- VonBjörn Hartmannschließen
Ob Gehalt, Rente oder Aktien - alles läuft digital. Doch welches Konto ist für was gut? Unser Überblick hilft, den Durchblick zu behalten.
Ohne Konto geht fast nichts mehr. Gehalt, Rente Aktien – alles läuft digital. Ein Überblick darüber, welche Kontoarten es gibt und wofür sie nötig sind.
Sparkonten deutlich unflexibler als ein Girokonto
Girokonto: Das Girokonto ist das wichtigste Konto, praktisch die Drehscheibe für das eigene Geld. Der Name leitet sich von den italienischen Begriffen „Giro“ für Kreis und „conto“ für Rechnung ab. Auf diesem Konto gehen Ausbildungsvergütung, Lohn, Rente Sozialleistungen ein, von hier aus werden Rechnungen und Miete bezahlt, Gebühren für Zeitungs- oder Online-Abos abgebucht. Mit diesem Konto sind Bankkarten (Girocard, umgangssprachlich auch EC-Karte) verknüpft, mit denen sich etwa Geld am Automaten abheben oder im Supermarkt bezahlen lässt.
Auch Kreditkarten werden oft mit einem Girokonto verbunden und das Bezahlen mit dem Mobiltelefon ebenfalls. In der Regel bieten Banken und Sparkassen auch einen Dispositionskredit, kurz Dispo, an. Er erlaubt, das Konto gegen Gebühr zeitweise zu überziehen. Manche Banken bieten noch kostenlose Girokonten an, meist verlangen sie aber inzwischen eine monatliche Gebühr. Auch Buchungen können kostenpflichtig sein. Zinsen auf Guthaben gibt es meist nicht.
„Die Grundvoraussetzung für die Wahl eines Girokontos ist nicht an erster Stelle der Preis. Das Kontomodell muss zu einem passen“, sagt Kerstin Backofen von Finanztest. Wichtig sei, vorher zu überlegen, wie man das Konto nutze. Danach richte sich, ob ein Pauschalpreis interessanter sei oder etwa die Einzelabrechnungen für jeden Buchungsposten. „60 Euro Jahrespreis sind ein guter Richtwert für die Kosten eines Girokontos.“
Sparkonto: Mit einem Sparkonto lassen sich keine Rechnungen bezahlen. Es ist deutlich unflexibler als ein Girokonto. Es ist nicht für die täglichen Finanzgeschäfte gedacht, sondern dafür, Geld zurückzulegen. Banken und Sparkassen zahlen Zinsen für das Guthaben auf einem Sparkonto. Es gibt unterschiedliche Arten.
Soll das Geld kurzfristig verfügbar sein, empfiehlt sich ein Tagesgeldkonto. Das Geld ist täglich verfügbar und wird verzinst. Jahrelang gab es wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank nur knapp über null Prozent, inzwischen bieten die Banken teilweise bis zu vier Prozent. Wer eine Rücklage für plötzlich nötige Reparaturen braucht oder damit rechnet, Steuern nachzuzahlen, kann das Geld hier parken. Möglich ist auch, jeden Monat eine feste Summe auf ein Tagesgeldkonto zu überweisen, dann übernimmt das Konto die Funktion des klassischen Sparschweins – allerdings mit Zinsen.
Wer das Geld länger nicht benötigt, kann es für ein oder mehrere Jahre fest angelegen. Dieses Festgeld wird meist jährlich verzinst. Die Zinsen sind in der Regel höher als beim Tagesgeld. Dafür kommt man während der Sparphase nicht an das Geld.
Depot nötig für Investition in Wertpapiere
Depotkonto: Ein Depotkonto ist für all jene nötig, die Geld in Wertpapiere investieren. Wer einen Sparplan mit Fonds einrichten, Aktien oder Staatsanleihen kaufen möchte, benötigt ein Depot. In ihm lagern digital die Wertpapiere. Für das Depot erheben einigen Banken und Sparkassen Gebühren. Vor allem Onlinebanken und Wertpapierhändler, sogenannte Neobroker, bieten auch kostenlose Varianten.
Verrechnungskonto: Zu jedem Depot gibt es in der Regel ein sogenanntes Verrechnungskonto. Auf dieses Konto fließen Dividenden für Aktien, die man hält, oder die Erlöse, wenn Wertpapiere aus dem Depot verkauft werden. Von diesem Konto wird abgebucht, wenn Wertpapiere gekauft werden. Es ist ein reines Guthabenkonto und kann nicht überzogen werden. Aufgefüllt wird per Überweisung. Manche Banken bieten auch einen Einzug vom vorher festgelegten Referenzkonto – einem Girokonto – an. Dorthin lässt sich Geld auch überweisen.
Kreditkartenkonto: Wer eine klassische Kreditkarte der großen Anbieter Mastercard und Visa beantragt, bekommt in der Regel ein Konto für diese Karte. Wer die Karte einsetzt, sieht die Ausgaben auf dem Konto. Das Kreditkartenunternehmen schießt diese Summe vor, gewährt einen Kredit in der Höhe. Standardmäßig wird die Gesamtsumme dann einmal im Monat vom Girokonto abgebucht, das mit dem Kreditkartenkonto verbunden ist, der Kredit somit zurückgezahlt. Es lassen sich auch andere Zahlungszeiträume festlegen.
P-Konto sichert das Existenzminimum
Basiskonto: „Jeder Mensch hat einen Anspruch auf ein Girokonto“, sagt Kerstin Backofen. „Das Basiskonto ist praktisch das nackte Girokonto mit den Standardleistungen wie Überweisung, Lastschrift oder Kartenzahlung, aber meist ohne Überziehungsmöglichkeit.“ Es sei für Menschen gedacht, die kein geregeltes Einkommen haben, zum Beispiel Sozialhilfeempfänger:innen, Wohnungslose und Geflüchtete. Eine Bank darf ein Basiskonto nur in Ausnahmefällen ablehnen. Die Kosten müssen sich nach den üblichen Gebühren für Girokonten richten und daran, wie das Konto genutzt wird.
P-Konto: Das P im Namen steht für Pfändungsschutz. „Das P-Konto ist eine Sonderform des Girokontos und sichert das Existenzminimum“, sagt Backofen. „Auf einen bestimmten Betrag, der gesetzlich geregelt ist, dürfen Gläubiger nicht zugreifen.“ Derzeit sind das 1410 Euro monatlich. Zusätzlich können weitere Beträge, etwa Kindergeld oder Unterhaltszahlungen freigestellt, also vor Pfändung geschützt werden. „Auf Anfrage stellt die Bank ein Girokonto entsprechend um oder richtet ein neues P-Konto ein“, sagt Backofen. Das Konto ist für den Notfall gedacht, wenn jemand verschuldet ist.
Dafür ist Mietkautionskonto gut
Mietkautionskonto: Dieses Konto ist meist ein Sparkonto auf den Namen einer Mieterin oder eines Mieters, auf dem die Kaution für die Miete einer Wohnung liegt. Die Zinsen, sofern es welche gibt, erhält der Mieter oder die Mieterin. Der Zugriff auf das Konto ist ihnen verwehrt. An das Geld kommen sie nur, wenn der Vermieter oder die Vermieterin das Konto freigibt, etwa nach dem Auszug aus der Wohnung. Ein Mietkautionskonto kann auch der Vermieter oder die Vermieterin für die Mieter:innen anlegen.
Treuhandkonto: Das Treuhandkonto ist keine Kontoart für den Zahlungsverkehr. Es lässt sich auch nicht bei einer Bank oder Sparkasse eröffnen. Ein Treuhandkonto kann das Depotkonto einer noch nicht volljährigen Person sein oder ein Konto, auf dem Unternehmenspartner Geld einzahlen, mit dem eine Firma gekauft werden soll. Zum Treuhandkonto wird es, wenn jemand es treuhänderisch für andere verwaltet, ein Rechtsanwalt oder Vormund zum Beispiel.