„Mit Herzblut aufgebaut“

IT-Händler insolvent: Jetzt sprechen die Inhaber

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Am Montag hat das IT-Unternehmen Siewert & Kau Insolvenz beantragt. Die Geschäftsführer äußern sich nun zu den weiteren Plänen.

Bergheim – Es war am Beginn der Woche eine weitere Hiobsbotschaft, mit der sich Welle der eröffneten Insolvenzverfahren in Deutschland weiter fortsetzt: Siewert & Kau, einer der größten deutschen IT-Händler, meldete Insolvenz an (wir berichteten). Hunderte Mitarbeiter, aber auch Kunden und Lieferanten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Nun äußerten sich die Geschäftsführer und die Insolvenzverwalterin gegenüber IPPEN.MEDIA.

Name Siewert & Kau Logistics GmbH
Gründung 1994
Sitz Bergheim, Nordrhein-Westfalen
Branche IT-Groß- und Einzelhandel
Mitarbeiter 400

Insolvenz von großem IT-Händler Siewert & Kau: So geht es weiter – jetzt sprechen die Inhaber

Es hatte sich angedeutet: Seit einigen Tagen waren sowohl der Onlineshop als auch der Cloud-Marktplatz des Händlers nicht mehr erreichbar: „Unser Shop befindet sich zurzeit im Wartungsmodus“, war auf der Website zu lesen. Nun bestätigte das Unternehmen am Donnerstag (8. Mai): „Die Geschäftsführer der Siewert & Kau Computertechnik GmbH mit Sitz in Bergheim (Nordrhein-Westfalen) haben beim Amtsgericht Köln die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.“

Die vorläufige Insolvenzverwalterin sei seit Montag mit ihrem Team vor Ort, um den Geschäftsbetrieb so schnell wie möglich zu stabilisieren: „Wichtigste Aufgabe ist es, die Finanzierung für die kommenden Monate sicherzustellen“. Damit bliebe die unternehmerische Handlungsfähigkeit in vollem Umfang erhalten.

Als Familienunternehmer geht es uns um den Fortbestand dessen, was wir über 30 Jahre lang gemeinsam mit unserem Team mit viel Herzblut aufgebaut haben.

Björn Siewert, Co-Gründer von Siewert & Kau

Siewert & Kau bestätigt Insolvenz: Kommende Tage entscheidend für die Zukunft des Unternehmens

Als Großhändler kaufe Siewert & Kau Produkte bei großen IT-Herstellern ein, setze kundenspezifische Anforderungen um und liefere die Geräte dann an Firmenkunden in Deutschland und den europäischen Nachbarländern aus. Es sei darum das Ziel, die ineinander verzahnten Einkaufs- und Lieferprozesse im vorläufigen Insolvenz-Verfahren fortzuführen: „Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen“, erklärt Insolvenzverwalterin Marion Rodine. Es habe aber bereits Gespräche mit Kunden und Lieferanten gegeben, „die ersten Rückmeldungen sind positiv.“

Das IT-Unternehmen Siewert & Kau hatte 2022 fünf Millionen Euro in einen Gewerbepark investiert, jetzt musste die Firma Insolvenz anmelden. Geschäftsführer Björn Siewert (2. vl.) äußert sich zu dem laufenden Verfahren.

Investitionskrise und Trump-Wahl trifft IT-Händler hart – Insolvenzverfahren läuft

Geschäftsführer Claus Holzleitner spricht über die Ursachen der wirtschaftlichen Probleme: „Die seit mehr als einem Jahr andauernde Investitionskrise in Deutschland – sowohl in der Wirtschaft als auch bei der öffentlichen Hand“, habe das Geschäft hart getroffen. Hinzu kämen die Schwankungen der US-amerikanischen Währung seit der Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump im November 2024, „da wir einen Großteil unserer Einkäufe in US-Dollar tätigen“.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

„Mit viel Herzblut aufgebaut“: Geschäftsführer will langfristig Arbeitsplätze sichern

Angestrebt werde ein „geordneter Investorenprozess“, auch um langfristig Arbeitsplätze zu sichern und die Kunden- und Lieferantenbeziehungen zu erhalten: „Als Familienunternehmer geht es uns um den Fortbestand dessen, was wir über 30 Jahre lang gemeinsam mit unserem Team mit viel Herzblut aufgebaut haben“, so blickt Björn Siewert, Geschäftsführer und Co-Gründer von Siewert & Kau. Um die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden in den kommenden Monaten zu zahlen, wurde eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege geleitet.

Rubriklistenbild: © Siewert & Kau

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