Nach Investoren-Absprung

Insolventer Traditions-Autozulieferer wird Ende des Jahres geschlossen - rund 750 Mitarbeiter betroffen

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Beim insolventen Autozulieferer Allgaier Automotive gehen Ende des Jahres endgültig die Lichter aus. Im vergangenen Jahr war ein potenzieller Investor kurzfristig abgesprungen.

Uhingen - Es war eine lange Geduldsprobe für die Belegschaft, seit die traditionsreichen Allgaier-Werke mit Sitz in Uhingen (Baden-Württemberg) Mitte 2023 überraschend Insolvenz anmeldeten. In den vergangenen Monaten konnten die Insolvenzverwalter von PLUTA zwar für mehrere Gesellschaften Lösungen finden, darunter auch für eine der beiden Hauptgesellschaften der Unternehmensgruppe. Die Allgaier Process Technologie GmbH wurde bereits Ende 2023 von einem Investor übernommen, für die zweite zentrale Gesellschaft, die Allgaier Automotive GmbH, gehen die Lichter Ende 2025 aber endgültig aus.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Die Allgaier Automotive ist die größte Gesellschaft der Allgaier-Gruppe und beschäftigt am Firmensitz im schwäbischen Uhingen rund 750 Mitarbeiter. Die IG Metall und die Insolvenzverwalter kämpften lange Zeit um eine Zukunft des Unternehmens, das als Zulieferer für die Autobauer in der Region einen großen Stellenwert hat. Als Ende 2024 ein potenzieller Investor absprang, hieß aber bereits, dass eine Rettung am seidenen Faden hinge. Eine solche ist nun endgültig vom Tisch, für die Belegschaft gibt es aber dennoch Hoffnung.

Allgaier Automotive wird Ende 2025 geschlossen - für die Mitarbeiter gibt es aber eine Absicherung

Wie die PLUTA-Pressestelle auf IPPEN.MEDIA-Anfrage bestätigt, soll die Allgaier Automotive Ende des Jahres geschlossen werden. Die rund 750 Mitarbeiter wurden demnach am Mittwoch (26. Februar) informiert, Kündigungen soll es bis zum Jahresende aber nicht geben. Die Autobauer haben sich dazu bereiterklärt, eine Transfergesellschaft zu unterstützen, die die Mitarbeiter bis Mitte 2026 finanziell absichert. „Wir haben Zeit gewonnen und nun Ruhe in der Belegschaft“, erklärt Insolvenzverwalter Michael Pluta. Für die Region ist das Ende der Allgaier Automotive dennoch ein schwerer Schlag, auch weil die Insolvenz beispielsweise von der IG Metall auch als Chance für das Unternehmen bezeichnet wurde.

Name Allgaier Automotive GmbH
Gründung 1906 (Allgaier-Gruppe)
Sitz Uhingen, Baden-Württemberg
Gruppe Allgaier-Gruppe
Mitarbeiter rund 750

Wie eingangs erwähnt konnte die Prozess-Technik-Sparte der Allgaier-Gruppe, die ihren Sitz ebenfalls in Uhingen hat, kurz vor Weihnachten 2023 durch eine Übernahme aus der Insolvenz gerettet werden. Der Geschäftsführer der Sparte hatte jüngst im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten (StN) erklärt, dass das „krisenhafte Geschehen“ eher von der Automotive-Sparte ausgegangen sei und dass sich die Prozesstechnik von dieser lösen möchte. „Wir müssen autark werden“, sagte er. Kritik an der Sparte gibt es Berichten zufolge, weil keine Automotive-Mitarbeiter aufgenommen wurden.

Die Allgaier Automotive GmbH wird Ende 2025 geschlossen. Die Prozesssparte der Gruppe konnte durch eine Übernahme gerettet werden.

Allgaier-Gruppe hat eine lange und wechselhafte Firmengeschichte hinter sich

Die Allgaier-Gruppe geht auf eine im Jahr 1906 im schwäbischen Hattenhofen gegründete Firma zurück und hat im Laufe der Jahrzehnte mehrfach sowohl die Ausrichtung als auch den Besitzer gewechselt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Allgaier beispielsweise im Bereich der Landmaschinentechnik tätig und beschäftigte in der Hochphase rund 3.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2008 ist die bisherige Gesellschaft in drei Einheiten aufgeteilt worden, die Allgaier-Werke GmbH (Holding), die gerettete Allgaier Process Technologie GmbH, die im Bereich der Verfahrenstechnik tätig ist, sowie die Allgaier Automotive GmbH.

Ende Januar hatte ein weiterer Autozulieferer aus dem Südwesten Insolvenz angemeldet, wovon rund 2.000 Mitarbeiter betroffen sind.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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