Trotz Wohnraummangel

Immobilien-Könige berichten: Bürgerinnen und Bürger wollen keine neuen Wohnungen

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Deutschlands Immobilien-Könige haben die besten Zeiten hinter sich. Immer schwieriger wird es, neue Wohnungen zu bauen und damit wirklich Geld zu verdienen. Das liegt nicht nur an der Politik.

Berlin – Die großen Immobilienunternehmen sind bekannt: Vonovia, Deutsche Wohnen, Adler, Gewoba, um nur ein paar zu nennen. Doch es gibt auch zahlreiche Privatvermieter. Kleiner, aber noch immer große Player am Markt, vor allem im Lokalen. Unter der Krise im Wohnungsbau leiden auch sie – gestiegene Baukosten und Zinsen sind nicht an ihnen vorbeigegangen. Aber sie bauen noch, meistens, indem sie sich viel Unterstützung vom Staat holen. Dennoch hapert es auch bei ihnen. Nur sind es die Bürgerinnen und Bürger selbst, gegen die die privaten Immobilienkönige kämpfen müssen.

Bürgerinitiativen bremsen lokal den Wohnungsbau aus

Die größten Privatvermietenden sind zwar kleiner als die Kolosse Vonovia mit über 300.000 Wohnungen oder Deutsche Wohnen mit ebenfalls gut 150.000 Einheiten. Aber auch die Privaten sind nicht gerade klein. Eine Auswertung des Manager Magazin zeigt, dass der Privatvermieter Semmelhaack zum Beispiel 27.000 Wohnungen besitzt, dahinter folgen Sahle und Doblinger mit 22.000 bzw. 20.000 Wohneinheiten.

Und sie bauen auch jetzt noch weiter, aber in Nischen, die gut gefördert werden, wie im sozialen Wohnungsbau oder barrierefreies und altersgerechtes Wohnen. Nur mit Unterstützung vom Staat lohnt es sich also noch, in Deutschland zu bauen.

Es gibt aber, so berichten es die Immobilienkönige im Manager Magazin, noch eine weitere Hürde, die ihnen immer wieder das Bein stellt: Bürgerinitiativen gegen neue Immobilienprojekte. „Ich könnte 1000 bis 2000 Wohnungen pro Jahr mehr bauen, wären da nicht der Antragsstau und die Bürgerinitiativen im Lokalen“, sagt zum Beispiel Theodor Semmelhaack dem Portal. „Das ist ganz nach dem Motto: Es ist toll, dass ich hier gut wohnen kann. Aber ich will nicht, dass noch jemand dazukommt.“ Bei geschätzt jedem zweiten Vorhaben müsse er sich mit den Initiativen auseinandersetzen.

Es muss schneller gebaut werden

Auch der Privatvermieter Silvan Conle berichtet, dass es die Bürgerinitiativen sind, die das Bauen weiter aufhalten. Wenn einmal ein Konzept erarbeitet und der Öffentlichkeit präsentiert wurde, bilden sich schon die ersten Gruppen gegen das Vorhaben. In einem Fall erzählt er dem Manager Magazin, dass er seit sechs Jahren mit dem Bau von 180 Wohnungen nicht mehr vorankomme. Und wegen der allgemein schwierigen Lage im Wohnungsbau fühle man sich als Immobilienunternehmer immer weniger handlungsfähig.

Deutschlands Immobilien-Könige sind den wenigsten bekannt.

Das Thema ist auch schon seit langem in der Politik angekommen. 2021 wurde dazu vom Innenministerium eine Handreichung erarbeitet, das von Bauherren genutzt werden soll. Darin wird dafür geworben, die Öffentlichkeit mehr und früher als es vom Gesetz vorgeschrieben wird, über Vorhaben zu informieren. „Auch die Kombination verschiedener Arten von Beteiligungsinstrumenten lohnt sich. Empfehlenswert ist, die professionelle Unterstützung unabhängiger Träger mit Erfahrung in Bürger:innenbeteiligungsverfahren zu nutzen“, so das Innenministerium.

Doch all das braucht Zeit – Zeit, die es eigentlich nicht gibt, wenn man den Wohnraummangel betrachtet. Schon jetzt fehlen laut dem Pestel-Institut 700.000 Wohnungen in Deutschland. Ende 2022 wurden gerade mal 283.000 neue Wohnungen erstellt, 2023 werden es vermutlich nochmal weniger werden.

Rubriklistenbild: © Imago/Pius Koller

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