Klingbeil kontert Reiches Renten-Forderung: „Ein Schlag ins Gesicht für viele“
VonMax Schäfer
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Klingbeil stoppt Renten-Debatte: Der Vizekanzler hat Katherina Reiches Vorstoß zur Rente mit 70 abgelehnt. Der SPD-Chef verteidigt die bisherige Reform.
Berlin – Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat für neuen Schwung bei der Debatte um die Rente gesorgt. „Wir müssen mehr und länger arbeiten“, forderte die CDU-Politikerin in der FAZ. „Die Lebensarbeitszeit muss steigen.“ Nun regt sich jedoch Widerstand – aus den Reihen der Regierung. „Sowas sagt sich ganz einfach, wenn man irgendwie im schönen Sessel in Berlin sitzt“, erklärte Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD).
Vizekanzler widerspricht Renten-Forderung von Reiche: „Schlag ins Gesicht für viele“
„Aber man sollte mal hinausgehen zu den Menschen ins Land, die als Dachdecker auf dem Dach stehen, die als Pflegekräfte arbeiten, die als Erzieherin arbeiten und sich wirklich kaputt machen und die schon Schwierigkeiten haben, bis 67 zu kommen“, kritisierte Klingbeil Reiches Renten-Vorstoß bei RTL. „Diesen Menschen jetzt zu sagen, wir wollen, dass ihr noch länger arbeitet, das ist schon ein Schlag ins Gesicht für viele.“
Der SPD-Chef verwies im Interview auf den Koalitionsvertrag. In den Verhandlungen sei sehr klar gesagt worden, dass es keine Erhöhung des Renteneintrittsalters geben werde. „Was wir allerdings wollen, und darauf sollten wir uns konzentrieren, ist, dass wir Menschen, die in Rente gegangen sind, sagen: Wir sorgen dafür, dass es für euch attraktiver ist, noch weiter zu arbeiten, wenn ihr das wollt, auf freiwilliger Basis, damit mehr Geld überbleibt von dem Lohn.“
Statt Erhöhung des Rentenalters setzt Merz-Regierung auf Freiwilligkeit – Reiche warnt
Das Ziel ist dagegen klar: Die Regierung um Klingbeil und Kanzler Friedrich Merz wollen auf Freiwilligkeit statt eine verbindliche Anhebung der Regelaltersgrenze setzen. Im Interview mit der FAZ ist Reiche jedoch von diesem Kurs abgerückt. „Was im Koalitionsvertrag an Reformen steht, wird auf Dauer nicht reichen“, so ihre Kritik.
„Der demographische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumgänglich“, erklärte Reiche. „Es kann jedenfalls auf Dauer nicht gut gehen, dass wir nur zwei Drittel unseres Erwachsenenlebens arbeiten und ein Drittel in Rente verbringen.“ Bereits 2005 habe der damalige DIW-Präsident Klars Zimmermann gefordert, die Rente müsse 2027 auf 70 Jahre steigen. Leider würden sich zu viele der „demographischen Realität“ verweigern.