Deutschland unter Druck: China kappt wichtige Rohstoff-Verbindung – Zukunftstechnologie in Gefahr
VonLars-Eric Nievelstein
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China schränkt die Lieferungen für Germanium drastisch ein. Das sorgt für massive Preissteigerungen. Dabei hält Peking alle Trümpfe in der Hand.
Peking – Es steckt in Glasfaserkabeln, in Mikrochips, in Nachtsichtgeräten und in vielen weiteren Technologien: Germanium ist einer der begehrtesten Rohstoffe, die derzeit auf dem Weltmarkt gehandelt werden. Ein gewaltiger Teil davon kommt aus China, und China drosselt seine Ausfuhren derzeit in einem bislang ungekannten Maße. Schon seit mehreren Jahren verlangt das „Reich der Mitte“ eine Lizenz für alle Ausfuhren von Germanium – das hat den Export drastisch verringert. Eine neue Maßnahme könnte den Westen hart treffen.
Germanium-Markt „stark eingeschränkt“ – China schraubt den Export drastisch zurück
„Bis dahin stammten rund 60 Prozent des Germaniums, das von Deutschland importiert wurde, aus China“, zitierte die Wirtschaftswoche Justus Brinkmann, Rohstoffexperte beim Beratungsunternehmen Inverto. Aus dem Lieferstrom sei ein Rinnsal geworden. Gegenüber einer Exportmenge von 28 Tonnen im ersten Halbjahr 2023 waren es im Gesamtjahr 2024 nurmehr 12,4 Tonnen. Über das erste Halbjahr 2025 exportierte China gar nur fünf Tonnen Germanium. Der deutsche Anteil an diesen Exporten sei dabei überdurchschnittlich stark gesunken.
Xi Jinping in China. (Symbolfoto). China schränkt die Lieferungen für Germanium drastisch ein. Das sorgt für massive Preissteigerungen. Dabei hält Peking alle Trümpfe in der Hand.
„China liefert Germanium nur an wenige Länder und an dieser Auswahl ändert sich kaum etwas. Russland zählt seit Monaten konstant zu diesen Abnehmern, während andere Staaten wie die USA weiterhin außen vor bleiben. Der Markt zeigt sich in dieser Hinsicht stabil, aber stark eingeschränkt“, erklärte Dr. Christian Hell, Senior Manager Germanium and Minor Metals bei Frankfurter Rohstoffhändler TRADIUM, gegenüber IPPEN.MEDIA. Das Problem dabei: Der chinesische Präsident Xi Jinping hat einige wichtige Trümpfe in der Hand.
„Drastisch steigende Preise“ bei Germanium – China löst strategisches Defizit aus
Peking kontrolliert einen dermaßen großen Anteil der Kapazitäten an kritischen Rohstoffen und den berüchtigten seltenen Erden, dass die Ausfuhrbeschränkungen die Käufer in die Zwickmühle bringen. Sie können nicht auf Germanium verzichten, und für eine weitere Versorgung nehmen sie hohe Preisaufschläge hin. „Bei Gallium und Germanium zeigt sich seit Einführung der chinesischen Exportkontrollen im Sommer 2023 ein strategisches Defizit auf den Weltmärkten“, sagte Jan Giese, Senior Manager Minor Metals and Rare Earths bei TRADIUM, dazu.
In Zahlen sieht das so aus: Das Kilogramm Germanium kostete 2023 noch rund 1.500 Euro – mittlerweile ist der Preis auf über 4.000 Euro gestiegen. Das Beratungsunternehmen Inverto gab für den Oktober 2025 konkret die 3.983 Euro an. Invertos Einschätzung: „Dass Unternehmen ihre Produktion bereits drosseln mussten, ist uns nicht bekannt. Stattdessen arbeiten Einkaufsteams mit Hochdruck an individuellen Lösungen, um das Material zu beschaffen – sie müssen die drastisch steigenden Preise schlicht hinnehmen.“
Germanium ist für gewöhnlich ein Beiprodukt aus der Zinkproduktion. Auch aus Braunkohleasche oder aus der Kupferproduktion sei es möglich, gewisse Mengen zu gewinnen. In der Theorie könnte Deutschland also auch heimische Quellen nutzen, aber die Umsetzung wird laut dem Experten Brinkmann erst noch erforscht.
Kritische Rohstoffe und seltene Erden in Chinas Hand – waffenfähige Dominanz bei Rohstoffen
Die sogenannten seltenen Erden spielen dabei eine besondere Rolle. Sie kommen nicht häufig in ausreichenden Konzentrationen vor, dass sich ein industrieller Abbau lohnt. Darüber hinaus ist spezielle Expertise gefragt, um sie von ihren Trägermineralien zu lösen, also zu raffinieren.
Das ist mit der chinesischen Dominanz bei der Verarbeitung gemeint: Peking kontrolliert schätzungsweise 90 Prozent der globalen Kapazitäten der Raffinierung. Auch diejenigen Länder, die seltene Erden selbst abbauen können, müssen die Rohstoffe zuerst nach China schicken, damit sie nutzbar gemacht werden. Germanium zählt zwar nicht zu den seltenen Erden, ist aber auch von der EU als kritischer Rohstoff eingestuft.
Neue Regeln aus China für seltene Erden – „Timing ist strategisch“
Und damit nicht genug: Jetzt sieht es danach aus, als würde China die Schlinge noch enger ziehen. Peking hat neue Maßnahmen enthüllt, die festlegen, dass nun auch Restriktionen auf Magneten gelten, die nur Spuren von seltenen Erden oder anderer kritischer Rohstoffe chinesischer Herkunft enthalten. Darunter fallen alle Produkte, die unter Einsatz chinesischer Technologie hergestellt wurden; das betrifft den Abbau und die Verarbeitung seltener Erden. Die Technologie zur Herstellung von Magneten gehört ebenfalls dazu.
„Das Timing für diese neuen Regeln ist strategisch“, zitierte die Financial Times dazu Gracelin Baskaran vom Center for Strategic and International Studies (CSIS). „China hat noch ein paar neue Verhandlungs-Bauern aufs Schachbrett gesetzt.“
Die neuen Regeln geben Peking eine noch größere Kontrolle über die weltweite Versorgungskette von kritischen Rohstoffen. Seltene Erden und Seltenerd-Magnete sind unverzichtbar für eine ganze Reihe von Zukunftstechnologien, darunter Elektroautos, Smartphones und Kampfflugzeuge. Die Bundesregierung wiederum müht sich derzeit um zusätzliche Rohstoffabkommen, um von der China-Abhängigkeit wegzukommen. Vor einigen Wochen stand in diesem Rahmen ein Abkommen mit Kanada im Rampenlicht.