Energiewende stockt

Industrie appelliert an Bayerns Bürger: „Brauchen mehr Offenheit für Windräder“

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Die Wirtschaft in Bayern kritisiert den zögerlichen Ausbau der grünen Energien. Eine aktuelle Untersuchung weist auf dringenden Handlungsbedarf im Freistaat hin.

München – Wenn Friedrich Merz (CDU) gehofft haben sollte, dass die deutsche Wirtschaft noch ein paar Tage wartet, bis sie mit ihren Forderungen um die Ecke kommen, dann dürfte er mittlerweile eines Besseren belehrt sein. Die Industrie kann keine Sekunde länger warten – und das wurde auch bei der Vorstellung des diesjährigen Monitorings der Energiewende durch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) deutlich. Die Energiekosten müssten so schnell wie möglich runter, so die zentrale Botschaft. „Wir brauchen einen Brückenstrompreis. Ich verstehe nicht, warum sich alle damit so schwertun“, sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt am Dienstag (25. Februar) in München bei der Studienvorstellung.

Strom kostet in anderen EU-Ländern bis zu 40 Prozent weniger als in Deutschland

Damit bezieht sich Brossardt auf die Forderungen aus der Wirtschaft, den Strompreis in der Industrie für eine begrenzte Zeit zu subventionieren – bis die Kosten für den Netzausbau den Preis nicht mehr so in die Höhe treiben. In der Ampel-Regierung hatten SPD und Grüne einen solchen Brücken- oder Industriestrompreis befürwortet, die FDP bremste das Vorhaben jedoch aufgrund fehlender Steuermittel.

Bei der Präsentation der aktuellen Studie des Forschungsunternehmens Prognos spielten die hohen Energiepreise eine entscheidende Rolle. Die Kosten seien in anderen europäischen Ländern wie Spanien und Frankreich um 40 Prozent beziehungsweise 30 Prozent niedriger. Deutschland entstehe so ein „deutlicher Wettbewerbsnachteil“, kritisierte Brossardt. Auch für Privathaushalte bleibt der Strompreis höher als vor den Krisenjahren ab 2020, wie die Prognos-Untersuchung zeigt.

Noch immer dauern Genehmigungen für Windräder sehr lange. (Archivbild)

Die VBW forderte daher die dauerhafte Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß. Dieses liegt bei 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Für die energieintensive Industrie sei zudem ein Brückenstrompreis nötig. Hoffnung setzt Brossardt nun auch in die neue Regierung: Diese müsse nicht nur der Wirtschaft insgesamt, sondern auch der Energiewende „neuen Schwung verleihen“.

In Bayern wird die Windkraft ausgebremst – Solar boomt

Für das mittlerweile 13. Monitoring der VBW analysierte die Beratungsfirma Prognos offizielle Statistiken von Bundes- und Landesbehörden und glich diese mit den Zielvorgaben der Bundesregierung und der bayrischen Landesregierung ab. Die Daten stammen vorwiegend aus dem Jahr 2023, teilweise auch aus dem vergangenen Jahr.

„Erneut können wir keine Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr erkennen. Das ist alarmierend“, sagte Brossardt. Beim Netzausbau hinke Deutschland den Zielen weit hinterher, der Rückstand betrage gut 2200 Kilometer. Zwar habe sich seit 2020 einiges verbessert – aber nicht genug, um die herausgegebenen Ziele sowohl der Landes- als auch der Bundesregierung zu erreichen.

Sorge bereitet dem Verband auch der Ausbau der Windenergie: Brossardt sieht dort „noch reichlich Luft nach oben.“ Insbesondere in Bayern werden die Ausbauziele krachend verfehlt: 2024 wurden statt den anvisierten 700 Megawatt gerade mal 40 MW im Freistaat zugebaut. „Daher mein Appell an die bayerische Bevölkerung: Wir brauchen mehr Offenheit für Windräder“, so Brossardt. Bei PV läuft es hingegen sehr gut: Statt den 1,9 Gigawatt, die als Ziel in Bayern ausgegeben wurden, wurden 3,9 GW installiert – eine Verdoppelung also.

Deutschland hinkt bei Elektroautos massiv hinterher

Die Prognos-Studie zeigt auch, dass Bayern bei der Reduktion der Treibhausgase hinterherhinkt. Während Deutschland in der Gesamtbetrachtung ungefähr auf Kurs ist, sinken die Treibhausgasemissionen im Freistaat seit 2015 nur leicht. Das hat damit zu tun, dass in Bayern wenig Kohle verstromt wurde und dadurch weniger Erfolge in diesem Bereich verbucht werden konnten. 39 Prozent der Treibhausgasemissionen stammen demnach in Bayern aus dem Bereich Verkehr – hier muss der Umstieg auf Elektroautos also beschleunigt werden, wenn die Ziele erreicht werden sollen.

Top 10: Die zehn beliebtesten Autos der Deutschen

Ein VW Polo
Platz 10 – VW Polo: Der VW-Konzern dominiert die Neuzulassungs-Statistik des Jahres 2024. Los geht es auf Platz 10 mit dem Polo: 36.757 Exemplare des Kleinwagens wurden in Deutschland verkauft. © VW
Ein Seat Leon
Platz 9 – Seat Leon: Der Leon trägt zwar kein VW-Emblem im Grill – zum Konzern gehört die Marke dennoch. Mit 37.129 Neuzulassungen konnte sich der Seat den 9. Platz in der Jahres-Statistik sichern. © Seat
Ein BMW X1
Platz 8 – BMW X1: In die Top 10 haben es nur wenige Fahrzeuge geschafft, die nicht aus dem VW-Konzern stammen. Der BMW X1 ist eines davon. 37.154 Neuzulassungen reichten für Platz 8. © BMW
Ein Opel Corsa
Platz 7 – Opel Corsa: Im Vorjahr noch auf Platz 4, ging es für den Corsa nach unten. Im Jahr 2024 reichten 43.467 Neuzulassungen aber immer noch für den 7. Platz. © Opel
Ein Opel Astra
Platz 6 – Opel Astra: Und gleich noch ein Opel. Mit 47.601 Neuzulassungen schaffte es der Astra auf Rang 6 in der Jahres-Statistik. © Opel
Ein VW Passat
Platz 5 – VW Passat: Und schon wieder VW. Platz 5 im Jahres-Ranking 2024 sicherte sich der Passat – mit 47.720 Neuzulassungen.  © VW
Ein Skoda Octavia
Platz 4 – Skoda Octavia: Ein großer Sprung für den Octavia: Im vergangenen Jahr lag er noch auf Platz 10. Im Jahr 2024 reichen 50.817 Neuzulassungen für den vierten Platz im Neuzulassungs-Ranking. © Skoda
Ein VW Tiguan
Platz 3 – VW Tiguan: Die Top 3 belegen ausschließlich Modelle der Marke Volkswagen. Auf dem dritten Platz landete der Tiguan mit 67.057 Neuzulassungen im Jahr 2024. © VW
Ein VW T-Roc
Platz 2 – VW T-Roc: Auch den zweiten Platz bei den meistverkauften Autos in Deutschland sicherte sich ein VW. Vom VW T-Roc wurden 75.398 Modelle neu zugelassen. © VW
Fahraufnahme eines VW Golf
Platz 1 – VW Golf: Die ewige Nummer eins stand auch im Jahr 2024 wieder an der Spitze der Neuzulassungen in Deutschland. 100.183 Golf-Modelle wurden neu zugelassen. © VW

Besonders problematisch ist auch der Ausbau der Ladepunkte, wie die Studie weiter zeigt. So gibt es in Deutschland seit Ende Dezember 2024 knapp 150.000 öffentliche Ladepunkte. Ziel der Bundesregierung sind bis 2030 eine Million. In Bayern wurden 2023 insgesamt 14.000 Ladepunkte installiert. (mit Material von AFP)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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