VonNina Luttmerschließen
Viele Menschen fühlen sich finanziell abgehängt. Aber es gibt positive Signale. Festgeld, Tagesgeld, Anleihen, Aktien, Gold: Die FR gibt einen Überblick über die Optionen der Geldanlage, die derzeit für viele Bürger:innen im Vordergrund stehen.
Am 31. Oktober ist Weltspartag, zum 98ten Mal. Im Jahr 1924 beschlossen Delegierte aus 27 Ländern auf dem Ersten Internationalen Sparkassenkongress in Mailand, den Tag ins Leben zu rufen, um die Idee des Sparens in die Welt zu tragen. 1925 wurde er das erste Mal begangen. In Deutschland liegt er inzwischen auf dem 30. Oktober, da der 31. Oktober in vielen Bundesländern ein Feiertag ist. Kreditinstitute nutzen den Tag als Plattform, um mit Aktionen und Geschenken Kundschaft anzulocken.
Anlässlich des Weltspartags veröffentlicht der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) seit vielen Jahren sein Vermögensbarometer - eine Umfrage zum Thema Geld und Finanzen unter Bürgerinnen und Bürgern ab einem Alter von 14 Jahren. Klar sei: Die zahlreichen Krisen belasteten die Menschen finanziell, sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis vor Journalistinnen und Journalisten. Das sei die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht sei aber: „Die Menschen bleiben optimistisch. Die Bürgerinnen und Bürger sind zwar etwas skeptischer, was die finanzielle Zukunft angeht, aber sie sind optimistisch, dass sie Lösungen finden werden.“
In diesem Jahr bewerten laut der Umfrage 26 Prozent der Menschen ihre finanzielle Situation als „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“ - nur im Jahr 2007 war dieser Wert auch so hoch. 2022 waren es noch 22 Prozent, 2020 nur 18 Prozent, die ihre Lage so negativ einstuften. Als „sehr gut“ oder „gut“ bewerten 34 Prozent ihre Lage – auch hier gab es zum Vorjahr einen Rückgang von vier Prozentpunkten. Auffällig: Besonders unzufrieden sind die Menschen mittleren Alters, die 40- bis 49-Jährigen. Weitaus glücklicher mit ihrer Lage dagegen sind die 14- bis 29-Jährigen und Menschen ab 60 Jahren.
25 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich ihre finanzielle Lage in den kommenden zwei Jahren verschlechtern wird - das sind sechs Prozentpunkte weniger als noch 2022. Immerhin 33 Prozent rechnen mit einer Verbesserung ihrer Situation.
Die hohe Inflation führt dazu, dass 71 Prozent der Befragten auf Dinge verzichten - sechs Prozentpunkte mehr als 2022. Besonders betroffen davon sind Menschen mit niedrigem Einkommen. Vor allem im Supermarkt zeigt sich das geänderte Konsumverhalten: 62 Prozent aller Befragten greifen häufiger zu billigeren Produktalternativen, 52 Prozent heizen weniger und 49 Prozent gehen seltener auswärts essen.
Schleweis machte auf eine „bedenkliche Entwicklung“ aufmerksam: „Immer mehr Menschen sparen immer weniger“, sagte er. Ein Fünftel der Teilnehmer:innen kann wegen knapper Kasse gar nichts zurücklegen. Bei den Haushaltsnettoeinkommen bis 1000 Euro gibt es sogar 42 Prozent Nichtsparer:innen.
Erfreuliches gibt es aber auch zu berichten: So hat sich das Finanzbildungs-Niveau offenbar erhöht. Nur noch 35 Prozent der Befragten gaben an, mangelhaftes Wissen über Wertpapiere zu haben. Zwei Jahre zuvor waren es noch 45 Prozent. Das deckt sich mit Zahlen des Deutschen Aktieninstituts, denen zufolge sich immer mehr Deutsche an den Kapitalmarkt wagen. Rund 18,3 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren war demnach 2022 am Aktienmarkt engagiert - Rekord.
Schleweis sagte, die Deutschen hätten im professionellen Umgang mit Wertpapieren dazugelernt. Er betonte, die langfristig ausgerichtete Wertpapieranlage und der Kauf einer Immobilie seien die Mittel, um als Anleger:in die Inflation zu schlagen.
Die FR gibt einen Überblick, über die Optionen der Geldanlage, die derzeit für viele Bürger:innen im Vordergrund stehen.
Fest- und Tagesgeld: Der Sicherheitsbaustein
Jahrelang gab es keine Zinsen aufs Ersparte – oder Sparerinnen und Sparer mussten sogar in Form eines Negativzinses bei Banken draufzahlen. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) Schritt für Schritt die Leitzinsen erhöht hat, sieht es anders aus. Inzwischen gibt es für dreijähriges Festgeld bei Banken, die der EU-Einlagensicherung unterliegen, bis zu 4,9 Prozent Zinsen. Wobei man damit nicht die hohe Inflationsrate, die 2023 hierzulande immer noch bei um die sechs Prozent liegen dürfte, schlagen kann. Dennoch sind Fest- und Tagesgeldkonten wegen ihrer hohen Sicherheit beliebt.
Doch wie lange sollten Sparer:innen sich beim Festgeld binden? Momentan erwarten die meisten Fachleute, dass die EZB eine Zinspause einlegen wird, die Leitzinsen also nicht weiter erhöht werden. Ob die Notenbank die Leitzinsen bereits 2024 wieder senken wird, darüber gehen die Erwartungen auseinander. Von daher kann es ein guter Moment für Sparer:innen sein, um langfristigere Festgeldverträge abzuschließen und sich somit den guten Zins längerfristig zu sichern – sofern man das Geld so lange nicht für Anschaffungen benötigt. Die wenigsten Fachleute empfehlen aber, das Geld länger als zwei bis drei Jahre zu binden.
Verbraucherschützer:innen raten dazu, stets Banken zu wählen die der europäischen Einlagensicherung unterliegen, die 100 000 Euro schützt. Zudem sollten Sparer:innen auf die Bonität des Herkunftslandes der Bank schauen, denn dieses muss die Auszahlung im Krisenfall gewährleisten.
Das Finanzportal Finanztip weist zudem darauf hin, dass in Ländern, die nicht den Euro eingeführt haben, die Einlagensicherung in der dortigen Währung abrechnet. Auch wenn das Konto in Euro geführt wird, ist der Sicherungsbetrag dann beispielsweise in Schwedischen Kronen festgelegt. Die Fachleute empfehlen, in dem Fall nicht die Grenze der Einlagensicherung auszureizen.
Für Geld, das in den kommenden Monaten benötigt wird, sollten Sparer:innen ein Tagesgeldkonto haben. Auch dort gibt es schon bis zu vier Prozent Zinsen im Jahr – wobei die Lockangebote oft nur für sechs Monate gelten. Wer dauerhaft attraktive Zinsen bekommen möchte, muss also regelmäßig die Bank wechseln.
Anleihen: Wieder rentabel
Mehrere Jahre lang waren die Renditen von deutschen Staatsanleihen negativ: Wer dem Bund Geld leihen wollte, musste also sogar Geld drauflegen. Die Zinserhöhungen der Notenbanken haben die Renditen von Staatsanleihen aber nach oben getrieben. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit bei 2,9 Prozent, für Bonds mit zwei Jahren verbleibender Laufzeit gibt es 3,2 Prozent. In den USA sind die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen sogar auf aktuell 4,9 Prozent geklettert, für zweijährige gibt es 5,1 Prozent.
Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität gelten als sichere Investments. „Die Staatsanleihen der Industriestaaten erachten wir auf dem erreichten Renditeniveau als sehr attraktiv. Bei Bundesanleihen sind alle Laufzeiten kaufenswert. Wir empfehlen aber, den kurzen Laufzeitenbereich stärker überzugewichten, denn dort gibt es eine höhere Rendite mit geringen Kursrisiken. Die erwartete rückläufige Inflation und Wachstumsabschwächung sprechen aber auch für Engagements im längeren Laufzeitenbereich“, schreiben die Analysten der Commerzbank.
Wer wieder niedrigere Leitzinsen und einen Rückgang der Inflation erwartet, könnte sich mit lang laufenden Staatsanleihen langfristig ordentliche Zinsen sichern. Mit US-Staatsanleihen, das sollten Anleger:innen aber im Kopf behalten, kauft man sich ein Währungsrisiko mit ein.
Die Fachleute von Finanztip halten Staatsanleihen sowieso nicht für die beste Wahl: Sie raten eher zu Tages- und Festgeld als Sicherheitsbaustein der Geldanlage. „Denn gute Konten werfen noch etwas höhere Erträge ab als Staatsanleihen und bieten ebenfalls ein hohes Maß an Sicherheit.“ Tatsächlich gibt es inzwischen stabile Banken in Europa, die auch für lange Laufzeiten Zinsen von mehr als vier Prozent aufs Festgeld bieten.
Auch viele Unternehmensanleihen in Deutschland bieten wieder Renditen von mehr als vier Prozent. Dabei sollten Anleger:innen aber immer bedenken, dass die Rückzahlung von der Zahlungsfähigkeit des jeweiligen Unternehmens abhängt. Die Analysten von Vontobel halten Unternehmensanleihen momentan für nicht sehr attraktiv. Die Anleger:innen würden „nicht angemessen für all das entschädigt, was in den kommenden neun bis zwölf Monaten schiefgehen könnte“, schreiben sie.
Anleger:innen, die ihr Risiko reduzieren wollen, können auch ETFs auf Staats- oder Unternehmensanleihen kaufen.
Gold: Nur als Beimischung geeignet
Gold gilt gemeinhin als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Das wird derzeit wieder offensichtlich: Die Angst vor einer Eskalation der Lage im Nahen Osten hat den Goldpreis zuletzt hochgetrieben. Eine Feinunze (31,10 Gramm) Gold kostet momentan etwa 1845 Euro. Den höchsten Euro-Schlusskurs seiner Geschichte hatte Gold am 8. März 2022 mit 1880,75 Euro. Im Jahr 2003 kostete eine Feinunze des Edelmetalls übrigens noch um die 300 Euro.
Durch die gestiegenen Renditen von Staatsanleihen und die höheren Zinsen auf Festgeld und Tagesgeld hat Gold in den vergangenen Monaten „sichere“ Konkurrenz bekommen. Nach Einschätzung der Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank stellt der Krieg im Nahen Osten aber nun wieder ein „erhebliches Aufwärtsrisiko dar“. Sollte sich dieser Konflikt auch auf andere Länder der Region ausweiten, dürfte der Goldpreis aufgrund seiner Rolle als sicherer Hafen zulegen, glaubt die Analystin. Sollte die Lage aber nicht weiter eskalieren, dürfte das weitere Aufwärtspotenzial kurzfristig begrenzt bleiben.
Die Verbraucherzentralen warnen auf ihrer Homepage verbraucherzentrale.de: „Der Wert von Gold ist heftigen Schwankungen unterworfen und bleibt daher eine riskante und spekulative Geldanlage.“ Als Beimischung zu einem Depot aus Aktien und Anleihen könne man Gold durchaus in Betracht ziehen. „Sie sollten aber nicht mehr als fünf bis zehn Prozent Ihres Vermögens in Gold anlegen“, so die Verbraucherschützer:innen. Als Argumente für diese vorsichtige Haltung nennen sie neben den Preisschwankungen, dass Gold in Dollar gehandelt wird – es also ein Währungsrisiko gibt. Zudem seien die Kosten des Goldkaufs hoch und die Aufbewahrung in einem Banksafe kostet. Und: „Gold bringt weder Zinsen noch Dividenden“, so die Verbraucherschützer:innen weiter.
Aktien: Große Chancen, große Risiken
Insgesamt haben die Börsen sich in den vergangenen Monaten trotz aller konjunkturellen Sorgen und obwohl andere Investments wegen der höheren Leitzinsen an Attraktivität gewonnen haben als insgesamt stabil erwiesen. Doch inzwischen ist, auch verursacht durch die schwerwiegende Lage im Nahen Osten, ein Abwärtstrend sichtbar. Wie es in den kommenden Monaten weitergeht, darüber sind sich die Beobachter:innen uneins. Thorsten Weinelt, Chefanlagestratege der Commerzbank, schrieb kürzlich in einer Analyse seiner Bank, Deutschland und Europa befänden sich vermutlich bereits in der Rezession, China kämpfe mit den Folgen der Immobilienkrise und in die USA mehrten sich die Zeichen einer konjunkturellen Abschwächung im ersten Halbjahr 2024. „Bislang schlug sich das noch nicht in den Erwartungen für die Unternehmensgewinne nieder“, so Weinelt. Seine Analyst:innen erwarten nun „deutliche Gewinnrevisionen in den kommenden Quartalen, die per Saldo eine Belastung für die Aktienmärkte darstellen sollten.“
Das befürchten auch die Analysten der Bank Vontobel. Alle Blicke richteten sich auf die angelaufene Berichtssaison, die bereits Anzeichen einer sich abschwächenden Dynamik erkennen lasse, so Experte Mario Montagnani. Für Aktien-Anleger:innen könnte dies bedeuten, dass es am besten ist, erst einmal die Füße stillzuhalten – und möglicherweise das zu tun, was Commerzbank-Experte Weinelt empfiehlt: Potenzielle Rücksetzer auf den Märkten dafür zu nutzen, den Aktienanteil im Portfolio dann zu erhöhen beziehungsweise neu einzusteigen.
Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, forderte zuletzt mehr Mut bei der Geldanlage. Er kritisierte die Fixierung vieler Deutscher auf das Tagesgeld. Damit spare man der Inflation hinterher, sagte er. Anlegerinnen und Anleger sollten sich langfristig orientieren und müssten dazu bereit sein, kurzfristige Wertschwankungen auszuhalten. In nächster Zeit dürften sich die Aktienmärkte zunächst mit hohen Schwankungen seitwärts bewegen, glaubt er. Mittelfristig dürften sie aber wieder von globalem Wachstum und dem Umbau der Wirtschaft mit Blick auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit profitieren.
Verbraucherschützer:innen raten aber grundsätzlich dazu, nicht in Einzelaktien zu investieren, sondern das Geld in börsengehandelte Indexfonds (ETF) zu stecken. Das mindert das Risiko, hohe Verluste zu erleiden.
