll das Geld über zehn Jahre, für folgende Bereiche: Verkehr, (darunter Schiene, Häfen, Straßen, Brücken etc.), Bildungsinfrastruktur (Kitas und Schulen), Gebäude und Wohnungsbau, Energieversorgung und Netze sowie Digitalisierung. (wal mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Frank May/dpa

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