Lohn für Frauen und Männer

Gender Pay Gap: Warum er gerade bei hoch qualifizierten Beschäftigten so groß ist

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Der Lohnnachteil von Frauen ist bei hoch qualifizierten Beschäftigten besonders hoch. Im Durchschnitt sinkt die Ungleichheit der Löhne aber etwas.

Mit einer beruhigenden Annahme muss Katharina Wrohlich leider aufräumen. Hohe Bildung schütze Frauen nicht, wie oft vermutet, vor ungleicher Bezahlung. „Im Gegenteil“, sagt die Ökonomie-Professorin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Mit zunehmender Berufsqualifikation blieben die Einkommen weiblicher Beschäftigter sogar weiter hinter denen der Männer zurück.

Die neue Studie zum Lohnabstand zwischen Frauen und Männern (englisch „Gender Pay Gap“) erscheint an diesem Mittwoch.

Die neue Studie zum Lohnabstand zwischen Frauen und Männern (englisch „Gender Pay Gap“) erscheint an diesem Mittwoch, zwei Tage vor dem alljährlichen internationalen Aktionstag, an dem seit fast 60 Jahren Gewerkschaften und Bürgerrechtsorganisation gleiche Bezahlung für die Geschlechter einfordern.

Gender Pay Gap: Teilzeitarbeit führt zu großen Unterschieden

Zu dieser langen Auseinandersetzung wollen Wrohlichs Ergebnisse nicht so recht passen. Sie zeigen, dass die Lohnlücke gerade bei abhängig Beschäftigten mit Hochschulabschluss in zunehmendem Lebensalter am stärksten wächst. Immerhin 28 Prozent liegen die durchschnittlichen Verdienste für Männer höher als für Frauen, wenn diese 50 Jahre alt sind. Bei Beschäftigten mit Abitur oder Ausbildung beträgt der Gender Pay Gap dagegen in diesem Alter 20 Prozent, bei Leuten ohne Abitur und Ausbildung nur 18 Prozent. Basis für diese Berechnung sind die Bruttostundenlöhne.

Der wesentliche Grund für diesen von jungen Jahren ins Alter wachsenden Gender Pay Gap ist nach Wrohlichs Einschätzung der höhere Anteil von Teilzeitarbeit unter Frauen als Männern. Die Lohnkurven gehen dann besonders auseinander, wenn Frauen um ihr 30. Lebensjahr herum vermehrt in Teilzeit und nicht mehr in Vollzeit arbeiten. Dies wiederum hängt damit zusammen, dass Familien gegründet werden und der Nachwuchs kommt. Wobei die Unterschiede in Westdeutschland viel größer sind als in den östlichen Bundesländern, wo Frauen deutlich weniger Teilzeit arbeiten.

Sorgearbeit schlägt ins Gewicht

Für die am besten qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommt dabei ein besonderer Effekt zum Tragen. Der Nachteil der Frauen fällt besonders ins Gewicht, weil sie wegen ihrer Teilzeittätigkeit gleichzeitig auch niedrigere Stundenlöhne erhalten. Das eine bedingt das andere. Wenn beispielsweise eine Anwältin 30 Stunden pro Woche arbeitet, ihr männlicher Kollege hingegen 60 Stunden, ist letzterer der Firma einen höheren Stundenlohn wert. Das lässt sich verstehen als Bonus für die Bereitschaft, ständig im Einsatz zu sein.

Wobei sich die Frage stellt, warum Frauen überhaupt mehr in Teilzeit arbeiten als Männer. Das hat unter anderem mit einem Mangel an Plätzen in Kindertagesstätten zu tun, aber auch mit einem unterschiedlichen Rollenverständnis von Männern und Frauen – letztere leisten mehr Sorge- und Familienarbeit. Hinzu kommen politische Rahmensetzungen wie das steuerliche Ehegattensplitting und Minijobs, die weibliche Beschäftigte animieren, weniger zu arbeiten als ihre Partner.

Wobei sich dieser politische Rahmen beeinflussen und verändern lässt, etwa durch mehr Kita-Plätze. Und das funktioniert: So lautet die gute Nachricht des Statistischen Bundesamtes, dass der Gender Pay Gap insgesamt von 2023 auf 2024 um zwei Prozent auf durchschnittlich 16 Prozent sank. Wohlgemerkt: In diesem Maß der Ungleichheit sind viele Faktoren enthalten, etwa auch die Berufswahl, die Frauen oft schlechter bezahlte Tätigkeiten ausüben lässt als Männer. Das bedeutet nicht, dass weibliche Beschäftigte für die exakt gleiche Tätigkeit so viel weniger Geld erhalten als Männer. In diesem konkreten Vergleich beträgt der Nachteil der Frauen nur sechs Prozent.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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