Ein extremer Benzin-Preis löst in Italien einen Aufschrei aus. Nutzt der Tankstellenbesitzer die Urlaubssaison, um sich eine goldene Nase zu verdienen?
Mailand/München – Hohe Spritpreise sorgen gerade in Urlaubszeiten oftmals für ein Stirnrunzeln bei Autofahrern. Ein Tankstellenpreis in Italien löst nun aber einen echten Eklat aus.
2,72 Euro verlangte eine Tankstelle an der Autobahn A8 Varese-Mailand für einen Liter Benzin laut der Verbraucherorganisation Assoutenti. Für die Vereinigung ein handfester Skandal. Sie fordert laut einem Ansa-Bericht, dass die Guarda di Finanza, also die für Wirtschaftskriminalität zuständige Polizeieinheit, eingreift.
„Astronomischer“ Tankstellen-Preis in Italien: Verband fordert Polizei-Einsatz
„Wir wollen verstehen, wie es möglich ist, einen Liter Benzin im Selbstbedienungsmodus für 2,72 Euro pro Liter zu verkaufen und was die Gründe für solch einen astronomischen Preis sind“, erklärt Assoutenti-Präsident Furio Truzzi demnach. Ein voller Tank für ein durchschnittliches Auto würde mit diesem Preis nach seiner Berechnung knapp 136 Euro kosten. Zu viel, meint Truzzi: „Der betreffende Händler wendet Preise an, die 35 Prozent über dem Autobahndurchschnitt liegen.“
Tatsächlich liegt der durchschnittliche Preis für einen Liter Super laut ADAC aktuell bei 1,93 Euro (Stand 10. August 2023). Zum Vergleich: In Deutschland zahlt man demnach im Schnitt 1,84 Euro, in Österreich 1,65 Euro und in der Schweiz 1,97 Euro. Am teuersten ist der Liter Super im europäischen Vergleich in der ADAC-Aufstellung in den Niederlanden. Hier zahlt man 2,07 Euro.
Sprit-Wucher zu Urlaubszeiten?
Diesen Preis überbietet die Tankstelle in Norditalien locker um knapp 70 Cent. Der böse Verdacht in Italien: Der Tankstellenbesitzer nutzt die Urlaubszeit, um sich eine goldene Nase zu verdienen. Ein Einzelfall?
Laut dem Präsidenten des Bundeskartellamts sei es ein hartnäckiger Mythos, dass sich die Spritpreise in Urlaubszeiten erhöhen würden. Schon 2022 bezeichnete er dies gegenüber der Wirtschaftswoche als „hartnäckiges Gerücht“, das die Daten nicht belegen würden.
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Dem widerspricht zumindest ein ADAC-Sprecher deutlich: „Die Nachfrage nach Sprit in der Urlaubszeit ist enorm“, stellt Rainer Pregla, ADAC-Sprecher für Schleswig-Holstein gegenüber dem NDR klar und meint auch: „Deshalb kann die Branche da ordentlich zulangen. Und das macht sie auch. Die Player auf dem Markt reizen das aus“.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, ein Lobbyverband der Mineralölindustrie, widerspricht. Die Preise seien gestiegen, da einige Raffinerien kurzfristig ausgefallen seien. Den Dieselpreis würden zudem ausfallende Lieferungen aus Indien und dem Nahen Osten nach oben treiben. Nichtsdestotrotz spricht der ADAC auf Basis der allgemeinen Weltmarktsituation davon, dass „das Preisniveau an den Zapfsäulen seit Monaten deutlich überhöht ist“.