VonAmy Walkerschließen
Heizen wir bald alle mit Wasserstoff? Wenn man die Wissenschaft fragt, heißt es: Nein. Doch in Bayern beginnt noch dieses Jahr ein Pilotprojekt, das das Gegenteil beweisen soll.
Ingolstadt – Ob Wasserstoff fürs Heizen in Zukunft geeignet sein wird, darüber wird gerade öffentlich gestritten. Es gibt viele gute Argumente gegen die Verwendung von Wasserstoff, da dieser vor allem für die Dekarbonisierung der Industrie zum Einsatz kommen soll. Doch Gasnetzbetreiber und Energieversorger wollen sich nicht aus dem Heizungs-Geschäft vertreiben lassen und treiben die Debatte um den Wasserstoff als Erdgas-Ersatz voran. In Bayern wird es in diesem Jahr sogar ein Pilotprojekt geben, das die neuartige Energiequelle auf den Prüfstand stellen soll.
Zehn Haushalte in Bayern heizen mit Wasserstoff
Marcus Böske, Chef des Gasnetzbetreibers Energie Südbayern, hat in der FAZ über sein Pilotprojekt gesprochen. Seinen Angaben zufolge wird ab Oktober dieses Jahres in zehn Haushalten und einer Tischlerei in der Gemeinde Hohenwart bei Ingolstadt mit Wasserstoff geheizt. „Wir wollen zeigen, dass das Heizen mit Wasserstoff praktisch funktioniert und dass das eine gute Alternative zur Wärmepumpe sein kann“, wird Böske in der FAZ zitiert. Der grüne Wasserstoff, der durch die Elektrolyse mit Solar- oder Windstrom hergestellt wird, soll mit Tankfahrzeugen geliefert werden. Die neuartigen Wasserstoff-Heizungen werden den Haushalten gestellt.
Marcus Böske wirbt für die Wasserstoff-Heizungen: Sie seien genauso teuer wie eine herkömmliche Erdgasheizung und würden auch nur einen halben Tag brauchen, um installiert zu werden. Zudem bräuchten Wohnungen und Häuser keine weiteren Dämm- oder Sanierungsmaßnahmen, um effizient eine solche Heizung zu nutzen. „Für Besitzer von Altbauten sind Wasserstoffheizungen eine tolle Sache“, so seine Zusammenfassung.
Doch auch die Befürwortenden der Wasserstoffheizungen erkennen an: Wer jetzt auf diese Technologie setzt, geht ein Risiko ein. Dass es jemals genug Erzeugungskapazitäten für grünen Wasserstoff geben wird, ist alles andere als gewiss. Die FAS schreibt nach einer Umfrage diverser Netzbetreiber, dass viele Stadtwerke Verbrauchern und Verbraucherinnen davon abraten, jetzt eine solche Heizung zu installieren.
Gasnetzbetreiber fühlen sich von der Regierung ausgebremst
Allerdings merken die Gasnetzbetreiber in der FAS-Umfrage ebenfalls an, dass die rechtlichen Auflagen im Heizungs-Gesetz der Ampel so streng seien, dass man dem Wasserstoff nicht mal eine Chance gebe. So müssten laut Gesetz Netzbetreiber schon 2024 einen Transformationsplan erstellen, der aufzeigt, warum die Wasserstoffheizungen bis 2035 funktionieren können. Und die Betreiber müssen Verbraucher und Verbraucherinnen entschädigen, wenn der Plan am Ende nicht aufgeht.
Die Gasnetzbetreiber wollen auf Wasserstoff umstellen, fühlen sich aber durch den Regierungsentwurf ausgebremst. Es ist auch in ihrem Interesse – schließlich würde die Stilllegung der Gasnetze ein Schaden in Milliardenhöhe bedeuten. Das bayerische Pilotprojekt kommt ihnen also entgegen, möglicherweise zeigt sich da, welches Potenzial hinter dem Wasserstoff steckt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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