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Können sie die F-35 toppen? Neue Kampfjets in Aussicht

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Die Aufrüstungspläne der deutschen Verteidigung ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Es ergeben sich bedeutende Gelegenheiten für die Rüstungsindustrie, aber auch Risiken sind vorhanden.

Berlin – Seit dem Ukraine-Krieg rücken Pläne für die europäische und deutsche Aufrüstung stärker in den Fokus. Besonders die Sorge vor Wladimir Putins korrupter Kriegsführung ruft die europäische und deutsche Verteidigung auf den Plan. Für die deutsche Rüstungsindustrie ergeben sich in Zeiten des Konflikts viele wirtschaftliche Chancen und Lichtblicke. Klar ist auch: Es gibt noch einiges aufzuholen.

Deutschland hält an Kauf von F-35-Jets fest – doch es gibt Zweifel

Die Weichen in Deutschland sind längst auf Aufrüstung gestellt: Die deutsche Industrie hat die heimische militärische Produktion weiter ausgebaut. Für die Bundeswehr-Aufrüstung wurden zudem wichtige Waffen, wie U-Boote und F-35-Jets, beschafft. Am Kauf der F-35-Jets gab es zuletzt Zweifel, da der Kauf die Sorge vor einer wachsenden USA-Abhängigkeit befeuerte.

Dennoch hielt Verteidigungsminister Boris Pistorius am Kauf der F-35-Kampfjets fest, damit Deutschland die nukleare Teilhabe zuverlässiger erfüllen kann. Die nukleare Teilhabe ist ein Abschreckungskonzept der Nato, bei dem Verbündeten im Kriegsfall Zugriff auf US-Atombomben haben.

Künftig soll der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall an der Fertigung der F-35-Jets involviert werden, die Vorbereitung laufen auf Hochtouren. Laut dem Unternehmen sind mindestens 400 F-35-Rumpfmittelteile für die Bundeswehr und „andere befreundete Nationen“ geplant.

F-35-Jets für Deutschland – nächste Generation der Kampfjets in der Entwicklung

Bereits jetzt gibt es jedoch Warnungen vor der Anwendung und Produktion von F-35-Kampfjets. Rüstungsexpertin Christina Riess weist auf Risiken bei der Herstellung der F-35-Kampfjets hin. „Jede Ausfuhr – auch an Nato-Länder – erfordert eine ausdrückliche Exportgenehmigung der US-Regierung. Diese Exportgenehmigung kann jederzeit verweigert oder widerrufen werden und sie betrifft zum Beispiel die Auslieferung des fertigen Jets, Ersatzteile, Wartung, Software-Updates. Weitere Risiken sind die bekannten hohen Anschaffungs- und Betriebskosten, Verzögerungen oder technische Probleme“, so Riess auf Anfrage von IPPEN.MEDIA. Riess ist die Direktorin bei der Managementberatung Atreus und dortige Verantwortliche für die Bereiche Rüstung & Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt.

Die F-35 sei der modernste exportierbare Kampfjet der 5. Generation, biete hohe Interoperabilität innerhalb der Nato und sei das einzige derzeit verfügbare System, das technisch und praktisch die nukleare Teilhabe Deutschlands im Rahmen der Nato-Abschreckungspolitik ermöglicht. „Die 6. Generation (NGAD, FCAS) befindet sich derzeit in der Entwicklung und wird voraussichtlich 2035 in Serie gehen – bis dahin bleibt die F-35 technologisch führend, mit den entsprechenden taktischen Vorteilen im operativen Einsatz.“

Deutschland setzt neben Kampfjets auch auf Drohnen – ein Fehler

Neben Kampfjets gewinnen auch Drohnen seit längerem Zeitraum an Relevanz für die Kriegsführung. In den vergangenen Monaten hat Deutschland die Produktion von Drohnen gesteigert. Einem Bild-Bericht zufolge will das deutsche Software-Unternehmen Helsing sogar 6.000 bewaffnete Drohnen für die Ukraine herstellen. Die Angriffsdrohnen werden von Künstlicher Intelligenz gesteuert.

Viel Wirbel um den neuen Fighter: Weil US-Präsident Donald Trump seine Verbündeten wiederholt brüskiert hat und mit der Kontrolle über die eigenen Waffen droht, wird das Zweifeln am Sinn des F-35-Kampfjets lauter. Und ohne die Europäer würde die Maschine gar nicht fliegen.

Zu Drohnen merkt Riess an, dass sie zwar „für die Verteidigungsstrategie in der heutigen Zeit eine essenzielle Komponente, aber kein Allheilmittel“ sind. „Die größten Nachteile von Drohnen liegen zum einen in der begrenzten Wirkung gegen stark verteidigte Ziele, und zum anderen in ihrer Anfälligkeit gegenüber GPS-Störungen oder Jammer“, so Riess. „In der Ukraine sieht man auch, dass täglich mehrere hunderte Drohnen im Einsatz zerstört werden. Die Mengen an erforderlichen Drohnen setzen somit eine industrielle Massenproduktion voraus, die wir aktuell in diesem Umfang noch nicht haben.“

Der Einsatz koordinierter Drohnenschwärme erfordere Technologie, sowie ausgereifte Führungs- und Kommunikationsstrukturen. Gerade der Bereich Technologie sei hochkomplex und die Technik noch nicht für den Masseneinsatz ausgereift. Die Ukraine und Russland würden deshalb auf manuell gesteuerte Massenschwärme setzen.

So profitiert Deutschland vom Ukraine-Krieg

Die deutsche Rüstungsindustrie boomt aufgrund der Milliardenaufträge, besonders Rüstungsfirmen wie Rheinmetall profitieren seit dem Ukraine-Krieg von der hohen Nachfrage. Ökonomen schlussfolgern zudem, dass die militärische Aufrüstung Europas die deutsche Wertschöpfung steigern könnte und mehr Arbeitsplätze schafft.

Eine Analyse der Unternehmensberatung EY im Auftrag der Dekabank hatte jüngst errechnet, dass die jährliche Wertschöpfung um 46 Milliarden Euro steigt, wenn die europäischen Nato-Partner ihre Verteidigungsausgaben von zwei auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöhen. Insgesamt könnten die Verteidigungsinvestitionen das BIP-Wachstum um 0,66 Prozentpunkte erhöhen.

Deutschland profitiert vom Ukraine-Krieg – Industrie und Nato künftig gefordert

Man könnte meinen, dass Deutschland zu einer wichtigen Drehscheibe für die ukrainische Militär-Unterstützung geworden ist: Inzwischen sind deutsche Waffensysteme an der ukrainischen Front im Einsatz, deutsche Waffenhersteller arbeiten zudem mit der Ukraine an gemeinsamen Rüstungsprojekten. So hatten Rheinmetall und die Ukraine im Juni 2024 einen ersten gemeinsamen Panzer-Reparaturbetrieb und eine Produktionsstätte eröffnet. 

Aus Sicht von der Rüstungsexpertin Riess müssten die deutschen Rüstungsfirmen nun ihre Angebote erweitern, um vor allem die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken. „Deutschlands militärische Produktpalette ist aktuell auf Auslandseinsätze ausgerichtet, nicht auf hochintensive Landes- und Bündnisverteidigung“, sagte Riess. „Daher empfiehlt es sich, dass Deutschland in Artillerie mit großer Reichweite und viel Munition, moderne Luftverteidigungssysteme (inklusive Drohnen), gepanzerte Gefechtsfahrzeuge und in die Sicherstellung der Nachschub- und Instandsetzungsfähigkeit investiert.“

Nicht nur Deutschland, sondern die EU und Nato sind laut Riess künftig gefordert. „Die Nato, bzw. die EU, brauchen zudem Interoperabilität, das heißt standardisierte Systeme, abgestimmte Kommandostrukturen und gemeinsame Beschaffung“, so Riess. Zudem müsse das Verteidigungskonzept deutlich breiter aufgestellt werden, um Maßnahmen gegen die hybride Kriegsführung ergreifen zu können. Es brauche neben klassischen Waffen Cyberresilienz, Aufklärung im Informationsraum und Schutz kritischer Infrastruktur. (bohy)

Rubriklistenbild: © IMAGO / U.S. Air Force

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