- VonDennis Fischerschließen
Lithium spielt als Rohstoff bei der Energiewende eine bedeutende Rolle. Auch andere Rohstoffe werden gebraucht. Doch wie knapp sind sie?
Frankfurt am Main - Für die Energiewende werden Rohstoffe benötigt, beispielsweise Lithium. Doch die könnten knapp werden, wie ein Bericht der Deutschen Rohstoffagentur laut FAZ zeigt. Dabei handelt es sich um eine Unterabteilung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt ist. Sie schreibt: „Ausgehend von dem prognostizierten Angebot könnten sich im Jahr 2030 massive Angebotsdefizite ergeben“. Lithium ist ein wichtiger Rohstoff für moderne Batterien und kommt zum Beispiel in Elektroautos zum Einsatz.
Doch es geht nicht nur um Lithium. Es gehe auch um Kupfer, um Stahl und die viel zitierten „seltenen Erden“. In Kohle- und Gaskraftwerken werden laut Bericht 100 Tonnen Metall eingesetzt, bis eine Terawattstunde Strom erzeugt ist. In der Windkraft brauche man dafür schon mehr als 250 Tonnen Metalle, in der Solarenergie gar 400 Tonnen - laut einer Analyse der Unternehmensberatung McKinsey.
Energiewende: Bedarf an Tellur und Neodym vor drastischem Anstieg
Ein weiteres wichtiges Metall ist zum Beispiel Tellur. Davon brauche die Welt im Jahr 2030 wahrscheinlich fast zehnmal so viel wie im Jahr 2020, so die FAZ. Die Förderkapazität werde auf der ganzen Welt zwar ausgebaut, doch damit genug Tellur zur Verfügung stehe, müsse sich das Tempo verfünffachen. So stellen die McKinsey-Berater denn auch fest: „Ohne Tellur ist die Leistung von Solarpanels wahrscheinlich niedriger“.
Das könnte laut Bericht zu einer Verlagerung in Richtung Windenergie führen - und damit Druck auf den Rohstoff Neodym ausüben, einem der wichtigsten Rohstoffe in Windturbinen. Dabei gehöre Neodym zu den eher gesicherten Rohstoffen, seine Förderung müsste sich „nur“ verdreifachen.
Rohstoffe für die Energiewende: IEA skeptisch
Skeptisch zur Rohstofflage zeigt sich auch die Internationale Energieagentur (IEA). So vergingen bei neuen Bergwerken meist 16 Jahre von der Entdeckung eines Vorkommens bis zur ersten Förderung. Zudem sinke die Qualität der Rohstoffe, je weiter die Produktion ausgeweitet werde. So resümiert die IEA: „Die heutigen Pläne für die Versorgung mit Mineralien und für Investitionen reichen nicht aus, um den Energiesektor umzugestalten“.
Es gibt aber auch Optimisten im Markt, beispielsweise McKinsey-Berater Ken Hoffman. Er geht davon aus, dass der technische Fortschritt den Materialbedarf immer weiter verringert. Zudem gebe es ganz verschiedene Batterietechniken, sodass auch andere Rohstoffe als Lithium zum Zug kommen könnten, vor allem wenn sich die Technik weiterentwickle.
So geht denn auch die Rohstoffagentur in einem optimistischen Szenario laut FAZ davon aus, dass die jetzt geplanten Bergbauprojekte rechtzeitig an den Start gehen werden und die Welt es schafft, 75 Prozent des alten Lithiums zu recyceln, womit im Jahr 2030 aber immer noch rund 70.000 Tonnen Lithium fehlen würden. Ein Vorkommen für Lithium befindet sich in Deutschland im Oberrheingraben.