VonMarcel Reichschließen
Gute Nachrichten für Rentner: Eine Rentenerhöhung ist in Sicht. Doch für Neurentner sieht die Lage anders aus.
Kassel – Es gibt erfreuliche Neuigkeiten für Rentner und Rentnerinnen in Deutschland: Laut einer offiziellen Prognose wird es im nächsten Sommer eine Rentenerhöhung von 3,5 Prozent geben. Dies geht aus einem Berichtsentwurf zur Rentenversicherung der Bundesregierung hervor, über den zuvor die dpa und die Bild-Zeitung berichtet hatten.
Erhöhung der Rente: Bericht aktuell in der Ressortabstimmung
Ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass der Bericht aktuell in der Ressortabstimmung liegt. Der finale Wert der Erhöhung, die zum 1. Juli 2024 in Kraft treten soll, steht allerdings noch nicht fest und wird erst im Frühjahr festgelegt. Die Renten werden jährlich im Sommer angepasst, wobei die Lohnentwicklung im Land berücksichtigt wird.
Die Vorhersage für das nächste Jahr liegt jedoch unter dem Niveau der Erhöhung, von der die etwa 21 Millionen Rentner und Rentnerinnen zum 1. Juli dieses Jahres profitiert haben. Damals stiegen die Renten um 4,39 Prozent im Westen und 5,86 Prozent im Osten. Da der Rentenwert in den neuen Bundesländern durch diese Maßnahme an das Niveau im Westen angeglichen wurde, erfolgt die jährliche Anpassung künftig einheitlich.
| Aktuelle Rente | Rente ab Juli 2024 |
|---|---|
| 700 Euro | 724,50 Euro |
| 1000 Euro | 1035 Euro |
| 1200 Euro | 1242 Euro |
| 1400 Euro | 1449 Euro |
| 1700 Euro | 1759,50 Euro |
Renten-Erhöhung: Für Neu-Rentner gibt es jedoch weniger erfreuliche Aussichten
Für frisch pensionierte Rentner gibt es jedoch weniger erfreuliche Aussichten: Das Rentenniveau zeigt einen leichten Abwärtstrend. Dies geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, wie die RND-Zeitungen am Wochenende berichteten. Neurentner und Neurentnerinnen, die 2022 in Deutschland in den Ruhestand getreten sind, erhielten laut Deutscher Rentenversicherung (DRV) durchschnittlich 1084 Euro monatlich, das sind 15 Euro weniger als diejenigen, die bereits vorher Rentenbezüge erhielten.
Die Unterschiede werden noch deutlicher, wenn man nach Geschlecht unterscheidet: Ein männlicher Neurentner mit durchschnittlich 1275 Euro monatlich erhält laut dem RND-Bericht 98 Euro weniger als ein Rentner, der bereits 1373 Euro erhält. Bei den Neurentnerinnen in den alten Bundesländern gab es hingegen einen monatlichen Zuwachs von 20 Euro im Vergleich zu den Rentnerinnen, die bereits im Ruhestand sind, während in den neuen Bundesländern die Bezüge der Neurentnerinnen sinken würden - obwohl diese im Durchschnitt eine höhere Rente erhalten als Frauen in Westdeutschland.
Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linken, bezeichnete den Zustand der gesetzlichen Rente als „sehr bedenklich“. Er äußerte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Wenn Neurentner weniger Geld in der Tasche haben als Bestandsrentner, ist das eine fatale Entwicklung.“ Die Renten seien nicht stabil, wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dies behaupte, sondern der Trend gehe nach unten, so Bartsch weiter. Menschen mit niedrigen Löhnen und unsicherer Arbeit, insbesondere im Osten der 1990er Jahre, würden zunehmend in den Ruhestand eintreten und das Rentenniveau senken. (Mit Material von dpa)
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