VonFelix Grafschließen
Europas größter Motorradhersteller KTM ist insolvent: Das Unternehmen gab bekannt, dass es am Freitag (29. November) ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragen möchte.
Oberösterreich – Wie das Unternehmen mitteilte, belaufen sich die Verbindlichkeiten auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Den Schritt des Sanierungsverfahrens gehe man, weil das Management nun nicht mehr davon ausgehe, dass es gelingen wird, die notwendige Zwischenfinanzierung zeitgerecht sicherzustellen.
KTM-Krise: Negatives Jahresergebnis erwartet
Ziel des Verfahrens ist es, innerhalb von 90 Tagen mit den Gläubigern einen Sanierungsplan zu vereinbaren. Durch eine „Redimensionierung der Gruppe“ soll nicht nur der Bestand der KTM-Gruppe nachhaltig gesichert, sondern auch die Basis geschaffen werden, erstarkt aus dem Verfahren zu kommen. „Dadurch wird es in den Jahren 2025 und 2026 zu einer Reduzierung der Betriebsleistung an den österreichischen Standorten im Ausmaß von insgesamt über eine Milliarde Euro kommen“, so das Unternehmen in der Mitteilung. Daher erwarte sich die Gesellschaft für das laufende Geschäftsjahr 2024 aus den vorher genannten Gründen ein negatives Jahresergebnis im sehr hohen dreistelligen Millionenbereich.
Drei KTM-Unternehmensgruppen sind betroffen
Betroffen von der Insolvenz sind drei Gesellschaften der KTM-Unternehmensgruppe, teilte die Arbeiterkammer Österreich mit. Bei diesen handelt es sich um die KTM AG, die KTM Components GmbH und die KTM Forschungs & Entwicklungs GmbH. Insgesamt 3400 Arbeitnehmer sind davon betroffen. Der Präsident der Arbeiterkammer, Andreas Stangl, warnte die Beschäftigten vor voreiligen Eigeninitiativen: „Jetzt keinesfalls das Arbeitsverhältnis überstürzt auflösen. Dadurch könnten Ansprüche verloren gehen!“
Nach weiteren Angaben der Arbeiterkammer könnten die Löhne und Gehälter für November sowie das Weihnachtsgeld nicht mehr bezahlt werden. Die Mitarbeiter der betroffenen Firmen seien am Dienstag (26. November) von der Firmenleitung verständigt.
Sinkende Nachfrage ist Grund für KTM-Insolvenz
Grund für die Krise von KTM ist unter anderem die sinkende Nachfrage. Als Reaktion hatte das Unternehmen schon Mitte November angekündigt, dass die Produktion zurückgefahren werde. Rund 300 Arbeitsplätze werden bis Anfang 2025 abgebaut. Von Weihnachten bis Ende Februar soll die Fertigung ausgesetzt werden. Zuvor waren dieses Jahr bereits 700 Stellen gestrichen worden. Aktuell beschäftigt KTM in Österreich rund 5000 Menschen.
Nach Angaben des Magazins Spiegel traf der Sanierungsantrag die Anleger überraschend. Am Dienstag habe die Aktie des Mutterkonzerns Pierer Mobility zwischenzeitlich noch um 19 Prozent zugelegt. Nach der Ankündigung des Sanierungsverfahrens hatte es Verluste von mehr als 45 Prozent gegeben.
KTM ist Teil des Konzerns Pierer Industrie, der am Montag angekündigt hatte, ein europäisches Restrukturierungsverfahren nach der Restrukturierungsordnung (ReO) einzuleiten. Von diesem Verfahren seien nur bestimmte Gläubiger betroffen, die übrigen Verbindlichkeiten würden vereinbarungsgemäß bedient. Die Gruppe sei nicht überschuldet, hieß es weiter. (fgr/dpa)
