VonLisa Mayerhoferschließen
Schon nächstes Jahr soll das Aus für Öl- und Gasheizungen kommen. Lohnt es sich deshalb, jetzt noch schnell eine neue Gasheizung einbauen zu lassen? Experten warnen vor vorschnellen Entscheidungen.
München – Ab 2024 soll das Verbot für Öl- und Gasheizungen kommen. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte Hausbesitzer davor, sich in „Torschlusspanik“ noch dieses Jahr neue Öl- und Gasheizungen einbauen zu lassen. Auch Experten raten von einem vorschnellen Heizungstausch ab.
Aus für Gas- und Ölheizungen – Habeck: „Torschlusspanik wäre falsch“
Die Ampel-Koalition hatte sich vor wenigen Tagen nach langem Streit auf neue Vorgaben für Heizungsanlagen geeinigt. Grundsätzlich läuft die Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) in der Praxis auf ein Verbot neuer Öl- und Gasheizungen hinaus. Ab 2024 soll nämlich jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Im Detail noch ungeklärt ist die Frage nach der finanziellen Unterstützung der Verbraucher.
Habeck macht nun Werbung für Wärmepumpen, die sein Ministerium als Heizalternative zu Öl- und Gasheizungen favorisiert: „Über einen Zeitraum von 18 Jahren rechnet sich die Wärmepumpe. Außerdem werden die Preise bald sinken. Deswegen wäre Torschlusspanik wirklich falsch“, sagte der Wirtschaftsminister den Zeitungen der Funke Mediengruppe im April. „Niemand sollte jetzt noch schnell eine Öl- oder Gasheizung einbauen. Die fossilen Energien sind eine Sackgasse, keine Spardose.“
Die Preise für Erdgas und Heizöl würden von 2027 an durch den EU-Emissionshandel kontinuierlich steigen, betonte der Vizekanzler. „Allein schon deshalb sollte man bei einer so langfristigen Investition wie einer Heizung auf Erneuerbare setzen.“ Aber weil Wärmepumpen bisher in der Anschaffung teurer seien als Gasheizungen, werde die Bundesregierung „den Menschen beim Umstieg mit einer finanziellen Förderung unter die Arme greifen“.
Experte warnt: Infrastrukturkosten steigen für Gaskunden
Auch Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), warnt im Gespräch mit Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vor einem vorschnellen Kauf neuer Gasheizungen. „Es ist ein Trugschluss, dass vorhandene Erdgasheizungen ohne Umrüstungen bis 2045 genutzt werden können“, erklärt der Chef des Stadtwerkeverbandes der Zeitung.
Denn mit jedem weiteren Verbraucher, der über die Jahre von Gas auf eine Wärmepumpe wechsele, würden die Infrastrukturkosten für die verbleibenden Gaskunden steigen. „Irgendwann wird ein Kipppunkt erreicht werden, wo sich der Erdgasbetrieb einfach nicht mehr lohnt oder für die verbleibenden Kunden schlicht zu teuer wird“, sagte Liebing der FAZ. Spätestens dann würden nur noch klimaverträgliche „grüne“ Gase, Fernwärme oder die Wärmepumpe übrig bleiben.
Expertin: „Jetzt eine Öl– oder Gasheizung einzubauen, kann höhere Folgekosten nach sich ziehen“
Auch Iris Ege, Leiterin der Energieagentur Biberach, warnt Hausbesitzer im Interview mit schwaebische.de davor, „nichts übers Knie zu brechen“. Sie erklärt: „Jetzt eine Öl– oder Gasheizung einzubauen, kann höhere Folgekosten nach sich ziehen. Die CO₂–Bepreisung ist für die Zeit bis 2025 beschlossen und sie wird danach weitergehen. Ein Beispiel: Wer 25.000 Kilowattstunden Gas im Jahr verbraucht, zahlt 2025 durch die CO2–Bepreisung 335 Euro mehr.“
Außerdem müsse man bedenken, dass 2045 das Aus für alle Gas– und Ölheizungen komme. Ege erklärt gegenüber dem Online-Portal: „Man kann also die Lebenszeit der neuen Heizung gar nicht voll ausschöpfen. Ich empfehle deshalb, in Ruhe zu überlegen, was man macht.“
Mit Material der AFP
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