Ende einer Ära

Geschichte von deutschem Traditionsunternehmen endet nach 135 Jahren endgültig

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Die traditionsreiche Familienmetzgerei Kübler stellt nach 135 Jahren den Betrieb ein. Davon betroffen sind mehr als 100 Mitarbeiter, deren Zukunft ungewiss bleibt.

Stuttgart/Waiblingen – Die Geschichte der Familienmetzgerei Kübler begann im Jahr 1890 in der Rotebühlstraße im Herzen Stuttgarts und endet im Jahr 2025 in Waiblingen (Baden-Württemberg). Bereits zum Monatsanfang hatte der Betrieb einen Antrag auf die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt, eine erhoffte Sanierung ist aber laut dem Insolvenzverwalter nicht möglich, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Damit endet eine 135-jährige Tradition und die Zukunft von mehr als 100 Mitarbeitern ist ungewiss. Aber der Reihe nach.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Als Johann Burger im Jahr 1890 in der Rotebühlstraße in Stuttgart eine Metzgerei gründete, geschah dies unter einem anderen Namen, den heutigen erhielt das Traditionsunternehmen erst im Jahr 1966. Die ersten Jahre waren von einem starken Wandel geprägt, auch durch den Zweiten Weltkrieg, in dem die ursprüngliche Metzgerei durch einen Luftangriff vollständig zerstört wurde. In den folgenden Jahren wuchs das Familienunternehmen massiv und verlagerte seinen Sitz in den 1990er Jahren ins nahe Waiblingen.

Insolvenzverfahren für Traditionsmetzgerei Kübler eröffnet – doch es gibt keine Sanierungsmöglichkeit

Klassische Metzgereien werden in Deutschland immer seltener, was zum einen mit einem sinkenden Fleischkonsum, zum anderen aber auch mit den Angeboten von großen Discountern und Supermärkten zusammenhängen dürfte. Deshalb orientieren sich einige Betriebe um. Eine Metzgerei in der Region Stuttgart kommt beispielsweise ohne Personal aus, wodurch Kosten eingespart werden, und eine Metzgerei im Alb-Donau-Kreis lockt mit dem weltweit ersten Leberkäs-Drive-In. Kübler hatte dagegen laut der Stuttgarter Zeitung (StZ) bereits im Jahr 2021 umstrukturiert und auf Großkunden gesetzt. Die Neuausrichtung ging für das Traditionsunternehmen aber nicht auf.

Name Kübler GmbH & Co. KG
Gründung 1890 in Stuttgart, Baden-Württemberg
Sitz Waiblingen, Baden-Württemberg
Branche Metzgerei, Einzelhandel
Mitarbeiter 106 (April 2025)

Das ehemalige Stammhaus in der Rotebühlstraße wurde im Jahr 2021, nach 130 Jahren, geschlossen und auch die Produktion in Waiblingen ist seit der Insolvenzanmeldung größtenteils zum Erliegen gekommen. Wie aus den Insolvenzbekanntmachungen der Länder hervorgeht, hat das Amtsgericht am Montag (28. April) das Regelinsolvenzverfahren für die Kübler GmbH & Co. KG eröffnet und den Stuttgarter Rechtsanwalt Tibor Daniel Braun zum Insolvenzverwalter bestellt. Dieser hat allerdings keine guten Nachrichten. „Der Geschäftsbetrieb kann nicht mehr hochgefahren werden“, sagte er laut StZ.

Kübler-Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld – doch weitere Zukunft ist ungewiss

„Zahlungsunfähigkeit“ und „Überschuldung“, die auch das Amtsgericht Stuttgart für Kübler angibt, sind gängige Gründe für eine Insolvenz. In einigen Fällen können Unternehmen durch den Einstieg von Investoren oder durch Übernahmen aber aus einer solchen gerettet werden. Beispielsweise wurde im vergangenen Jahr ein traditionsreiches Unternehmen der Fleischindustrie von einem größeren Betrieb übernommen. Da bei Kübler in Waiblingen aber bereits die Produktion stillsteht und die Mitarbeiter seit Monaten nicht bezahlt werden können, ist auch eine solche Rettung ausgeschlossen.

Nach 135 Jahren endet die Geschichte der traditionsreichen Familienmetzgerei Kübler in Waiblingen.

Deshalb endet nach 135 Jahren die Geschichte eines weiteren Traditionsunternehmens aus Baden-Württemberg, das in den vergangenen Jahrzehnten eine Institution auf seinem Gebiet darstellte. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für die noch 106 Mitarbeiter von Kübler, denn ihre Gehälter werden nun zumindest für drei Monate durch das Insolvenzgeld abgedeckt. Wie es danach weitergeht, ist allerdings ungewiss. Zuletzt hatte die Insolvenzwelle auch einen renommierten Wursthersteller aus Deutschland ereilt, der Großkunden wie Rewe und Edeka beliefert.

Rubriklistenbild: © Kübler GmbH & Co. KG

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