Prognose

Konjunktur 2025: Deutsche Wirtschaft ohne Wachstum – Investitionskrise nimmt zu

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Die deutsche Wirtschaft lahmt. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat seine Erwartungen für 2025 weiter gesenkt. Der IW-Konjunkturchef richtet präzise Anforderungen an die Merz-Regierung.

Berlin – Schwache Industrie, rückläufige Investitionen und eine getrübte Außenwirtschaft: Auch die IW-Fachleute sagen der Konjunktur in Deutschland ein mageres Jahr 2025 voraus. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) senkte laut Reuters seine Prognose für das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 0,2 Prozentpunkte und erwartet nur noch eine Stagnation.

IW warnt: Deutschland steckt in einer Investitionskrise

„Nach zwei Jahren Rezession tritt die deutsche Wirtschaft im Jahr 2025 nur auf der Stelle“, teilte das Kölner IW am Mittwoch (17. September) mit. Für das nächste Jahr sei dann ein Wachstum von rund einem Prozent zu erwarten. „Stellt die Bundesregierung im Herbst der Reformen endlich die richtigen Weichen, könnte es im kommenden Jahr wieder bergauf gehen“, sagte IW-Konjunkturchef Michael Grömling. Deutschland stecke weiter in einer Investitions- und Strukturkrise. Nötig seien eine Unternehmenssteuerreform, spürbare Bürokratieentlastungen und gezielte Investitionsanreize, betonte Grömling mit Blick auf die schwarz-rote Koalition in Berlin.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) senkte laut Reuters seine Prognose für das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 0,2 Prozentpunkte und erwartet nur noch eine Stagnation. (Symbolbild)

Zuerst hatte die Rheinische Post über die neue Prognose berichtet. Demnach wird der deutsche Außenhandel auch durch die US-Zollpolitik belastet und der Konsum bleibt trotz normaler Inflation, aber wegen gedämpfter Beschäftigungsperspektiven unter seinem Potenzial. Die Exporte dürften 2025 voraussichtlich um rund 0,5 Prozent sinken und sich 2026 höchstens leicht erholen.

Konjunktur: Prognosen für 2025 gesenkt - 2026 Besserung erwartet

„Eine Rückkehr zu alten Verhältnissen ist aber wegen der schwierigen Weltlage nicht in Sicht“, bilanzierten die Ökonominnen und Ökonomen. Die Investitionen verharrten wegen vielfältiger Verunsicherungen im Vorsichtsmodus. „Für 2026 wird eine anhaltende Besserung erwartet – mit gut ein Prozent wird aber keine wirkliche Aufschwungsqualität erreicht“, erklärte das IW-Institut.

Zuletzt hatten auch andere Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für das laufende Jahr gesenkt. Die meisten Ökonomen erwarten spürbaren Rückenwind erst 2026, wenn sich Mehrausgaben der öffentlichen Hand bei Infrastruktur und Rüstung bemerkbar machen dürften. Dies wird laut IW auch helfen, im nächsten Jahr die Baubranche anzuschieben.

Bauindustrie spricht von einem „ersten Hoffnungsschimmer“

Dort geben neue Daten Hoffnung: So ist die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen zu Beginn der zweiten Jahreshälfte so stark gestiegen wie seit über vier Jahren nicht mehr. Im Juli wurden 22.100 Wohnungen genehmigt und damit 30,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag (18. September) mitteilte. Das ist das größte Plus seit März 2021. Allerdings geht der Anstieg von einem sehr niedrigen Niveau aus: Im Vergleichsmonat Juli 2024 waren so wenige Genehmigungen erteilt worden wie seit 2009 nicht mehr.

Die Bauindustrie sprach von einem „ersten Hoffnungsschimmer“. Deren Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller fügte aber hinzu: „Der Wohnungsbau springt noch nicht nachhaltig an.“ Das sehen Ökonomen ganz ähnlich. „Das Ende der Krise ist jetzt absehbar, auch wenn die aktuelle Lage noch schlecht ist“, erklärte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. (lma mit Reuters)

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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