VonLisa Mayerhoferschließen
Die Mieten steigen weiter, während die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen sinken – der Immobilienmarkt wird immer unübersichtlicher. Ein Überblick.
München – Am Immobilienmarkt zeichnet sich immer deutlicher eine Trendwende ab. Doch Mieter:innen werden davon wohl nicht profitieren können. Sie müssen trotz sinkender Kaufpreise für Häuser und Wohnungen weiter mit steigenden Mieten rechnen.
Mieten steigen im Süden trotz sinkender Immobilienpreise
Betroffen sind vor allem die südlichen Bundesländer: Nach Einschätzung des Immobilienverbands Deutschland Süd werden die Mieten dort mit nachlassender Bautätigkeit eher zu- als abnehmen. „Bei den Mieten geht es weiter nach oben, bei den Kaufpreisen würde ich davon ausgehen, dass die noch etwas nach unten gehen“, sagte Marktforscher Stephan Kippes am Dienstag in München.
Der gleichzeitige Anstieg von Zinsen und Baukosten hat laut IVD Süd dazu geführt, dass viele Bauvorhaben zurückgestellt werden. Der sogenannte „Bauüberhang“ – viele eigentlich genehmigte Neubauten werden dann doch nicht errichtet – hat in München und den Nachbarlandkreisen im vergangenen Jahr stark zugenommen. „Eigentlich müsste man es eher Baudefizit nennen“, sagte Kippes. „Da fürchten wir Schlimmes.“
Die Wende am Immobilienmarkt hat zunächst dazu geführt, dass viele Verkäufer:innen ihre Immobilien nicht mehr zum erhofften Preis verkaufen können. „Die Objekte bleiben deutlich länger im Regal“, formulierte Kippes. „Ich befürchte, dass große Mietshäuser nicht gebaut werden aufgrund von Zins und politischen Vorgaben“, sagte der Starnberger Makler Thomas Blasig – und malte ein Schreckensszenario an die Wand, dass nur noch 60 Prozent der genehmigten Wohnungen tatsächlich gebaut werden könnten. Der Einbruch des Wohnungsbaus geht aber nicht mit einem Einbruch der Nachfrage nach neuen Mietwohnungen einher. „Wir haben ein Riesenproblem auf dem Mietmarkt“, sagte Blasig dazu.
Immobilienpreise sinken im Norden teilweise sehr deutlich
Im Norden ist es nicht viel besser. Auch hier hat der Anstieg der Bauzinsen im vergangenen Jahr zu einem jähen Ende des Immobilienbooms geführt. Dadurch sind bei den meisten Stadt- und Landkreisen die Angebotspreise von Wohnungen innerhalb eines Jahres günstiger geworden. Von den Rückgängen sind teure Großstädte und deren Umland genauso betroffen wie die preiswerten ländlichen Regionen, wie eine Auswertung des Immobilienportals immowelt zeigt.
„Deutschland erlebt den größten Wandel am Immobilienmarkt seit über einem Jahrzehnt. Nach jahrelangen Preisanstiegen fallen nun aufgrund der gestiegenen Bauzinsen die Preise für Wohnimmobilien flächendeckend“, sagt Felix Kusch, immowelt Country Managing Director. „Sowohl im flachen Land in Niedersachsen als auch in Hamburg und dessen Umland zeigt die Preiskurve nach unten.“ So betrage der prozentuale Preisrückgang in Hamburg minus sieben Prozent. Gleichzeitig zeigt aber eine weitere Auswertung von immowelt, dass die Mieten in der Hansestadt in den letzten fünf Jahren um zehn Prozent gestiegen sind.
Deutscher Mieterbund spricht von „sozialem Sprengstoff“
Auch in den anderen großen deutschen Städten sind die Mietpreise in den vergangenen fünf Jahren zum Teil sehr deutlich gestiegen. Wohnungssuchende zahlen heute bis zu 34 Prozent mehr für eine Mietwohnung als 2018, so immowelt. Schuld an der Misere ist vor allem der generelle Wohnungsmangel und die nicht abreißende Nachfrage. Hohe Materialkosten und gestiegene Zinsen führen aber dazu, dass nicht genug gebaut wird. Zudem wird der Immobilienkauf trotz sinkender Preise wegen der Zinsen nicht günstiger. Eine schnelle Lösung dieser Probleme zeichnet sich ebenfalls nicht ab.
Der Deutsche Mieterbund wirft angesichts der steigenden Mieten der Politik vor, den „sozialen Sprengstoff“ bei dem Thema noch nicht erkannt zu haben. Es seien mehr Fördermittel nötig, um das Wohnen bezahlbar zu halten. Zudem müssten wieder private Finanzierende dazu gebracht werden, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren.
Mit Material der dpa
