Drei Standorte im Land

Deutscher Weltmarktführer ist insolvent – fast 500 Mitarbeiter bangen um Jobs

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Die Perlon-Gruppe mit Hauptsitz in Munderkingen (Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg) ist in wirtschaftliche Schieflage geraten.
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Der deutsche Weltmarktführer Perlon meldet wirtschaftliche Schwierigkeiten an. Jetzt soll ein Sanierungsverfahren den Traditionskonzern retten.

Munderkingen – Der deutsche Weltmarktführer für synthetische Filamente, die Perlon-Gruppe, hat beim Amtsgericht Augsburg Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Sieben deutsche Gesellschaften des Traditionsunternehmens sind betroffen. Fast 500 Mitarbeiter an drei deutschen Standorten bangen um ihre Arbeitsplätze, während das Management eine „strukturelle Neuausrichtung“ verspricht.

„Die gerichtlichen Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung geben uns den notwendigen Rahmen, um Perlon grundlegend neu aufzustellen und langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu machen“, wird Co-CEO Matthias Peter in einer Mitteilung zitiert. Sein Kollege Jens Becker ergänzt: „Wir sind überzeugt, dass Perlon mit dem richtigen Konzept gestärkt aus dieser Restrukturierung hervorgehen wird.“

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Perlon beschäftigt in Deutschland fast 500 Mitarbeiter an drei Standorten

Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland 487 Mitarbeiter an drei Standorten, dem Hauptsitz in Munderkingen (Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg, 162 Beschäftigte), Bobingen (Kreis Augsburg, Bayern, 210 Beschäftigte) und Wald-Michelbach (Kreis Bergstraße, Hessen, 115 Beschäftigte). Alle Standorte sollen nach Angaben der Geschäftsführung erhalten bleiben. Die ausländischen Gesellschaften in China, den USA, Indien und Polen sind nicht von den Verfahren betroffen.

Papiermaschinenbespannungen brechen um 40 Prozent ein

Hintergrund der Krise sind strukturelle Veränderungen im europäischen Markt für Papiermaschinenbespannungen, einem traditionell wichtigen Absatzbereich der Perlon-Gruppe. In diesem Segment sank die Auslastung in den vergangenen drei Jahren um rund 40 Prozent. Zusätzlich belasten stark gestiegene Energie- und Lohnkosten sowie gestörte Lieferketten das Unternehmen.

UnternehmenPerlon GmbH
BrancheWeltmarktführer für synthetische Filamente
HauptsitzMunderkingen, Baden-Württemberg
Deutsche Standorte (Mitarbeiter)Bobingen (210), Munderkingen (162), Wald-Michelbach (115)
Umsatz150 Millionen Euro
Internationale StandorteChina, USA, Indien, Polen
HauptprodukteSynthetische Filamente für industrielle Anwendungen
KernmarktPapiermaschinenbespannungen

Der internationale Verdrängungswettbewerb verschärft die Lage zusätzlich. Der Gesellschafter, die Serafin-Unternehmensgruppe, hat das Unternehmen in den zurückliegenden Jahren mit Investitionen und Garantien „im hohen zweistelligen Millionenbereich“ unterstützt. Eine nachhaltige Trendumkehr konnte jedoch nicht erzielt werden.

„Strukturelle Neuausrichtung“ soll die Perlon-Gruppe wieder profitabel machen

Die Restrukturierung zielt auf eine konsequente operative Reorganisation ab. Jedes Werk innerhalb der Perlon-Gruppe soll künftig profitabel operieren. Strukturen sollen verschlankt, Prozesse vereinheitlicht und Kosten reduziert werden. „Es braucht eine strukturelle Neuausrichtung, um Perlon wieder in die Lage zu versetzen, aus eigener Kraft profitabel wirtschaften zu können“, betont Kamil Grzelak, Geschäftsführer der Serafin-Unternehmensgruppe.

Die Geschäftsführung bleibt im Amt und wird durch die Restrukturierungsexperten Arndt Geiwitz, Christian Plail und Dr. Markus Mairgünther von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz als Generalbevollmächtigte unterstützt. Dr. Max Liebig von der Kanzlei LIEBIG Insolvenzverwaltung wird als gerichtlich bestellter Sachwalter die Verfahren überwachen.

Der operative Geschäftsbetrieb läuft trotz der Insolvenzverfahren weiter. Die Lieferfähigkeit sei in gewohnt hoher Qualität sichergestellt. „Perlon verfügt über technologische Kompetenz, eine global aufgestellte Kundenbasis und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, betont Sanierungsexperte Christian Plail.

Der Fall Perlon zeigt exemplarisch die Herausforderungen deutscher Industrieunternehmen im globalen Wettbewerb. Während traditionelle Märkte wie die Papierindustrie schrumpfen, müssen sich bisherige wirtschaftliche Spitzenreiter zum Teil neu aufstellen. Unsere Redaktion berichtete erst vor wenigen Tagen, dass ein anderer deutscher Weltmarktführer Stellen abbaut, wovon ein Viertel der Mitarbeiter betroffen sein soll.

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