Interesse an Übernahme

Geht ein deutsches Zukunftsunternehmen an China?

  • schließen

Nach der Insolvenz von Flugtaxihersteller Lilium ist auch Konkurrenz Volocopter in Bedrängnis. Ein Großkonzern aus China zeigt offenbar Interesse an einer Übernahme.

Bruchsal - Elektrisch betriebene Flugtaxis wurden lange Zeit als Zukunft der Mobilität in Großstädten angesehen; aktuell straucheln aber mehrere deutsche Hoffnungsträger. Das Unternehmen Lilium mit Verwaltungssitz in Gauting bei München hat kürzlich Insolvenz angemeldet und auch beim Konkurrenten Volocopter aus Bruchsal (Baden-Württemberg) schloss der CEO eine solche aufgrund von fehlenden Förderungen nicht aus. Wie aktuell die US-Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf Insider berichtet, könnte dem Unternehmen aber auch ein anderes Schicksal blühen.

Das Unternehmen Volocopter wurde im Jahr 2007 in Bruchsal mit dem Ziel gegründet, senkrecht startende Personen-Fluggeräte zu entwickeln. Rund zehn Jahre später erhielt das Start-up Investitionen von mehreren Großunternehmen, darunter auch vom Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz. Nachdem es einige Zeit schnell bergauf ging und Volocopter unter anderem den Hauptsitz in Bruchsal ausbaute und eine Genehmigung für die Serienproduktion des Modells Velocity erhielt, brachte ein geplatzter Finanzierungsdeal das Unternehmen in eine gefährliche Schieflage.

Chinesischer Autokonzern Geely zeigt offenbar Interesse an Übernahme von Flugtaxi-Pionier

Laut dem Bloomberg-Bericht zeigte nun der chinesische Konzern Geely Interesse an einer Übernahme des Bruchsaler Start-ups. Der Auto- und Motorradbauer, dessen Vorstandsvorsitzender Li Shufu einer der größten Einzelaktionäre von Mercedes-Benz ist, ist demnach bereit, 95 Millionen US-Dollar (rund 90 Millionen Euro) für 85 Prozent der Anteile an Volocopter zu zahlen. Das Engagement des chinesischen Großkonzerns (rund 120.000 Mitarbeiter) bei dem baden-württembergischen Unternehmen ist nicht gänzlich neu; Geely hatte bereits 2019 eine Finanzierungsrunde angeführt, die Volocopter rund 50 Millionen Euro einbrachte.

NameVolocopter GmbH
Gründung 2007
SitzBruchsal, Baden-Württemberg
Branche Flugzeugbau
Mitarbeiterrund 650 (Mai 2024)

Während beim Flugtaxihersteller Lilium der vorläufige Insolvenzverwalter Wolfgang Bernhardt von der Ulmer Rechtsanwaltskanzlei Pluta nach der Insolvenzanmeldung die Aufgabe hat, eine Investorenlösung zu suchen, könnte ein Einstieg von Geely bei Volocopter eine solche verhindern. An dem möglichen Deal soll laut den Informationen von Bloomberg auch das Family-Office von Gerhard Sturm, dem Gründer des baden-württembergischen Ventilatoren-Herstellers EBM-Papst, beteiligt sein.

Laut einem Bericht könnte der Flugtaxi-Pionier Volocopter an den chinesischen Großkonzern Geely gehen.

Dass Volocopter an ausländischen Investor gehen könnte, steht schon seit Monaten im Raum

Wie Business Insider berichtet, ist zum aktuellen Zeitpunkt aber weder ein Einstieg von Geely noch eine Beteiligung durch Sturm bei Volocopter bestätigt. Die aktuelle Lage bei den Bruchsalern ist aber durchaus dramatisch, da Volocopter bislang noch keine Serienfertigung gestartet hat und damit auch noch keine Umsätze generiert. Zudem steht bereits seit mehreren Monaten im Raum, dass das Unternehmen aus mehreren Gründen an einen ausländischen Investor gehen könnte. Es hieß bereits vor einiger Zeit, dass Volocopter für die in Saudi-Arabien entstehende Mega-Stadt Neom die Mobilität aufbauen solle.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

Kommentare