Neue Technik

Gegen US-Übermacht: Deutsche Autobauer bilden überraschende Allianz

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Google integriert seine Software immer tiefer in Automobile. Die deutschen Hersteller VW, Mercedes und BMW bündeln jetzt ihre Ressourcen – um die Autoindustrie zu stärken.

Wer gute Autos bauen will, braucht mittlerweile mehr als nur exakte Spaltmaße, kräftige Motoren oder schönes Design. Moderne Autos sind Computer auf Rädern, die über eigene Betriebssysteme verfügen. Und die Software in den Fahrzeugen wird immer komplexer. Sie reicht vom Infotainment über Assistenten mit Künstlicher Intelligenz bis hin zu Datenauswertung, Sicherheitssystemen und autonomem Fahren.

Deutsche Autobauer und Zulieferer arbeiten an Software-Lösung – um gegen Tech-Riesen zu bestehen

Für die Hersteller und ihre Zulieferer ist das ein enormer Entwicklungs- und Aktualisierungsaufwand – den die deutsche Autoindustrie künftig zumindest in Teilen gemeinsam schultern will. Das soll der Branche auch helfen, langfristig gegen riesige Tech-Konzerne wie Google zu bestehen.

Beim Automobil-Elektronik-Kongress in Ludwigsburg haben am Dienstag deshalb deutsche Autokonzerne ihre Absicht bekundet, bei der Software-Entwicklung zusammenzuarbeiten. Unter den elf Unterzeichnern sind neben den großen deutschen Herstellern Volkswagen, BMW und Mercedes auch die wichtigen Zulieferer Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen. Angestoßen hat das Projekt der deutsche Automobilverband VDA. Schon 2026 soll für alle Mitglieder eine gemeinsame Basissoftware für die Entwicklung einer Plattform zum autonomen Fahren zur Verfügung stehen.

BMW, Volkswagen, Mercedes und Co. müssen nicht allein an kostspieliger Software arbeiten

Der Vorteil: Es muss nicht mehr jedes Unternehmen im Alleingang an kniffligen Software-Lösungen tüfteln und dafür viel Geld und Zeit aufwenden. Zudem wird auch die jahrelange Pflege und Aktualisierung der digitalen Produkte stärker im Verbund vorgenommen, was ebenfalls Ressourcen freigibt. Im Gegenzug büßen die Autobauer zumindest einen Teil ihrer Eigenständigkeit ein. Die Mitglieder sollen bereits entwickelte Software in den gemeinsamen Pool einbringen und auch neue Bausteine für die Gruppe entwickeln. In jedem Bereich wird dann die beste Lösung ausgewählt, für die Basissoftware zur Verfügung gestellt und weiterentwickelt.

Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab

Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle
Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle. © Sven Simon/Imago
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota mit 87.578 Neuzulassungen. © Thales Antonio/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen. © Pond5 Images/Imago
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Hyundai Tucson mit 20.907 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Hyundai Tucson mit 20.907 Neuzulassungen. © Hyundai
Platz acht der beliebtesten Automarken in Deutschland: Ford mit 108.299 Neuzulassungen
Platz acht der beliebtesten Automarken in Deutschland: Ford mit 108.299 Neuzulassungen. © Ford
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Ford Transit Custom mit 22.329 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Ford Transit Custom mit 22.329 Neuzulassungen. © Ford
Platz sieben der beliebtesten Automarken in Deutschland: Opel mit 136.189 Neuzulassungen
Platz sieben der beliebtesten Automarken in Deutschland: Opel mit 136.189 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt: Opel Corsa mit 48.581 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt: Opel Corsa mit 48.581 Neuzulassungen. © Opel
Platz sechs der beliebtesten Automarken in Deutschland: Seat mit 162.566 Neuzulassungen
Platz sechs der beliebtesten Automarken in Deutschland: Seat mit 162.566 Neuzulassungen. © NurPhoto/Imago
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Seat Leon mit 38.425 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Seat Leon mit 38.425 Neuzulassungen. © Seat
Platz fünf der beliebtesten Automarken in Deutschland: Audi mit 205.862 Neuzulassungen
Platz fünf der beliebtesten Automarken in Deutschland: Audi mit 205.862 Neuzulassungen. © Audi
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Audi A6 mit 37.505 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Audi A6 mit 37.505 Neuzulassungen. © Audi
Platz vier der beliebtesten Automarken in Deutschland: Skoda mit 226.472 Neuzulassungen
Platz vier der beliebtesten Automarken in Deutschland: Skoda mit 226.472 Neuzulassungen. © Skoda
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Skoda Octavia mit 44.890 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Skoda Octavia mit 44.890 Neuzulassungen. © Skoda
Platz drei der beliebtesten Automarken in Deutschland: BMW mit 253.712 Neuzulassungen
Platz drei der beliebtesten Automarken in Deutschland: BMW mit 253.712 Neuzulassungen. © BMW
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: BMW X1 mit 47.143 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: BMW X1 mit 47.143 Neuzulassungen. © BMW
Platz zwei der beliebtesten Automarken in Deutschland: Mercedes-Benz mit 260.415 Neuzulassungen
Platz zwei der beliebtesten Automarken in Deutschland: Mercedes-Benz mit 260.415 Neuzulassungen. © Mercedes-Benz
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Mercedes GLC/GLK mit 37.146 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Mercedes GLC/GLK mit 37.146 Neuzulassungen. © Mercedes-Benz
(Traditionell) Platz eins der beliebtesten Automarken in Deutschland: VW mit 560.796 Neuzulassungen
(Traditionell) Platz eins der beliebtesten Automarken in Deutschland: VW mit 560.796 Neuzulassungen. © Volkswagen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: VW Golf mit 85.023 Neuzulassungen
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: VW Golf mit 85.023 Neuzulassungen. © Volkswagen

Das alles passiert als Open-Source-Modell. Das heißt, der Quellcode ist nicht geheim, sondern für jedermann einsehbar – auch für Konkurrenten. So werden laut VDA unter anderem kartellrechtliche Bedenken ausgeräumt.

Trotz gemeinsamer Software können BMW, Volkswagen und Mercedes eigene Schwerpunkte setzen

Einen Einheitsbrei bei der Autosoftware befürchtet der VDA dennoch nicht. Zum einen würden Autofahrer von einem Großteil der Software in ihren Fahrzeugen nichts mitbekommen: etwa von der Diagnosesoftware, von Vorkehrungen zur Cybersicherheit, Schnittstellen für Cloud-Anwendungen oder Tools zur Auswertung von Fahrdaten. Zum anderen müssen Mitglieder nicht alle Software-Module nutzen, sondern können abwägen, wo sich eine eigene Entwicklung lohnt – und wo nicht. Sie dürften künftig vor allem dort eigene Akzente setzen, wo der Fahrer wie bei Assistenzsystemen oder Infotainment direkt mit der Software in Kontakt kommen. Wie viel Energie die Mitglieder am Ende wirklich in das Gemeinschaftsprojekt stecken, muss sich erst zeigen.

Obwohl die Initiative bislang nur aus deutschen Firmen besteht, ist eine Ausweitung auf europäische und internationale Hersteller wie Stellantis angepeilt. Immerhin haben sie das gleiche Ziel wie VW, BMW und Mercedes: im immer härter werdenden globalen Wettbewerb bestehen und Konkurrenten wie Google aus dem Auto halten. Nachdem bereits über zwei Drittel der Handys weltweit mit Googles Android-Betriebssystem ausgerüstet sind, hat die US-Datenkrake auch Fahrzeuge als Geschäftsfeld entdeckt und dringt mit ihren Tentakeln immer weiter in die Autos vor.

Google immer bedeutender in der Auto-Branche – aber Zweifel kommen auf

Mit Android Automotive hat der Konzern schon ein eigenes Betriebssystem für Fahrzeuge entwickelt, das etwa von Volvo, Ford oder General Motors genutzt wird. In der Autobranche fürchtet man deshalb nicht nur um den exklusiven Zugriff auf wertvolle Daten der Autofahrer. Man fragt sich auch, ob es klug ist, Tech-Konzernen den Zugriff auf Fahr-, Lenk- und Bremssysteme zu gewähren.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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