- VonDennis Fischerschließen
Die Deutsche Post fordert CO2-Standards bei der Paketlieferung. Konkurrenten und Umweltschützer sind davon wenig begeistert.
Bonn – Deutschlands Paketfirmen sollten aus Sicht der Post verpflichtet werden, ihre Klimabilanz pro Paket darzustellen. Eine Vorschrift wäre sinnvoll, um den Menschen „den CO2-Ausstoß ihrer Pakete transparent zu machen“, sagte der zuständige Geschäftsbereichsleiter der Deutschen Post, Ole Nordhoff, der dpa. Er verwies dabei auf Tierhaltungsklassen bei Fleischprodukten und das Nähwert-Logo Nutri-Score, bei dem Angaben zu Zucker, Fett und Salz ausgewertet und in einer Skala von A bis E eingestuft werden.
Die Forderung der Post nach einem Umwelt-Label bezieht sich auf die Postgesetzreform, die bis Ende dieses Jahres beschlossen sein soll. In einem Eckpunkteppapier hatte das Bundeswirtschaftsministerium unlängst vorgeschlagen, beim Thema CO2-Fußabdruck „Transparenz und Vergleichbarkeit für die Nutzerinnen und Nutzer“ zu schaffen.
Deutsche Post hat stark in Elektromobilität investiert
Eine Kennzeichnungspflicht wäre Rückenwind für die Post. Denn das Bonner Unternehmen hat deutlich stärker in die Elektromobilität investiert als seine Wettbewerber Hermes, DPD und GLS und hat daher eine relativ gute Treibhausgasbilanz. Die CO2-Angaben pro Paket sollten nach klar definierten Standards berechnet werden, damit „nicht jedes Unternehmen kreative Angaben machen kann, um einen klimafreundlichen Eindruck zu erwecken“, sagte Nordhoff weiter.
Ein Hermes-Sprecher begrüßte zwar grundsätzlich ein Mehr an Transparenz. Er findet jedoch, dass sich Angaben zum CO2-Fußabdruck den Nachhaltigkeitsberichten der Firmen entnehmen lassen sollten. Die von der Post geforderte Kennzeichnungspflicht sei allerdings nicht sinnvoll. Nutri-Score sei angelehnt an eine Messgröße für Produkte aus dem Lebensmittelbereich und suggeriere eine Transparenz, „die es übertragen auf Pakete so nicht geben kann“. Eine konkrete Prognose für ein individuelles Paket zu erstellen, bevor es den Logistikprozess durchlaufe, sei aktuell so nicht umsetzbar.
Die Post teilte mit, dass pro DHL-Paket in Deutschland zwischen 400 und 500 Gramm CO2 entstehen und damit schätzungsweise mindestens 30 Prozent weniger als bei Wettbewerbern. Allerdings sei die Gramm-Angabe nur ein Durchschnittswert. Wie viel CO2 ein Paket wirklich verursacht, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab - etwa der Distanz der Strecke und der Frage, ob auf der letzten Meile ein Elektrofahrzeug genutzt wird oder ein Verbrenner-Fahrzeug.
Post will CO2-Labels: Umweltschützer skeptisch
Auch bei Umweltschützern kommt für den Post-Vorschlag wenig Begeisterung auf. „Das wahre Problem beim boomenden Online-Handel ist nicht der Versand in Deutschland, sondern die Klimabelastung und Ressourcenverschwendung durch die Herstellung des Produkts an sich“, sagte Viola Wohlgemuth von Greenpeace.
Schnelllebige Produkte hinterlassen ihrer Aussage nach einen riesigen CO2-Fußabdruck. Bekämen Verbraucher nur einen Überblick über den durchschnittlichen Treibhausgasausstoß von Paketen, so würden sie in den meisten Fällen den Dienstleister mit dem niedrigsten CO2-Ausstoß anklicken und dann ein gutes Gefühl haben. Das aber wäre falsch, so Wohlgemuth. Gut für das Klima sei ein nachhaltiger Konsum – also wenige Pakete mit Produkten, die man lange nutze und die im Umlauf blieben, anstatt schon nach kurzer Zeit weggeworfen zu werden. (df/dpa)