Instrument aus dem Jahr 2023

„Handels-Bazooka“ im Grönland-Streit: Was steckt hinter dem möglichen EU-Konter gegen Trumps Zölle?

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Donald Trump will im Streit um Grönland mal wieder über eine Zoll-Androhung seinen Willen durchsetzen. Doch die EU hat ein Gegenmittel zur Hand.

Brüssel – Die Drohung kam bereits als Ankündigung. Und auf die für Donald Trump typische Weise. Via Truth Social verbreitete der US-Präsident, er werde Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Finnland mit neuen Zöllen überziehen. Ab 1. Februar sollen zehn Prozent auf Einfuhren von Gütern dieser Länder in die USA fällig werden, ab 1. Juni sogar 25 Prozent.

Der nächste Streit droht: Weil US-Präsident Donald Trump (l.) mehreren EU-Staaten mit neuen Zöllen droht, könnten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz (r.) mit der „Handels-Bazooka“ antworten.

Dies gelte so lange, „bis eine Einigung über den vollständigen und endgültigen Kauf von Grönland erzielt ist“. Denn diese acht Nationen – allesamt NATO-Partner der USA – würden ein gefährliches Spiel spielen, indem sie „zu unbekannten Zwecken“ Soldaten auf die größte Insel der Welt geschickt hätten. In Zeiten, in denen die Sicherheit und die Zukunft des Planeten auf dem Spiel stünden, könnten nur die USA dieses Spiel erfolgreich bestreiten.

EU-Konter gegen Trump-Zölle: Macron regt wohl „Handels-Bazooka“ an

Zudem betonte Trump, die Vereinigten Staaten hätten seit Jahrzehnten so viel für diese Länder getan, die ihm das Leben nun schwer machen würden. Sie hätten maximalen Schutz erfahren und seien lange Zeit von US-Zöllen verschont worden. Der Republikaner sieht es also geradezu als ungeheuerlich an, dass die acht Länder nach dieser gemeinsamen Geschichte seine Pläne, Grönland den USA einzuverleiben, durchkreuzen wollen.

Bei seiner ersten Fuhre Zölle, über die im vergangenen Jahr verhandelt wurde, schien die EU noch bereit zu sein, die eine oder andere Kröte zu schlucken, um keinen Handelskrieg zu riskieren. Nun aber will die EU offenbar zu einem noch relativ neuen und noch unverbrauchten Instrument greifen, um sich zu wehren.

Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern

Grönland
Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf. So ließ Außenminister William Seward im Jahr 1868 einen „Bericht über die Ressourcen Islands und Grönlands“ erstellen. Es gebe dort Rohstoffvorkommen, die für die USA von Nutzen sein könnten, hieß es damals. Kurz zuvor hatte Seward bereits den erfolgreichen Kauf Alaskas vom russischen Zarenreich organisiert und wollte die Expansionspolitik fortsetzen. © Odd Andersen/AFP
Grönland
Der erste konkrete Kaufversuch scheiterte nicht an Dänemark, sondern am US-Kongress selbst. Dänemark hatte dem Verkauf Grönlands zugestimmt, doch der amerikanische Kongress wollte nicht schon wieder hohe Summen für nahezu unbewohnte „Eisregionen“ ausgeben. Die Abgeordneten waren nach dem teuren Alaska-Kauf skeptisch gegenüber weiteren kostspieligen Territorialerwerbungen in unwirtlichen Gebieten. © Odd Andersen/AFP
Expeditionen nach Grönland
Zwischen 1853 und 1909 führten die USA systematisch wissenschaftliche Expeditionen nach Nordgrönland durch, das damals noch staatsrechtliches Niemandsland war. Forscher wie Elisha Kent Kane, Isaac Israel Hayes und Robert Edwin Peary (dessen Basislager der Expedition von 1909 im Bild zu sehen ist) erkundeten das von den Inughuit bewohnte Gebiet und lieferten sich spektakuläre Wettläufe um die Erreichung des Nordpols. Diese Expeditionen legten den Grundstein für spätere amerikanische Gebietsansprüche. © Imago
Dänisch Westindien
1916/17 gelang den USA ein diplomatischer Schachzug: Dänemark verkaufte seine Kolonie Dänisch-Westindien in der Karibik an die Vereinigten Staaten, die daraufhin im Gegenzug die dänische Oberhoheit über ganz Grönland anerkannten. Dieser Handel war strategisch wichtig, da Dänemark bis dahin nur die grönländische Westküste kolonisiert hatte und Nord- sowie Ostgrönland Niemandsland gewesen waren. © Imago
Dänemark im Jahr 1940
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 flammte das US-Interesse an Grönland erneut auf. Washington befürchtete, Nazi-Deutschland könnte die gewaltige Insel unter seine Kontrolle bringen und damit eine strategische Bedrohung für Nordamerika darstellen. Grönland war durch die britische Seeherrschaft von dem besetzten Dänemark abgeschnitten. © Imago
Grönland
Der dänische Gesandte Henrik Kauffmann handelte am 9. April 1941 eigenmächtig einen Vertrag mit den USA aus, der die Errichtung amerikanischer Militärbasen in Grönland genehmigte. Kauffmann erklärte, dass er keine Weisungen aus dem deutsch besetzten Kopenhagen mehr entgegennehmen werde und sich zum alleinigen Vertreter der dänischen Interessen für Grönland erkläre. Diese „Entscheidung ebnete den Weg für die amerikanische Militarisierung Grönlands, die seither aufrechterhalten wurde.“ © Odd Andersen/AFP
Rostiges Fahrzeug ehemaliger US Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg Ikatek Grönland
Bis Kriegsende waren knapp 6000 US-Militärs auf vier Marine- und 13 Armeestützpunkten auf Grönland stationiert (im Bild: der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg, Ikatek). Die Insel diente vor allem als Basis für atlantiküberwachende Flugzeuge auf der Suche nach deutschen U-Booten und wurde als Auftankstation für eigene Seemissionen genutzt. 1941 wurde zudem die Sirius-Schlittenpatrouille gegründet, um deutsche Versuche zur Errichtung von Wetterstationen der Wehrmacht in der Arktis zu verhindern. © Egmont Strigl/Imago
Harry Truman unterzeichnet NATO-Vertrag 1949
Nach dem Krieg wollte Dänemark die amerikanische Militärpräsenz auf der Insel wieder rückgängig machen, doch ohne Erfolg. US-Präsident Harry Truman (hier bei der Unterzeichnung des NATO-Pakts 1949) schlug Kopenhagen drei Optionen vor: entweder das Abkommen von 1941 fortzusetzen, die US-Stützpunkte für 99 Jahre zu leasen oder Grönland für 100 Millionen US-Dollar in Gold zu kaufen. Die dänische Antwort war eindeutig: „Absurd.“ © Imago
Frederik IX
„Wir verkaufen nicht!“ – Diese klare Absage stammte vom dänischen König Frederik IX (hier ein Gedenkstein in Nuuk) im Jahr 1960, nachdem US-Präsident Eisenhower wiederholt die Absicht geäußert hatte, Grönland von Dänemark kaufen zu wollen. 65 Jahre später sind die Aussagen Dänemarks und der USA zum gleichen Thema nahezu identisch, auch an den Motiven Washingtons hat sich im Wesentlichen nichts geändert. © Imago
Thule Air Base in Grönland
1951 gelang es den USA dennoch, ein Abkommen auszuhandeln, das ihnen gewährte, Grönland weiterhin militärisch zu nutzen, wenn sie dafür die Verteidigung Grönlands übernahmen. In diesem Jahr wurde die Thule Air Base als wichtigster militärischer Stützpunkt in Grönland errichtet. Bis 1958 nutzten die USA den Flughafen Narsarsuaq und bis 1992 den Flughafen Kangerlussuaq als Militärbasen. © Imago
Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968
Die amerikanische Militärpräsenz führte zu schweren diplomatischen Krisen und Problemen. Zu den bedeutendsten gehörten die Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner von Uummannaq direkt neben der Thule Air Base nach Qaanaaq im Jahr 1953 und der Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968 (im Bild). Mit diesem Vorfall musste Dänemark anerkennen, dass die USA heimlich Atomwaffen in Grönland lagerten. © Imago
Grönland
Nach Ende des Kalten Kriegs verminderten die USA ihre militärischen Aktivitäten und zogen sich 1991 aus Kangerlussuaq (im Bild) und Kulusuk zurück. Jedes Mal hinterließen sie das Gebiet mit Schrott verunreinigt und häufig mit umweltschädlichen Stoffen verseucht, weigerten sich aber dafür zu haften. Dänemark erklärte sich bereit, die Verantwortung für das Aufräumen zu übernehmen. © Sergi Reboredo/Imago
Colin Powell, Per Stig Møller und Josef Motzfeldt
2004 wurde das sogenannte Igaliku-Abkommen von den Außenministern Colin Powell (USA, rechts), Per Stig Møller (Dänemark, links) und Josef Motzfeldt (Grönland, Mitte) unterzeichnet. Die USA verpflichteten sich zur Zusammenarbeit für den Umweltschutz und Grönland erhielt mehrere entwicklungsmäßige und finanzielle Vorteile von den USA. Das Abkommen wurde im Heimatort des grönländischen Außenministers geschlossen. © AFP
Klimawandel in Grönland
Das schmelzende Polareis verschärft die strategische Bedeutung Grönlands dramatisch. Die Arktis erwärmt sich laut einer Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik viermal so stark wie im globalen Durchschnitt. Das zurückgehende Meereis öffnet neue Seewege zwischen Asien und Europa und macht Lagerstätten von Rohstoffen an Land und auf dem Meeresboden besser zugänglich. © Jason Briner/dpa
Grönland
In der Arktis werden in Gebieten, die durch die Klimakrise zugänglich werden, riesige Mengen an unentdeckten Erdgas- und Erdölvorkommen vermutet. Diese beiden Faktoren - Kontrolle der neuen Seewege in der Arktis und Zugang zu den immensen Rohstoffvorkommen - sind die wesentlichen Gründe für den jetzigen, erneuten Vorstoß der USA, sich Grönland „anzueignen.“ © Steffen Trumpf/dpa
Anti-Trump-Demo in Kopenhagen 2019
Donald Trump hatte bereits während seiner ersten Amtszeit 2019 ein „gieriges Auge“ auf Grönland geworfen und einen Kauf der Insel ins Gespräch gebracht. Seine Begründung: Man benötige die strategisch gelegene Insel für die „nationale Sicherheit“ der USA. In Kopenhagen kam es deswegen schon damals zu Demonstrationen.  © Niels Christian Vilmann/Imago
Grönland und Trump
Doch so unverhohlen wie jetzt hatte Trump noch nie gedroht, Grönland „haben“ zu wollen. Trump verweist auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Arktis-Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen. Sogar eine militärische Intervention schließt er nicht aus. Die große Mehrheit der rund 57.000 auf der Insel lebenden Menschen wollen dagegen mit den USA nichts zu tun haben: Grönland stehe nicht zum Verkauf, hieß es bei einer Demonstration im März 2025. © Christian Klindt Soelbeck/dpa
Vance in Grönland
Ende März 2025 reiste US-Vizepräsident JD Vance nach Grönland. Dort äußerte er vor den stationierten US-Soldaten scharfe Kritik am NATO-Verbündeten Dänemark, zu dem die riesige Eisinsel gehört. Das Land tue angesichts der Bedrohungen durch Russland und China zu wenig für die Sicherheit Grönlands, sagte Vance auf die US-Militärstützpunkt Pituffik im abgeschiedenen Norden Grönlands.  © Jim Watson/AFP
Die Frau von Trump-Berater Stephen Miller zündelt.
Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller stellte in einem CNN-Interview sogar infrage, ob Grönland rechtmäßig zum NATO-Partner Dänemark gehöre. „Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland?“, fragte Miller provokativ. Ein Social Media Post seiner Ehefrau Katie Miller zeigte eine Karte von Grönland in US-amerikanischen Farben. © Screenshot X
Grönland-Konflikt
In der EU und in der NATO hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Donald Trump meint es ernst mit seinen Grönland-Ambitionen. Europas Spitzenpolitiker reagieren mit klaren Worten auf Trumps Forderungen. Deutschland und weitere Länder stellen sich nach Trumps Drohungen demonstrativ hinter Grönland und Dänemark. Erst im September 2025 hatten dänische Streitkräfte mit Hunderten Soldaten aus mehreren europäischen Staaten an einer NATO-Übung auf Gönland teilgenommen (im Bild). © Ebrahim Noroozi/dpa
Mette Frederiksen und Donald Trump
Dänemark hat Trumps Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. © Christian Hartmann/AFP
Thule, Grönland
Mehrere NATO-Bündnisstaaten haben sich zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen – auch Deutschland. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen „Arctic Sentry“ (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Er soll den USA das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann. © Imago
US-Militärbasis Pituffik Space Base in Grönland
Die USA betreiben schon heute auf Basis von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf Grönland. Dieser Stützpunkt unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Dänemark hat grundsätzlich nichts gegen eine verstärkte US-Militärpräsenz auf der Insel, solange die Souveränität respektiert wird. Die dänischen Streitkräfte sind hauptsächlich über das Arktische Kommando in Nuuk auf der Insel präsent. © Thomas Traasdahl/dpa
Grönland
Dass die Trump-Regierung bislang auch militärischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, sorgt in Europa für große Beunruhigung. Tatsächlich ist der Fall, dass ein NATO-Land das andere überfällt, in den Statuten der Allianz nicht vorgesehen – der Feind kommt traditionell immer von außen. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Alpenglühen in Alaska
Trump hat im Streit um Grönland aber auch immer von einem „Erwerb“ gesprochen. Der Kauf zusätzlichen Territoriums ist in der US-Geschichte kein Novum. In der Vergangenheit haben die USA für bestimmte Gebietserweiterungen immer wieder Geld in die Hand genommen. Dazu zählt beispielsweise auch Alaska (im Bild), das die damalige US-Regierung im Jahr 1867 für einen Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar von Russland erwarb.  © Al Grillo/dpa

Die sogenannte „Handels-Bazooka“ könnte gegen Trump zum Einsatz kommen. Das regt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron laut mehreren Berichten an. Das US-Portal Bloomberg bezieht sich dabei auf eine Person, die dem Pariser Staatsoberhaupt nahe steht. Das paneuropäische Mediennetzwerk Euractiv verweist auf einen Sprecher des Élysée-Palastes.

„Handels-Bazooka“ der EU gegen Trump? Schutz vor wirtschaftlichem Zwang

Die „Bazooka“ gilt als mächtigstes Vergeltungsinstrument des Staatenbundes und trägt offiziell den Namen Anti-Coercion Instrument (ACI), ist also ein Instrument gegen wirtschaftlichen Zwang. Es soll die EU und ihre Mitgliedstaaten vor wirtschaftlichem Zwang durch Drittstaaten schützen, wie die EU-Kommission mitteilt, und trat am 27. Dezember 2023 in Kraft.

Zum Einsatz soll das ACI kommen, wenn „ein Drittstaat versucht, die Europäische Union oder einen EU-Mitgliedstaat durch die Anwendung oder Androhung von Maßnahmen, die Handel oder Investitionen beeinträchtigen, zu einer bestimmten Entscheidung zu drängen“. Es scheint also prädestiniert für eine Situation, wie sie Trump heraufzubeschwören scheint.

Das gefällt Donald Trump gar nicht: Dänische Soldaten gehen im Hafen von Nuuk auf Grönland an Land.

Ob die Bedingungen erfüllt seien, müsse immer im Einzelfall überprüft werden, ist weiter zu lesen. Der wirtschaftliche Zwang könne dabei „alle Politikbereiche betreffen und in Form von Gesetzen oder anderen formellen oder informellen Maßnahmen oder Unterlassungen erfolgen“. Betont wird auch, dass das ACI unabhängig von der Identität des Drittlandes zum Einsatz kommen könne.

EU wehrt sich gegen Trump-Zölle: ACI ermöglicht verschiedene Gegenmaßnahmen

Eine Prüfung, ob ein ACI-Fall vorliegt, soll von der EU-Kommission „so bald wie möglich, in der Regel innerhalb von vier Monaten“ abgeschlossen werden. Auf Vorschlag der Kommission hin würde der EU-Rat mittels eines Implementing Act – also eines Durchführungsrechtsakts – feststellen, ob ein wirtschaftlicher Zwang vorliegt. Dafür bleiben acht bis zehn Wochen Zeit.

Sollte sich der Verdacht erhärten, wird Kontakt zu dem Drittstaat aufgenommen, um das Problem beizulegen. „Die EU wird geeignete Wege wie direkte Verhandlungen, Mediation, Schiedsverfahren, Vermittlung und gerichtliche Entscheidung prüfen“, heißt es hierzu. Erst wenn diese Bemühungen erfolglos bleiben sollten, kämen als letztes Mittel Gegenmaßnahmen zum Zug, „um dem Zwang entgegenzuwirken und das Drittland zum Aufhören zu bewegen“.

Botschaft an Washington: Viele Grönländer gehen auf die Straße, um gegen eine Übernahme der USA zu protestieren.

Als Beispiele werden „Beschränkungen des Zugangs zum EU-Markt und andere wirtschaftliche Nachteile für das betroffene Drittland“ genannt. Dabei können Bereiche wie der „Waren- und Dienstleistungshandel, ausländische Direktinvestitionen, Finanzmärkte, das öffentliche Beschaffungswesen, handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum, Exportkontrollen und vieles mehr“ in den Fokus rücken. Auch „geeignete Maßnahmen im Hinblick auf die Gewährung von EU-Mitteln“ können ergriffen werden.

EU denkt über „Handels-Bazooka“ nach: „Das Hauptziel des ACI ist die Abschreckung“

Um die Frage nach der Wahl der Mittel zu beantworten, werden im Einzelfall auch „Betroffene, wie beispielsweise Wirtschaftsakteure, Wirtschaftsverbände und Verbraucher“ um Mithilfe gebeten. Beendet werden die Maßnahmen erst, wenn diese nicht mehr erforderlich sein sollten. Zudem kann die EU „gemäß dem Völkerrecht Wiedergutmachung für den durch den wirtschaftlichen Zwang verursachten Schaden“ verlangen.

In Einzelfällen kooperiert die EU auch mit anderen Ländern, die sich in einer ähnlichen Zwangslage befinden. Außerdem wird betont, dass sich der Staatenbund mit seinen Partnern für eine umfassendere Bekämpfung des Problems wirtschaftlicher Nötigung einsetzt, verwiesen wird dabei auf die G7-Partner Japan und ironischerweise die USA.

Dass die Anwendung der „Handels-Bazooka“ nur der letzte Schritt sein soll, betont die EU ebenfalls: „Das Hauptziel des ACI ist die Abschreckung. Das Instrument ist daher am wirksamsten, wenn es nicht zum Einsatz kommen muss.“

Training bei eisigen Temperaturen: Auf Grönland sind vorerst dänische Soldaten stationiert.

Trump droht EU-Staaten erneut mit Zöllen: Wirtschaft bringt ACI ins Spiel

Aus der Wirtschaft gibt es nun aber bereits erste Stimmen, die das ACI ins Spiel bringen. Bertram Kawlath, Präsident des Maschinenbauverbandes VDMA, fordert etwa: „Die EU-Kommission sollte prüfen, ob das Instrument gegen handelspolitische Zwangsmaßnahmen (Anti Coercion-Instrument) zum Einsatz kommen kann.“ Europa dürfe sich nicht von den USA erpressen lassen. Sollte die EU nachgeben, „wird es den amerikanischen Präsidenten nur ermutigen, die nächste aberwitzige Forderung zu stellen und mit weiteren Zöllen zu drohen“.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), mahnte an, es müssten „nun auch alle Instrumente des EU-Handelsschutzes – inklusive des Anti-Coercion Instruments (ACI) – geprüft werden. Dessen Anwendung sollte jedoch Ultima Ratio bleiben.“

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt, dass im Falle des Einsatzes von ACI gegen die USA Vergeltungszölle auf den Import von US-Waren möglich seien. Als weitere Optionen gelten demnach der Ausschluss von US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge oder Ein- und Ausfuhrbeschränkungen für bestimmte Produkte.

Die Umsetzung bestimmter Absprachen aus dem jüngsten Zollabkommen zwischen EU und USA würde ziemlich sicher vorerst auf Eis gelegt. Eine Zustimmung des EU-Parlaments gelte nun als ausgeschlossen. (Quellen: Truth Social, Bloomberg, Euractiv, EU-Kommission, VDMA, DIHK, dpa) (mg)

Rubriklistenbild: © Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa, IMAGO / Mauersberger

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