VonMarcel Reichschließen
Die Heizungsbranche in Deutschland erlebt einen Nachfrageschub, doch ab 2024 droht ein Einbruch. Das Heizungsgesetz sorgt für Verunsicherung.
Kassel – Die Heizungsindustrie in Deutschland bereitet sich auf einen deutlichen Geschäftsrückgang ab 2024 vor, nachdem ein Anstieg der Nachfrage nach Gas- und Ölheizungen verzeichnet wurde. Die Unklarheiten rund um das Heizungsgesetz verunsichern viele Hausbesitzer, wie ein Sprecher des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) erläuterte. Obwohl derzeit noch viele Aufträge aus den vorangegangenen Monaten bearbeitet werden, wird ein Abschwung erwartet.
Nachfrage nach Öl- und Gasheizungen ist ungebrochen
„Die Menschen warten ab. Da ist erst einmal auch kein Run auf neue Heizungen ab 1.1.2024 zu erwarten“, so der Sprecher. Laut Daten des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) wurden von Januar bis September dieses Jahres mit 1,048 Millionen Wärmeerzeugern erstmals seit den 90er-Jahren wieder mehr als eine Million Heizungen verkauft. Sowohl Heizungen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, als auch Wärmepumpen trugen zu dem starken Anstieg von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei - obwohl das Wachstum bei letzteren deutlich nachgelassen hat.
Dies wird auch durch die rückläufigen Förderanträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bestätigt, wie der Verband erklärte. Unternehmen, die Wärmepumpen installieren, hatten laut einer Umfrage des ZVSHK aus dem August vor allem mit langen Lieferzeiten, bürokratischen Anforderungen und Schwierigkeiten bei der Beantragung von Fördermitteln zu kämpfen. Das Ziel des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ist es, das Heizen in Deutschland durch den schrittweisen Austausch von Öl- und Gasheizungen umweltfreundlicher zu gestalten.
Was durch das Alter der Heizanlagen nötig ist
Im Kern sieht das Gesetz vor, dass jede neu installierte Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Es soll Anfang 2024 in Kraft treten - zunächst jedoch nur für Neubaugebiete. Für Bestandsgebäude soll eine kommunale Wärmeplanung entscheidend sein, auf deren Grundlage die Eigentümer entscheiden sollen, was sie tun. Für Großstädte soll die Wärmeplanung ab Mitte 2026 und für die restlichen Kommunen ab Mitte 2028 vorliegen. Aus Sicht der Branche könnte genau das zu weiteren Problemen führen. Es mache zwar Sinn, dass sich die Kommunen zunächst einen Überblick über ihre Optionen verschaffen wollen, doch könnten dadurch Modernisierungen noch weiter verzögert werden, erklärt BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt.
Angesichts des Alters vieler Heizanlagen in Deutschland seien diese dringend notwendig, warnt Staudt. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist jede dritte Heizung in Deutschland mehr als 20 Jahre alt, mehr als ein Fünftel ist sogar älter als 25 Jahre. Laut dem Portal Verivox - über das viele Versorger Gastarife anbieten - ist in naher Zukunft zumindest kein weiterer rasanter Anstieg der Gaspreise zu erwarten.
CO₂-Abgabe wird in den nächsten Jahren steigen
Der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte liegt derzeit bei etwa 12 Cent pro Kilowattstunde, wie ein Sprecher des Heidelberger Unternehmens mitteilt. „Kommt es nicht zu starken Einschränkungen der Gasversorgung durch weitere politische Eskalationen, dürfte der durchschnittliche Gaspreis in den kommenden zwei bis drei Jahren um diese Marke herum schwanken.“ Viele Grundversorger kündigten zudem umfangreiche Preissenkungen an.
Allerdings wird die CO₂-Abgabe in den nächsten Jahren steigen. „Der CO₂-Preis wird das Niveau der Gaspreise für Haushalte in jedem Fall anheben“, sagt der Verivox-Sprecher. Zum Jahreswechsel wird Gas daher um 0,28 Cent pro Kilowattstunde teurer, für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden wären das laut Verivox rechnerisch Mehrkosten von 56 Euro. „Ob diese Kosten am Ende auf die Verbraucher umgelegt werden, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Großhandelspreise an den Energiebörsen ab“, sagt der Sprecher.
„Daher ist eine genaue Prognose hier schwierig.“ Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat kürzlich verschiedene Heizsysteme auf Basis der Anforderungen des GEG miteinander verglichen. Ihr Fazit: „Wer jetzt noch schnell die alte Gas- oder Ölheizung gegen eine neue austauscht, geht ein hohes Kostenrisiko ein.“ Dies ergibt sich aus der erwarteten Steigerung des CO₂-Preises und steigenden Netzentgelten bei einer zukünftig sinkenden Anzahl von Haushalten, die mit Erdgas heizen. Erdgasheizungen, die im kommenden Jahr installiert werden, müssen ab 2029 bestimmte Mindestquoten von Biogas oder Wasserstoff nutzen. Diese Quoten dürften im Sechsjahresrhythmus deutlich steigen und die Heizkosten weiter erhöhen, so die Verbraucherschützer.
Mit Material von dpa
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