Baukrise wird zum Drama

Insolvenz von Helma Eigenheimbau AG: Wenn der Traum vom Eigenheim zum Albtraum wird

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Die Insolvenz der Helma Eigenheimbau AG trifft tausende Käufer hart. Ein Blick auf die Auswirkungen offenbart die dramatische Lage in der Baubranche.

Gifhorn – Tausende Kunden der Helma Eigenheimbau AG erleben derzeit die Folgen einer Insolvenz des Bauträgers hautnah. Die Pleite des Unternehmens ist kein Einzelfall in der Branche. Laut der Unternehmensberatung Falkensteg gab es im ersten Quartal 2024 bereits 630 Insolvenzen in der Immobilienbranche, was einem Anstieg von 18,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Ursachen für diese Pleitewelle liegen in der tiefgreifenden Krise der Baubranche, die durch steigende Zinsen, hohe Baukosten und mangelnde Aufträge verursacht wird.

Die Auswirkungen dieser Insolvenzen sind für die betroffenen Unternehmen und ihre Mitarbeiter verheerend. Doch auch für die Käufer von Immobilien ist die Situation dramatisch, wie das Beispiel der Helma-Insolvenz zeigt.

Helma Eigenheimbau bietet verschiedene Musterhäsuer an

Helma bietet auf ihrer Webseite verschiedene „schlüsselfertige Häuser“ an. Diese Fertighäuser können aus einem Katalog ausgewählt und in der Regel an einem Standort in Deutschland besichtigt werden. Helma bietet auch Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen an. Kunden, die ein Helma-Haus erwerben möchten, haben zwei Optionen: Sie können ein Haus inklusive Grundstück kaufen oder sie erwerben „nur“ das Haus, wenn sie bereits ein Grundstück besitzen.

Im Zuge des Insolvenzverfahrens ist dieser Unterschied entscheidend. Wer nur das Haus gekauft hat, ist zumindest Eigentümer des Grundstücks. Wer jedoch auch das Grundstück über Helma erworben hat, steht vor einer größeren Herausforderung. Wie das Handelsblatt berichtet, wird der Käufer erst dann ins Grundbuch eingetragen, wenn das Haus fertiggestellt und abgenommen wurde. Diese Käufer stehen nun ohne Haus und Grundstück da.

Folgen der Helma-Insolvenz: Kunden können ohne Grundstück dastehen

Laut Handelsblatt haben diese Käufer grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Sie können den Vertrag rückabwickeln und die bisher gezahlten Kaufbeträge sowie die Grunderwerbssteuer zurückerhalten. Allerdings wird der Wert des bereits fertiggestellten Teils noch einmal bewertet und berücksichtigt. Die Bank, die nach der Insolvenz Eigentümer des Grundstücks ist, wird es zusammen mit dem Rohbau verkaufen oder versteigern. Die Erwerbsnebenkosten erhalten die Kunden jedoch nicht zurück.

Helma Eigenheimbau AG: Die Insolvenz wird für viele zum Drama

Die andere Möglichkeit besteht darin, einen neuen Bauträger zu suchen, wenn die Bank das unfertige Haus mit Grundstück nicht übernehmen möchte. Dies führt zu komplizierten und aufwändigen Vertragsverhandlungen, bei denen der Kunde in der Regel den Kürzeren zieht. In beiden Fällen müssen sich die Betroffenen auf ein Verlustgeschäft einstellen.

Insolvenzen in der Baubranche nehmen deutlich zu

Diejenigen, die „nur“ das schlüsselfertige Haus gekauft und das Grundstück bereits besaßen, sind etwas besser dran. Sie riskieren zwar nicht, alles zu verlieren, aber der Bau des Hauses wird deutlich länger dauern und teurer werden. Besonders dramatisch ist die Situation für Familien, die ihre Wohnung bereits gekündigt haben, aber das Haus nicht rechtzeitig fertiggestellt wird. „Es gab tatsächlich Fälle, in denen Familien drohten, auf der Straße zu stehen“, sagt Manuel Sack, der Insolvenzverwalter von Helma, gegenüber dem Handelsblatt. Diese Familien hätten jedoch die Möglichkeit erhalten, den Fertigbau an andere Unternehmen zu übergeben.

Die Zukunft der Helma Eigenheimbau AG und ihrer Tochtergesellschaften ist ungewiss. Die Kunden des Unternehmens sind nur ein Beispiel von vielen. Falkensteg zufolge ist die Zahl der Insolvenzanträge, insbesondere von Bauträgern, im ersten Quartal des Jahres um 15,6 Prozent auf 326 Unternehmen gestiegen. Die Prognose ist noch düsterer: Die Krise wird laut der Unternehmensberatung mindestens bis 2026 andauern.

Baukrise dauert an: „kein Grund zur Entwarnung“

Trotz leicht verbesserter Zahlen im Baugewerbe gibt es „keinen Grund zur Entwarnung“, wie das Bundesamt für Statistik Ende April mitteilte. Die Auftragszahlen sind im Februar um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen und der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe hat im Jahresvergleich um 2,0 Prozent zugelegt. Allerdings sind die realen Umsätze in den ersten beiden Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,3 Prozent gesunken.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie wies darauf hin, dass die Branche trotz der leicht positiven Entwicklung der Auftragszahlen „noch kein Wendepunkt“ erreicht hat. Die Baugenehmigungen, die eine Voraussetzung für die Aufträge sind, waren im Februar weiterhin negativ. „Die Situation ist und bleibt festgefahren“, so der Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Hohe Finanzierungskosten und übermäßige Anforderungen bei der Förderung hindern viele Investitionen auf dem Wohnungsmarkt.

Mit Material von AFP

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rainer Droese

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