Erdogan fordert Waffenruhe

Kritik an Gaza-Kriegsführung: Türkei schränkt Exporte nach Israel ein

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Israels Vorgehen im Gazastreifen stößt auf wachsende Kritik. Auch die Türkei fordert eine Waffenruhe – und kappt nun teilweise die Handelsbeziehungen zu Israel.

Ankara – Die Türkei schränkt die Exporte nach Israel wegen des Gaza-Kriegs bis zu einer Waffenruhe ein. Bis dahin soll die Ausfuhr von Gütern aus 54 verschiedenen Kategorien begrenzt werden, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte. Betroffen sind beispielsweise Stahl, Kerosin, Düngemittel sowie Bauausrüstung und Maschinen. Die Maßnahme trete mit sofortiger Wirkung in Kraft.

Gaza-Krieg: Türkei schränkt Exporte nach Israel ein

Menschen in der Türkei schwenken türkische und palästinensische Fahnen.

„Diese Entscheidung wird so lange aufrechterhalten, bis Israel im Rahmen seiner völkerrechtlichen Verpflichtungen eine Waffenruhe im Gazastreifen ausruft und den ungehinderten Zufluss ausreichender humanitärer Hilfe in den Gazastreifen ermöglicht“, so das Ministerium. Der Schritt folgt auf eine von Israel abgelehnte Anfrage der Regierung in Ankara für eine Teilnahme am Abwurf von Hilfsgütern für die Bevölkerung in dem Palästinenser-Gebiet aus Flugzeugen.

Die katastrophale humanitäre Lage im Gazastreifen droht sich derweil weiter zu verschlimmern: Laut Regierungschef Netanyahu würde das Datum einer weiteren Offensive auf den Ort Rafah stehen; sowohl Deutschland als auch beispielsweise die USA warnten die Israelis bisher eindringlich vor diesem Schritt.

Erdogan in der Kritik

Dies ist die erste bedeutende Maßnahme der türkischen Regierung gegen Israel in dem seit mehr als sechs Monate tobenden Gaza-Krieg, der durch den Überfall der radikal-islamischen Palästinenser-Organisation Hamas am 7. Oktober begann. Das Nato-Mitglied hat Israel für sein Vorgehen im Gazastreifen scharf verurteilt. Trotz ihrer scharfen Rhetorik hielt die Regierung in Ankara jedoch an den Handelsbeziehungen fest.

Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht sich in dem muslimisch geprägten Land deswegen wachsender Kritik ausgesetzt. Die Polizei nahm am Samstag in Istanbul Dutzende Demonstranten fest, die ein Ende der Handelsbeziehungen forderten. Die türkischen Exporte nach Israel sind in diesem Jahr bisher jeden Monat gestiegen. Im März summierten sie sich auf einen Wert von 423,2 Millionen Dollar. (reuters, lf)

Rubriklistenbild: © Tolga Uluturk / dpa

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