Schwache Industrie

Industrie in der Krise: Deutsche Produktion auf niedrigstem Niveau seit Corona-Krise

  • schließen

Die deutsche Industrie steckt weiter in der Krise. Die Produktion ist im Juni auf den tiefsten Stand seit dem Corona-Schock gefallen. Die US-Zölle dämpfen zudem die Aussicht auf Besserung.

Berlin – Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Juni überraschend deutlich verringert. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,9 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag (7. August 2025) mitteilte. „Damit erreichte die Produktion im Produzierenden Gewerbe den niedrigsten Stand seit Mai 2020, als die Produktion infolge der Corona-Pandemie eingebrochen war“, erklärten die Statistiker. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 0,5 Prozent gerechnet.

Produktion in Deutschland sinkt im Juni 2025 stärker als erwartet

Im Mai sank die Produktion gegenüber April nach Revision der vorläufigen Ergebnisse leicht um 0,1 (vorläufiger Wert: +1,2) Prozent: „Die außergewöhnlich hohe Revision ist auf Korrekturmeldungen einiger Betriebe aus der Automobilindustrie zurückzuführen“, erläuterte Destatis.

Ein Industriearbeiter flext mit einem Winkelschleifer ein Stahlrohr. Die deutsche Industrie steckt weiter in der Krise.  (Symbolbild)

Die negative Entwicklung der Produktion im Juni ist demnach vor allem auf die Rückgänge im Maschinenbau (kalender- und saisonbereinigt -5,3 Prozent zum Vormonat), in der Pharmaindustrie (-11,0 Prozent) und in der Nahrungsmittelindustrie (-6,3 Prozent) zurückzuführen. Positiv wirkte sich hingegen der Zuwachs bei der Energieerzeugung (+3,1 Prozent) aus.

Im zweiten Quartal gab das Produktionsvolumen mit einem Minus von 1,0 Prozent gegenüber dem ersten Quartal insgesamt nach, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Ursächlich hierfür waren demnach sowohl Rückgänge in der Industrie als auch im Baugewerbe. Die Energieproduktion konnte auch aufgrund der Ausweitung der Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen hingegen deutlich zulegen.

Industrie in der Krise: US-Zölle dämpfen Aussicht auf Besserung

„Die schwache Entwicklung der Industrieproduktion im zweiten Quartal dürfte teilweise Ausdruck einer Gegenbewegung zu den Vorzieheffekten im Zusammenhang mit den angekündigten Zollerhöhungen sein, die die wirtschaftliche Entwicklung im exportintensiven produzierenden Gewerbe zu Jahresbeginn positiv beeinflusst hatten“, erklärte das Ministerium und fügte hinzu: „Angesichts der durch die erhöhten US-Zölle verschlechterten handelspolitischen Rahmenbedingungen und der zuletzt gedämpften Industriegüternachfrage von Seiten der Länder außerhalb des Euroraums sind auch zu Beginn des dritten Quartals keine Impulse für einen dauerhaften Aufschwung der Industriekonjunktur absehbar.“

Am Vortag war bereits der Auftragseingang enttäuschend ausgefallen. Die Bestellungen waren im Juni erneut gesunken. Ausschlaggebend waren weniger Aufträge in der Autoindustrie und eine schwache Entwicklung bei Großaufträgen. Zuletzt hatte die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht vor erheblichen Belastungen für die deutsche Wirtschaft durch Auswirkungen hoher US-Zölle gewarnt. (lma/Reuters mit dpa)

Rubriklistenbild: © Rupert Oberhäuser/imago

Kommentare