Rettung mit Hindernissen

Insolventes deutsches Familienunternehmen findet Investor – doch nicht alle Mitarbeiter werden übernommen

  • schließen

Ein traditionsreiches Textilunternehmen hat nach der Insolvenzanmeldung Anfang September eine klare Zukunftsaussicht. Einen Wermutstropfen gibt es aber trotzdem.

Westerheim - Die Insolvenzwelle hat sich aufgrund der vielfältigen wirtschaftlichen Herausforderungen durch das gesamte Jahr 2024 gezogen. Zuletzt hatte beispielsweise ein Unternehmen nach über 350 Jahren Insolvenz angemeldet. Das familiengeführte Textilunternehmen Wäschefabrik Kneer mit Sitz in Westerheim (Baden-Württemberg) war im August durch hohe Kosten und rückläufige Umsätze in eine finanzielle Schieflage geraten und hatte Anfang September am Amtsgericht Ulm einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Auswirkungen auf den Betrieb hatte das zunächst allerdings nicht.

Nach der Insolvenzanmeldung hatte sich der vorläufige Verwalter, Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn von der Ulmer Anwaltskanzlei Pluta, auf die Suche nach einem Investor für die Wäschefabrik Kneer begeben. „Unser Ziel ist es, den laufenden Betrieb stabil zu halten und gemeinsam eine mögliche Lösung für die Kneer Wäschefabrik zu finden“, hatte er Anfang September in einer Mitteilung erklärt. Am vergangenen Freitag (29. November) meldete der Sanierungsexperte, einen Investor für das Familienunternehmen gefunden zu haben.

Die Wäschefabrik Kneer wird von einem anderen Traditionsunternehmen aus Westerheim auf der Schwäbischen Alb übernommen.

Anderer Textilhersteller aus Westerheim übernimmt Kneer – aber nicht alle Mitarbeiter

Die Wäschefabrik Kneer ist ein Heimtextilienhersteller, der insbesondere auf Textilien für das Schlafzimmer spezialisiert ist. Zu den Produkten gehören laut Unternehmensseite beispielsweise Betttücher, Kissenbezüge, Matratzenschutzbezüge oder Piqué-Decken. Als solcher soll Kneer künftig das Sortiment des Investors ergänzen, bei dem es sich ebenfalls um einen traditionsreichen Textilhersteller mit Sitz in Westerheim handelt. Konkret wird die Nusser Textil GmbH den Geschäftsbetrieb der Wäschefabrik Kneer im Rahmen einer übertragenden Sanierung übernehmen, heißt es in der Mitteilung von Pluta.

„Trotz herausfordernder Umstände haben wir einen Investor für Kneer gefunden“, erklärt Insolvenzverwalter Stemshorn, der bei dem Prozess von Wirtschaftsfachwirtin Ricarda Pfaffenzeller unterstützt wurde. Allerdings gibt es dennoch einen gewissen Wermutstropfen. „Mit dem Erwerberkonzept bleibt die Hälfte der Arbeitsplätze erhalten. Damit erreichen wir auch die bestmögliche Lösung für die Gläubiger, die der Transaktion in der Gläubigerversammlung noch zustimmen müssen“, so Stemshorn weiter. Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings, dass die andere Hälfte der Belegschaft nicht übernommen wird.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Insolvenzverwalter führt Geschäftsbetrieb von Kneer bis zu wirtschaftlichem Übergang weiter

Mit der Übernahme soll Kneer künftig neben Pichler eine von zwei Traditionsmarken der Nusser Textil GmbH sein. „Die Akquisition von Kneer ist ein wichtiger strategischer Schritt und eine optimale Ergänzung für uns“, erklärt Geschäftsführerin Joseanne Nusser. „Wir können zudem Synergieeffekte nutzen und das Unternehmen gut im Markt positionieren. Beide Marken sind stark im Bereich Sondermaßkonfektion.“ Nusser Textil wurde im Jahr 1866 von Hermann Pichler in Bad Urach gegründet und ist selbst ein traditionsreiches Textilunternehmen aus Baden-Württemberg.

Auch wenn von der Belegschaft der Wäschefabrik Kneer nur die Hälfte übernommen wird – laut Mitteilung besteht besagte aktuell aus 23 Angestellten – kann die Firmengeschichte durch die Akquisition langfristig fortgesetzt werden. „Damit erreichen wir auch die bestmögliche Lösung für die Gläubiger, die der Transaktion in der Gläubigerversammlung noch zustimmen müssen“, sagt Insolvenzverwalter Stemshorn, der den Geschäftsbetrieb noch bis Ende des Jahres weiterführen wird. Der wirtschaftliche Übergang ist für den 1. Januar 2025 geplant.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Arnulf Hettrich

Kommentare