VonJana Stäbenerschließen
Kann sich die Gen Zero weniger leisten als ihre Eltern – oder hat sie nur höhere Ansprüche? Ein Politikwissenschaftler klärt auf.
Anders als früher hätten junge Eltern heute beide einen Job und „können sich nicht einmal jedes Jahr einen Familienurlaub leisten“, sagt die Instagramerin Michéle Winchester aus der Generation Z. Sie beschwert sich, dass sich ihre Generation nicht mehr so viel leisten kann wie ihre Eltern.
Dieser Eindruck täusche, behauptet das Finanzportal Finanzfluss in einem Video auf Instagram. Denn: Die mittleren Reallöhne in Deutschland, also das Geld über das Arbeitnehmer verfügen, nachdem die Inflation berücksichtigt wurde, stiegen zwischen 1992 und 2022 von 1544 Euro auf 2000 Euro im Monat. Das zeigen Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP).
„Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland kann sich trotz gestiegener Lebenshaltungskosten ein Drittel mehr leisten als Anfang der 90er. Dass uns das anders vorkommt, liegt vor allem an den anderen Ansprüchen. Was man heute unter einem mittleren Lebensstandard versteht, galt vor 30 Jahren vielfach als Luxus“, sagt die Journalistin im Video.
Generation Z und ihre Ansprüche – Experte hält These für „sehr gewagt“
Marius Busemeyer, Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt vergleichende politische Ökonomie an der Universität Konstanz hält diese These über die Generation Z und ihre Ansprüche „für sehr gewagt, vor allen Dingen in dieser Undifferenziertheit“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
Dass bei den mittleren Reallöhnen von 1992 bis 2022 ein Anstieg um 29 Prozent zu sehen sei, bedeute nicht automatisch, dass wir uns ein Drittel mehr leisten könnten. Reallöhne stiegen immer an, wenn die Wirtschaft wachse, sagt der Experte. Die Frage sei, wie groß der Anstieg im Vergleich mit dem Wirtschaftswachstum sei und wer wie viel vom Kuchen bekomme.
„Die Reallöhne sind lange Zeit ziemlich stagniert und danach nur langsam gestiegen, und das, obwohl die Wirtschaft konstant gewachsen ist und somit von dem Wachstum auch bei den Reallöhnen etwas ankommen sollte“, sagt Busemeyer.
Luxus bei Gen Z: Situation für Arbeitnehmer hat sich sogar „tendenziell verschlechtert“
In dem Moment, in dem Reallöhne anstiegen, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und damit der Wohlstand jedoch mehr zunähmen, werde das, was wir uns leisten können, nur absolut größer, relativ betrachtet vielleicht sogar geringer.
Der Anteil des BIPs, der an die Lohn- und Gehaltsempfänger, nicht die Kapitalbesitzer geht, habe sich von 1992 bis heute „tendenziell verschlechtert“, sagt Busemeyer BuzzFeed News Deutschland. Bei den Reallohnzuwächsen hätten in den letzten Jahren „die oberen Lohngruppen stärker gewonnen als die unteren, mit einer gewissen Korrektur in den letzten Jahren für die ganz unteren Lohngruppen wegen der Einführung des Mindestlohns.“
Mehrmals in der Woche Essen gehen und Fernreisen statt Urlaub an der Ostsee: Hier hat sich unser Lebensstandard verändert, leben wir luxuriöser als früher. Aber was ist mit dem Wohnen? Zwar lebt eine Person in Deutschland laut Statistischem Bundesamt heute im Schnitt auf mehr Quadratmetern als 1992, aber Wohneigentum können sich immer weniger Menschen leisten. Die Eigentumsquote in Deutschland liegt aktuell bei unter 44 Prozent, der niedrigste Wert seit 15 Jahren – Tendenz weiter rückläufig. „Wohnen war früher wesentlicher günstiger, auch relativ zum Einkommen“, sagt Busemeyer.
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