- VonOlivia Kowalakschließen
Nach der Pleite von René Benko kommen nun neue Details über dubiose Vermögensverschiebungen ans Licht. So enthüllen Recherchen, dass Benko durch vorsätzliche Verschleierung einen Gesetzesbruch innerhalb der Signa organisiert habe.
München – René Benko soll mit dem Signa-Konzern vorsätzlich Vermögensverschiebungen in Millionenhöhe verschleiert haben. Wie aktuelle Recherchen der Krone und News zeigen, habe der Milliardär aus Österreich innerhalb des internationalen Signa-Konzerns kurz vor der Pleite schwer nachvollziehbare Transaktionen in vier verschiedenen Ländern - Liechtenstein, Luxemburg, Italien und Österreich - getätigt. Im Mittelpunkt der fragwürdigen Verschiebungen steht Benkos INGBE-Stiftung mit Sitz in Vaduz. Sie wurde 2014 von Benko und seiner Mutter Ingeborg errichtet.
Gold, Bargeld und Villen: Benkos verstecktes Vermögen in Liechtenstein
Am 18. August 2023 soll die INGBE Berichten zufolge 578.905 Aktien im Wert von rund 46 Millionen Euro an der Signa Prime AG an die Signa Holding übertragen haben. Wenige Monate nach der Übertragung meldete die Signa Prime Selection AG Insolvenz an. Der Wert der Aktien sank somit auf null. Noch kurz davor am 17. August 2023 wartete Benko auf eine Zusage über Investitionen aus einem Fonds aus Korea. Diese 400 Millionen Euro wurden Benko allerdings verwehrt. Schon vor dem 17. August 2023 seien mehrere Millionen innerhalb des Signa-Konzerns verschoben worden, hieß es.
Wie aus dem Bericht hervorgeht, tauschte die INGBE-Stiftung kurz nach der Absage über die Finanzspritze dieses Aktienpaket gegen sechs Traumvillen am Gardasee der Signa Holding. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Signa Holding auch schon in Schieflage und stand vor der Pleite. Benko habe somit das wertlose Aktienpaket anstelle des Luxusanwesens am Gardasee in die Signa Holding transferieren lassen. Auf den Verträgen des fragwürdigen Vermögenstransfers findet sich darüber hinaus der Name des langjährigen Signa-Holding-Geschäftsführers: Christoph Stadlhuber.
Während die Benko Privatstiftung mit Sitz in Innsbruck mittlerweile insolvent ist, haben Recherchen außerdem ergeben, dass sich im Fürstentum Liechtenstein erhebliche Vermögenswerte befinden. Im Sommer 2022 wurde im Tresor der INGBE-Stiftung Gold im Wert von 45 Millionen Euro gelagert. Weiterhin drei Millionen Schweizer Franken und zwei Millionen US-Dollar an Bargeld in diversen Schließfächern, verteilt auf drei Banken. So sollen der Stiftung seit kurzem die sechs Traumvillen am Gardasee gehören.
„Soko Signa“ untersucht dubiose Verstrickungen
Die Signa-Gruppe ist ein intransparentes Konstrukt aus mehr als 1.000 Gesellschaften. Berichten zufolge wurden systematisch und rechtswidrig Jahresabschlüssen nicht veröffentlicht. Die Geldstrafen dafür wurden den Geschäftsführern bzw. Vorständen vom Konzern ersetzt - und sogar von der Steuer abgesetzt. Es soll zudem keine konsolidierte Konzernbilanz, also kein vollständiges finanzielles Bild der Gruppe geben.
Bereits Anfang März erreichte die Öffentlichkeit die Meldung, dass die undurchsichtigen finanziellen Verstrickungen rund um Benko und Signa eine Sonderkommission des Bundeskriminalamtes im Auftrag der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ins Leben gerufen haben. Die „Soko Signa“ untersucht den Fall rund um das undurchsichtige Signa-Imperium. Anlass dazu seien eine Vielzahl von Anzeigen gewesen. Es geht um den Verdacht von Vermögensdelikten wie Untreue und Betrug. Es gilt trotzdem die Unschuldsvermutung. Experten allerdings sind sich nach Prüfung der Unterlagen sicher: „Das alles könnte ein Lehrbuchbeispiel für betrügerische Krida sein.“
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