Traditionsunternehmen insolvent

Insolvenz bei Elektronik-Fabrikant: Historisches Unternehmen gerät in Sanierung

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Auch Elektronik-Fabrikanten können 2024 Insolvenzen nicht entkommen. Es ist bereits das zweite Unternehmen der Branche, das in diesem Jahr betroffen ist. Und ein historisches dazu.

Bergisch Gladbach – 2024 bleibt ein schwieriges Jahr für viele deutsche Unternehmen, vielerorts wird von einer „Pleitewelle“ gesprochen. Auch die Kommunikationstechnik-Branche bleibt von negativen Meldungen nicht verschont. Bereits im April musste das Unternehmen Wisi ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung einreichen. Nun trifft es mit Astro Strobel den nächsten Branchenvertreter.

Insolvenz wegen anhaltender Verlustsituation und storniertem Großauftrag

Die Astro Strobel Kommunikationsysteme GmbH meldete Insolvenz an, wie das traditionsreiche Unternehmen mit Ursprung im Jahr 1947 auf seiner Website erklärte. Schon am 10. Juli ordnete das Amtsgericht Köln in diesem Fall eine gerichtliche Sanierung im Regelverfahren an.

Decken-Stromkabel in einer Wohnung (Symbolbild)

Gründe für die Insolvenz liegen Astro Strobel zufolge unter anderem in anhaltenden Lieferkettenproblemen infolge von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg. Letztendlich habe ein stornierter Großauftrag den Ausschlag gegeben, dass Insolvenz eingereicht werden musste, auch weil die Liquiditätssituation außergerichtlich nicht mehr verbessert werden konnte. Mit der Eröffnung des derzeit vorläufigen Verfahrens rechnet der vorläufige Insolvenzverwalter Anfang September.

Das Unternehmen mit Sitz in Bergisch Gladbach fertigt seit seiner Gründung 1947 elektronische Geräte für Handel, Systemanbieter und Handwerk. Seitdem entwickelte sich Astro Strobel zum Hersteller von Satelliten-, Kabel-, Multimedia- und IPTV-Übertragungstechnik. Zur Produktpalette gehören einerseits Sat-Antennen und Multischalter für Satelliten, aber auch Multimedia-Verteilverstärker, IP-Kopfstellen oder Fibre-Nodes.

Investorensuche bei Astro Strobel – es zeigen schon einige Investoren Interesse

Geschäftsführer Herbert Strobel glaubt an eine stabile Neuaufstellung seines Unternehmens: „Gemeinsam mit einem erfahrenen Sanierungsteam werden wir unser Unternehmen auf eine nachhaltig stabile Basis stellen“, betonte er gegenüber dem Online-Magazin digitalfernsehen.de. Nach der Unternehmensinsolvenz hofft der Geschäftsführer nun auf eine nachhaltige Sanierung.

Der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Thomas Ellrich, bekräftigte ebenfalls seinen Optimismus für einen Neuaufbau bei Astro Strobel: „Denn das operative Geschäft ist grundsätzlich gesund und die Kunden sowie Lieferanten des Betriebs setzen ihre Bestellungen und Lieferungen fort.“ In diesem Sinne ist bereits die Suche nach Investoren im Gange und nach Angaben von Astro Strobel hätten bereits einige mögliche Investoren ihr Interesse bekundet.

Geschäftsbetrieb bei Astro Strobel läuft trotz Insolvenzverfahren weiter

Die insolvente Astro Strobel Kommunikationsysteme GmbH betonte, dass der Geschäftsbetrieb trotz des eingeleiteten Verfahrens uneingeschränkt weiter läuft. Darüber seien sowohl Kunden als auch Partner und Angestellten bereits informiert worden. Löhne und Gehälter der Belegschaft sollen laut Unternehmensangaben durch das vorfinanzierte Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert werden.

Neben der Suche nach einem neuen Investoren ist das Sanierungsteam bereits mit den Banken über einen unechten Massekredit in Verhandlungen. Als solchen versteht man eine revolvierende Finanzierung durch die Verfügung von Sicherungsgut. Anstatt eines Neukredits wird die Einziehung von Altforderungen oder die Entnahme aus dem Lager geduldet. Ein solcher Kredit dient immer dazu, den Geschäftsbetrieb insolventer Unternehmen aufrechtzuerhalten. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Robert Poorten

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