VonAmy Walkerschließen
Marcel Reichschließen
Die Baubranche erlebt eine weitere Großinsolvenz: Eine große deutsche Immobilien-Firma ist betroffen. Die Pleitewelle scheint gerade erst zu beginnen.
Kassel – Die Baubranche wird von einer weiteren Großinsolvenz erschüttert: Die Deutsche Invest Immobilien AG (D.i.i.), eine Immobiliengruppe, hat kurz vor Ostern Insolvenz beantragt. Frank Wojtalewicz, der Vorstandsvorsitzende, erklärte gegenüber dem Handelsblatt: „Leider ist uns der lange Atem ausgegangen, die aktuell zurückhaltende Investoren- und Käuferseite zu überbrücken“. Es wird erwartet, dass neben der Muttergesellschaft auch einige Tochtergesellschaften Insolvenzanträge stellen werden.
Die D.i.i. ist hauptsächlich im Bereich Wohnungsbauprojekte tätig und verwaltet nach eigenen Angaben ein Portfolio von Objekten im Wert von vier Milliarden Euro an 50 verschiedenen Standorten. Das Unternehmen beschäftigt 280 Mitarbeiter, die größtenteils in der Firmenzentrale in Wiesbaden tätig sind. Über den Insolvenzantrag und die Beauftragung eines Verwalters wird das zuständige Gericht voraussichtlich erst nach Ostern entscheiden.
Die Situation im Wohnungsbau ist besonders dramatisch
Die D.i.i. ist nur eine von vielen großen Insolvenzen in der Bau- und Immobilienwirtschaft, die in den letzten zwei Jahren in eine tiefe Krise geraten ist. Besonders bemerkenswert war die Pleite des österreichischen Immobilienkonzerns Signa im November 2023, aber auch kleinere Projektentwickler mussten aufgrund hoher Zinsen, zurückhaltender Investoren und steigender Baupreise aufgeben.
Die Situation im Wohnungsbau ist besonders dramatisch: Die Bautätigkeit sank um 17,8 Prozent. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), sprach von einer „desaströsen Situation im Wohnungsbau“. Die Neuaufträge im Bauhauptgewerbe waren im Januar inflationsbereinigt um 7,4 Prozent niedriger als im Dezember, wie das Statistische Bundesamt am Montag (25. März) mitteilte. Der Umsatz sank real um 5,3 Prozent im Vergleich zum Januar 2023.
Ampel-Koalition enttäuscht bislang mit ausbleibender Unterstützung
Trotz einer leichten Verbesserung der Stimmung im Bauhauptgewerbe im März, wie aus der monatlichen Unternehmensumfrage des ifo Instituts hervorgeht, sind die Aussichten düster. „Die Aussichten bleiben jedoch düster“, so das Fazit der Münchner Wirtschaftsforscher.
Die Bundesregierung hat seit Monaten versprochen, die Bauwirtschaft mit neuen Maßnahmen zu unterstützen. Bisher wurden jedoch nur wenige Maßnahmen umgesetzt. Erst vor einer Woche wurde das Wachstumschancengesetz mit seinen steuerlichen Entlastungen für die Bauindustrie verabschiedet, nach wochenlanger Verzögerung. Weitere Pläne, wie die befristete Anpassung des Baugesetzbuchs und das Förderprogramm „Jung kauft Alt“, befinden sich noch in der Ressortabstimmung.
Die Unternehmen in der Baubranche sind am Ende ihrer Kräfte. Die Europäische Zentralbank (EZB) plant frühestens im Sommer, den Leitzins wieder zu senken. Bis dahin wird sich die Situation wahrscheinlich nicht verbessern, es sei denn, es kommen politische Unterstützungsmaßnahmen. Die Welle der Insolvenzen in der Bauindustrie scheint gerade erst richtig anzulaufen. Ende 2023 berichtete die Deutsche Handwerks-Zeitung, dass jede fünfte Insolvenz der Baubranche zuzuordnen sei.
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