VonAmy Walkerschließen
Seit Israels Angriff auf den Iran steigen die Ölpreise. Fachleute warnen vor einer möglichen Sperrung der Straße von Hormus. Das wäre für Teheran der letzte Schritt.
Update 14. Juni, 14:37 Uhr: Ein iranischer General hat mit der Schließung einer für den Ölhandel wichtigen Meerenge gedroht. „Die Schließung der Straße von Hormus wird derzeit geprüft, und Iran wird mit voller Entschlossenheit die angemessene Entscheidung treffen“, sagte der Abgeordnete und Brigadegeneral Ismail Kosari laut der Zeitung Entekhab.
Bereits in der Vergangenheit drohten iranische Politiker und Militärs damit, die Straße von Hormus zu blockieren. Eine solche Sperrung der strategisch wichtigen Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman hätte gravierende Folgen für den Ölmarkt - rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls wird über diese Route transportiert.
Iran droht mit Blockade der Straße von Hormus: 21 Prozent des Ölhandels muss durch das Nadelöhr
Erstmeldung, 14. Juni um 09:28 Uhr: Der Großangriff Israels auf den Iran sowie die Vergeltungsschläge aus Teheran hält die Welt in Atem. Ein Krieg zwischen den beiden Regionalmächten könnte den Welthandel ordentlich durcheinander rütteln. Vor allem blicken Analysten in diesen Tagen auf die Ölpreise. Die Gefahr eines neuen Energiepreisschocks wächst. Sollte das Regime in Teheran keinen Ausweg finden, könnte sie eine der wichtigsten Handelsadern der Welt blockieren: Die Straße von Hormus.
Die Straße von Hormus, durch die 21 Prozent des weltweiten Rohöls fließen, ist für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Eine Störung oder gar Blockade des Schiffsverkehrs durch den Iran könnte eine weltweite Krise auslösen.
Schon seit Jahren spekulieren internationale Expertinnen und Experten über mögliche Szenarien, sollte der Iran diesen Schritt wagen. In einem Artikel der US-amerikanischen Denkfabrik The Atlantic Council schreibt der Energieökonom David L. Goldwyn, dass er bei einem Krieg zwischen Israel und dem Iran „mindestens“ einen deutlichen Sprung bei den Transportkosten für Öl und Gas erwartet, da die Reedereien das neue Risiko auf den Schiffsrouten kompensieren müssen.
Das gravierendste Szenario wäre eine Blockade der Straße von Hormus durch den Iran. Alle Handelsschiffe, die in den Persischen Golf ein- oder ausfahren, müssen diese Passage nutzen. Besonders Asien wäre betroffen, da 80 Prozent ihres Öls aus dieser Region stammen.
Blockade des Iran würde China erzürnen: Peking setzt Teheran unter Druck
Allerdings gilt dieser Schritt als zumindest sehr riskant für Teheran. Der Iran ist auf die Einnahmen aus dem Ölhandel angewiesen und transportiert sein eigenes Öl durch diese Meerenge. Ellen Wald, Präsidentin der US-Beratungsfirma Transversal Consulting, sagt im Gespräch mit dem US-Sender CNBC, dass es für den Iran „keinen Vorteil“ gibt, eine Blockade der Straße von Hormus herbeizuführen. Denn damit riskiert das Regime, seinen wichtigsten Verbündeten zu verärgern: China.
„China will auf keinen Fall, dass der Ölhandel aus dem Persischen Golf in irgendeiner Form gestört wird und will auch nicht, dass Ölpreise steigen. Sie werden Iran ökonomisch extrem unter Druck setzen“, so Wald.
Irans Verbündeter Russland freut sich über steigenden Ölpreis
Der Iran könnte trotzdem dieses Druckmittel nutzen, um den Ölpreis zu erhöhen. Schon das Stoppen einzelner Schiffe auf dem Weg durch die Straße von Hormus könnte ausreichen, um den Handelspreis nach oben zu treiben.
Kamel al-Harami, ein Ölmarktexperte aus Dubai, wies gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf eine weitere mögliche Strategie des Iran hin. Das Mullah-Regime könnte Druck auf Länder wie den Irak ausüben, um deren Öllieferungen zu reduzieren. Auch damit könnte Teheran den Ölpreis in die Höhe treiben und den Westen unter Druck setzen.
Denn auch wenn China den Ölpreis nicht nach oben treiben möchte, würde das ein anderer Verbündeter des Iran begrüßen: Russland. Die Einnahmen aus dem Ölhandel sind für den Kreml von existenzieller Bedeutung, er finanziert damit seinen Krieg in der Ukraine.
Wenn Trump und die USA im Iran eingreifen, könnte Teheran die Notbremse ziehen
Dennoch sind sich Experten sicher, dass die Blockade dieses Seewegs für den Iran die absolut letzte Wahl sein wird. China ist der weitaus wichtigere Verbündete des Iran, Peking nimmt zwei Drittel des Öls aus dem schwer sanktionierten Land ab. Ein militärischer Eingriff der USA in den Konflikt könnte aber ein Grund für den Iran sein, diese Notbremse zu ziehen.
Es muss aber gar nicht zu einer vollständigen Blockade kommen, um verheerende wirtschaftliche Folgen für den Seehandel anzurichten. „Ein regionaler Flächenbrand könnte weitere Staaten sowie zentrale maritime Verkehrsadern erfassen“, hieß es in einer Stellungnahme des Verbands Deutscher Reederer (VDR). Dort gebe es mehrere Engpässe, die Handelsrouten gefährden und Preise in die Höhe treiben könnten: die Straße von Hormus zwischen dem Iran und dem Oman, das Rote Meer sowie die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer im Süden mit dem Golf von Aden verbindet.
Die Handelsschifffahrt ist schon seit einiger Zeit in der Region besonders gefährdet. Die Huthi-Miliz greift seit Ausbruch des Gazakriegs im Herbst 2023 immer wieder Schiffe an. Viele Reedereien fahren Umwege.
Rubriklistenbild: © Ahmad Halabisaz/IMAGO

