VonPatricia Huberschließen
Beim Industriestrompreis hat Handwerkskammer-Präsident Franz Xaver Peteranderl eine klare Meinung. Wenn dann sollte die gesamte Wirtschaft profitieren.
München – Der Industriestrompreis ist derzeit hochumstritten. In der Regierung herrscht Uneinigkeit über die mögliche Subventionierung von energieintensiven Großkonzernen. Den Vorschlägen zufolge sollen diese bestimmten Unternehmen befristet deutlich weniger für die Kilowattstunde Strom bezahlen. Die SPD schlug hierfür fünf Cent pro Kilowattstunde vor. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte sechs Cent angedacht.
Industriestrompreis: Regierung noch uneinig
Die FDP hingegen und auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zeigen sich bisher aber nicht überzeugt von der Idee. „Die Energiepreise sind für alle zu hoch und das Wirtschaftsministerium sollte Lösungen unterbreiten, wie Industrie, Menschen und Betriebe entlastet werden könnten“, sagte FDP-Fraktionsvize Christoph Meyer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ähnlich sieht es auch Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
„Man kann nicht sagen, dass nur Industriebetriebe hohe Energiekosten haben und in Konkurrenz zum Ausland stehen. Wir haben im Handwerk auch große Bereiche, die energieintensiv arbeiten und auch in Konkurrenz zu Betrieben im Ausland stehen“, erklärt er im Interview mit IPPEN.MEDIA. Als Beispiel nennt er Textilreinigungsunternehmen im Grenzbereich zu Polen und Tschechien. Diese müssten auch mit den Firmen aus dem Ausland konkurrieren, die Energie noch zu günstigeren Preisen beziehen.
Handwerkskammer-Präsident zum Industriestrompreis: „Lehnen ihn komplett ab“
Zudem stellt Peteranderl die Frage der Finanzierung in den Raum: „Irgendjemand muss die Stromkosten finanzieren, ob jetzt über Steuern oder direkt über Netzentgelte und dergleichen. Es zahlen immer die Privatkunden und unsere kleinen und mittelständischen Handwerksunternehmen“, kritisiert er. „Wir als Verbraucher müssen zahlen, was die Industrie bekommt.“ Habeck sagte zum subventionierten Strompreis, er rechne mit Kosten von durchschnittlich vier Milliarden Euro pro Jahr. Für Peteranderl ist die Meinung zum Industriestrompreis nach derzeitigem Stand klar: „Wir lehnen ihn komplett ab.“
„Es muss für die gesamte Wirtschaft ein kostengünstiger Strom zur Verfügung gestellt werden und auch die Versorgung muss verlässlich sein. Ich kann nicht nur den Strompreis für drei Monate senken, ich muss ihn dauerhaft senken“, macht der Handwerkskammer-Präsident deutlich. Als mögliche Lösung schlägt Peteranderl eine Senkung der Stromsteuer vor. Doch große Hoffnungen, dass die Bundesregierung dies umsetzt, hat er nicht: „Wegen knapper Kassen hat der Staat naturgemäß wenig Interesse an Steuersenkungen.“ (ph)
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