Wegen westlicher Sanktionen

Indien überholt China als größter Ölimporteur Russlands – Putin in der Klemme

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Bildmontage aus einem Ölförderturm und Indiens Präsident Narendra Modi (Symbolfoto). Russland baut auf Indien als Abnehmer für Öl. Das Handelsvolumen wächst beständig. Westliche Sanktionen sorgen jedoch für eine Zwickmühle.
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Indien ist für Russland ein wichtiger Ölkäufer. Der Handel nimmt stetig zu. Allerdings stellen westliche Sanktionen eine Herausforderung dar.

Neu Delhi – Im Energiesektor ist Indien für uns ein Schlüsselpartner und der wichtigste Markt“, erklärte der russische Vizepremier Alexander Nowak im Juli, wie Interfax berichtete. Er bezog sich auf den Kauf von russischem Öl durch Indien. Seitdem der Westen Sanktionen gegen Russland verhängt hat, sucht das Land nach alternativen Handelspartnern.

Indien hat China als wichtigsten Handelspartner für Russland überholt

Im Juli war Indien der größte Importeur von russischem Öl, noch vor China. Laut Berichten des Kyiv Independent, die sich auf Informationen der Nachrichtenagentur Reuters stützen, haben chinesische Raffinerien im Juli weniger Öl gekauft, da die Gewinnmargen aus der Kraftstoffproduktion gesunken sind. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine haben sich westliche Länder zunehmend von Russland abgewandt. Asiatische Länder sind eingesprungen und haben sich, insbesondere China, zu einer Art Lebensader für die russische Wirtschaft entwickelt.

Im Gesamtvolumen der indischen Ölimporte machte russisches Öl 44 Prozent aus, ein Rekordwert. Täglich wurden durchschnittlich 2,07 Millionen Barrel Öl nach Indien geliefert. Dies entspricht einem Anstieg von 4,2 Prozent zwischen Juni und Juli 2024 und einem Anstieg von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im gleichen Zeitraum kamen aus China 1,76 Millionen Barrel pro Tag, wie chinesische Handelsdaten zeigten.

Allerdings führt der zunehmende Handel zwischen Russland und asiatischen Ländern zu Besorgnis in China und Indien, da die USA immer mehr Sekundärsanktionen einsetzen. Diese sollen Druck auf die neuen Top-Handelspartner ausüben. Die Auswirkungen sind bereits im Bankensektor sichtbar, wo mehrere chinesische Banken aus Angst vor Sanktionen den Handel mit Russland eingestellt haben. Im Frühjahr 2024 deutete Indien an, nach Alternativen für russisches Öl zu suchen.

Indien verhandelt Rabattpreise und kauft massiv Öl ein

Indiens Bedarf für russisches Öl steigt weiter, solange es keine schärferen Sanktionen gibt“, zitierte Reuters eine indische Quelle. Im Juli war der Irak der zweitgrößte Lieferant. Der indische Premierminister Narendra Modi hat wiederholt eine diplomatische Lösung für den Ukraine-Krieg gefordert, während er gleichzeitig enge wirtschaftliche Beziehungen zu Moskau unterhält.

Indien spart dabei erheblich. Laut indischen Handelsdaten haben die Importeure zwischen April 2022 und Mai 2024 Kosten in Höhe von 10,5 Milliarden US-Dollar (rund 9,3 Milliarden Euro) gespart, indem sie russisches Öl zu „Discountpreisen“ gekauft haben. „Wenn wir anfangen, mehr Öl aus dem Mittleren Osten zu kaufen, wird der Ölpreis nicht bei 75 US-Dollar bleiben. Er würde 150 US-Dollar betragen“, zitierte das US-amerikanische Nachrichtennetzwerk CNBC den indischen Energieminister Hardeep Singh Puri.

Indiens Ölkäufe stützen Russlands Wirtschaft - G7-Staaten wollen gegensteuern

Derzeit versuchen die G7-Staaten, die Einnahmen Russlands aus dem Ölhandel durch einen sogenannten Ölpreisdeckel zu reduzieren. Dies bedeutet, dass der Handel mit russischem Öl verboten ist, solange der Preis von 60 US-Dollar pro Barrel überschritten wird. Wenn dieser Preis unterschritten wird, dürfen auch westliche Transportunternehmen russisches Öl handeln.

Als Reaktion darauf hat Russland vor allem zwei Strategien verfolgt: Präsident Wladimir Putin hat sich stärker auf Länder wie China und Indien konzentriert, die viele der westlichen Sanktionen nicht unterstützt haben. Zudem hat Russland versucht, trotzdem Öl in den Westen zu transportieren, indem es eine Schattenflotte aus Öltankern einsetzte. Die Jagd auf diese Schattenflotte hat einen Kleinkrieg der Behörden ausgelöst, da die westlichen Nationen daran interessiert waren, die Tanker aus dem Verkehr zu ziehen. Seit Oktober 2023 stehen mehr als 50 Schiffe der Schattenflotte auf der Sanktionsliste.

Russlands Wirtschaft unter Druck: Einnahmen aus Ölexporten brechen ein

Die Wirksamkeit der westlichen Sanktionen ist seit ihrer Einführung immer wieder Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Es gelang Putin gelegentlich, Ölpreise von bis zu 80 US-Dollar pro Barrel zu erzielen, indem er einfach an seine neuen Handelspartner lieferte. Dies führte jedoch zu leichten Aufschlägen beim Transport, da der Handel mit dem Westen logistisch besser aufgestellt war.

Trotzdem gab es im Juli einen deutlichen Rückgang der russischen Ölexporte, die den niedrigsten Stand seit Dezember 2023 erreichten, wie Reuters berichtete. Experten zufolge steht ein weiterer Rückgang bevor. Putin steht vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder er gibt nach und senkt den Ölpreis, oder er bietet Indien und China weiterhin Discountpreise an. Beide Optionen bedeuten einen Verlust im Vergleich zu früher.

Die gesunkenen Ölpreise sind jedoch nicht nur auf die westlichen Sanktionen zurückzuführen - die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hatte eine Reduzierung der Ölförderung vereinbart, die Russland einhalten will. Seit Ende 2022 hat die Organisation wiederholt Produktionskürzungen vorgenommen. Ende Juli hatten die OPEC-Staaten ihre Produktion insgesamt um 5,86 Millionen Barrel pro Tag gesenkt, was etwa 5,7 Prozent der weltweiten Nachfrage entspricht. Gleichzeitig greift die Ukraine immer wieder russische Raffinerien mit Drohnen an. Zwischenzeitlich hatte sie damit zwölf bis 14 Prozent der russischen Ölraffinerie-Kapazitäten lahmgelegt. (Laernie mit Material von Reuters)

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