„Unsere Gesundheit ist wichtiger als die nächste Milliarde von Elon!“

Machtkampf bei Tesla: IG Metall gegen Elon Musk

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Es ist nicht das erste Mal, dass es beim Tesla-Werk in Grünheide zwischen Gewerkschaft und Werksleitung zu Auseinandersetzungen kommt. (Archivbild)
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Eine Aufkleber-Aktion von Gewerkschaftsmitgliedern bei Tesla im Werk Grünheide sorgt für Unruhe. Die Werksleitung droht offenbar mit Kündigung. Die IG Metall bezieht gegenüber IPPEN.MEDIA Stellung.

Grünheide – Zwischen dem E-Autobauer Tesla und der Gewerkschaft IG Metall knirscht es schon länger. Nun ist es wegen einer Aufkleber-Aktion zu einem Eklat zwischen der Werksleitung der Tesla-Fabrik Grünheide in Brandenburg und der IG Metall gekommen.

Aufkleber-Aktion: Werksleitung droht laut Bericht mit Kündigung

Laut einem Bericht des Business Insider hätten Gewerkschaftsmitglieder von IG Metall Aufkleber in der Fabrik verteilt und an Wänden angebracht, auf denen unter anderem steht: „Unsere Gesundheit ist wichtiger als die nächste Milliarde von Elon!“ Die Werksleitung reagierte offenbar auf die Aufkleber-Aktion mit einer internen Mitteilung an alle Mitarbeitenden der Fabrik, die auch dem Business Insider vorliegt.

Darin wird dem Bericht zufolge darauf hingewiesen, dass ein „grundsätzliches Verbot besteht, für Malereien, Kritzeleien, Schmierereien und Aufkleber jeder Art“.  Weiter heißt es: „Diejenigen, die sich nicht an dieses Verbot halten, müssen mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen, die bis zum Ausspruch einer außerordentlichen Kündigung reichen können.“ Mitarbeitenden, die die Aufkleber verteilen, wird also offenbar mit Kündigung gedroht.

Schulze: „Elon Musk und sein Management versuchen, die IG Metall rauszuhalten“

„Das ist eine völlige Überreaktion vom Management“, erklärt dazu der Bezirksleiter der IG Metall für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Dirk Schulze, gegenüber IPPEN.MEDIA, der den Vorgang bestätigt. Bei den sogenannten Aufklebern handele es sich außerdem um magnetische Static Sticker, die rückstandsfrei wieder abgenommen werden könnten. In anderen Firmen sei es ganz normal, so seine Meinung äußern zu können.

Aber bei Tesla laufe das anders – schlechter als in anderen Unternehmen, so Schulze zu IPPEN.MEDIA. Die demokratischen Grundrechte würden beim Betreten des Werksgeländes nicht aufhören. „Elon Musk und sein Management versuchen, die IG Metall rauszuhalten.“ Auf Gesprächsangebote der Gewerkschaft sei nicht reagiert worden. „Aber wir lassen uns nicht ausbremsen, sie werden mit uns reden müssen.“

Schulze fordert bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Die Belegschaft werde über Gebühr strapaziert, die Arbeitszeiten und Sonderschichten seien sehr lang, die Ankündigungsfristen sehr kurz: „Es kann nicht sein, dass Elon Musk die nächste Milliarde einfährt und das auf Kosten der Knochen der Kollegen, die da arbeiten. Das Management hat sich um die Gesundheit der Beschäftigten zu kümmern, das wird nicht zur Genüge wahrgenommen.“ Tesla reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme. 

IG Metall kritisiert Arbeitsbedingungen bei Tesla

Es ist nicht das erste Mal, dass es zwischen Gewerkschaft und Werksleitung zu Auseinandersetzungen kommt. Erst im Juli kritisierte die IG Metall die Arbeitsbedingungen im Werk Grünheide. Die angekündigten Ausbaupläne stünden „in krassem Widerspruch zu dem, was die Beschäftigten vor Ort gerade erleben: Trotz hoher Krankenstände wird in erheblichem Umfang Personal abgebaut“, erklärte Schulze damals laut Reuters. „Da die Produktionsziele jedoch nicht nach unten korrigiert werden, steigt der Druck auf die verbliebenen Kolleginnen und Kollegen.“

Bei Tesla war auch dazu bisher keine Stellungnahme erhältlich. Laut IG Metall wurden alleine im Juni fast 200 Stammbeschäftigte gekündigt oder unterschrieben Aufhebungsverträge. Dazu seien im mittleren dreistelligen Bereich Leiharbeitskräfte abgemeldet worden. „Viele von ihnen machen seit Monaten jede Sonderschicht mit, da sie auf eine Festanstellung hoffen. Die verkleinerten Schichten sollen nun weiterhin 5000 Fahrzeuge in der Woche herstellen.“

Tesla will eine Million Autos pro Jahr bauen

Der Antrag des US-Autobauers auf Verdoppelung seiner Kapazitäten in Grünheide auf eine Million Autos pro Jahr war nach Angaben von Brandenburgs Umweltministerium seit dem 19. Juli online und für die Anwohner bis 18. August zugänglich. Diese können bis Mitte September Einspruch gegen den Antrag einlegen. Die Ausbaupläne sollen zu einer Aufstockung der 12.000 Arbeitsplätze führen, die für die erste Ausbauphase von Teslas erstem europäischen Produktzentrum geplant sind. Von diesen wurden bisher etwa 11.000 eingestellt.

Tesla hatte im vergangenen Monat erklärt, in Grünheide nicht mehr so viele Leiharbeitende wie in der Hochlaufphase zu benötigen und deren Zahl zu reduzieren. Für das zweite Quartal würden auch keine außerplanmäßigen Sonderschichten an Samstagen benötigt, da die Produktionsziele auch ohne diese erreicht würden.

Mit Material von Reuters

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