Ukraine-Krieg

Iran und Russland verknüpfen Zahlungssysteme – zur Umgehung von Sanktionen

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Der Iran und Russland streben an, ihre Kooperation zu vertiefen. Sie verbinden ihre Zahlungssysteme. Was hat das für Konsequenzen für Konsumenten?

Moskau – Der Iran beeinflusst den Ukraine-Krieg maßgeblich. Von ihm hat Russland eine der wichtigsten Waffen bekommen, die es zur Zerstörung der angegriffenen Nation benutzt: Shahed-Drohnen. Jetzt soll das Land auch im Finanzsektor eine größere Rolle einnehmen.

Russland und Iran verknüpfen Zahlungssysteme – Wegen westlicher Sanktionen

Westliche Sanktionen haben Russland und den Iran von internationalen Kreditkartenanbietern abgeschottet. Jetzt tun sich die beiden Diktaturen zusammen und verzahnen ihre Zahlungssysteme. Im Detail soll das russische MIR-System an das Schetab-Netzwerk im Iran angeschlossen werden – Kartenbesitzer sollen nach der schrittweisen Freischaltung im jeweils anderen Land bezahlen und Geld abheben können, berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Wladimir Putin in Moskau (Symbolfoto). Russland und der Iran wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen. Dazu verknüpfen sie ihre Zahlungssysteme. Was heißt das für Kunden?

Die beiden autoritär geführten Staaten würden ihre Zusammenarbeit damit weiter vertiefen. Beide stehen unter westlichen Sanktionen. Nachdem der russische Präsident Wladimir Putin den Ukraine-Krieg losgetreten hatte, hatten die westlichen Verbündeten der Ukraine Russland zum Beispiel aus dem Swift-Bankensystem ausgeschlossen. Das führte dazu, dass die Kreditkarten-Giganten Visa und Mastercard ihr Geschäft in Russland eingestellt hatten. Der Iran war bereits länger davon betroffen.

Zahlungssysteme aus Russland und dem Iran – Ab sofort kombiniert?

MIR und Schetab sind direkte Äquivalente zu Visa- und Mastercard. Gerade MIR steht vor einem Reichweitenproblem: Laut dem Handelsblatt schrumpft der Kreis der Länder, die sich diesem System angeschlossen haben. Zu groß ist die Sorge vor Sekundärsanktionen der USA und von Europa. Vor einigen Monaten war erst Armenien abgesprungen – der Kreml hatte die USA und ihre Sanktionspolitik verantwortlich gemacht.

Eine Katastrophe ist das für Russland nicht. Allerdings, so zitierte das Blatt den Politökonomen und Russlandexperten Sebastian Hoppe, sei diese Entwicklung ein „Indikator für die schwindende wirtschaftliche Anziehungskraft“ Russlands.

Das iranische System funktioniert ähnlich. Das sogenannte Interbank Information Transfer Network, auch bekannt als Schetab, existiert bereits seit 2002 und soll ein „Rückgrat“ für das iranische Bankensystem bilden. Alle inländischen Banken sind mittlerweile mit dem System verknüpft.

Sanktionen beschränken Russlands Wirtschaft – Probleme beim Zahlungsverkehr

Erste Schritte zu dieser Verknüpfung hin hatten die beiden Länder schon vor Jahren getan. Die iranische Zeitung Financial Tribune hatte 2017 davon berichtet, dass Russland und der Iran eine Testphase begonnen hatten – iranische Bürger mit Schetab-Karte oder MIR-Karte sollten Bankautomaten in beiden Ländern nutzen können. Weiterhin sollen Verhandlungen mit Japan, Aserbaidschan und China gelaufen sein, was die Integration ins Schetab-System betrifft.

Für Russland sind Zahlungsangelegenheiten innerhalb der letzten Wochen und Monate zunehmend zum Problem geworden. Nicht nur hatten die westlichen Sanktionen das Land vom Swift-System ausgeschlossen, auch hatte es wiederholt Sanktionen für russische Finanzinstitute gegeben. Die Moskauer Börse war ebenso davon betroffen. Mit Ländern wie Pakistan hatte Moskau schon auf klassischen Tauschhandel zurückgreifen müssen.

Eine Vielzahl internationaler Banken geht derzeit auf Abstand zu Russland, darunter einige aus China. Zum Beispiel hatte es bereits erhebliche Verzögerungen bei Zahlungen in Rubel gegeben.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Vyacheslav Prokofyev/Kremlin Pool

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