VonPatricia Huberschließen
Beim bekannten Modelabel Marc O‘Polo stehen die Zeichen auf Veränderung: Die Firma wächst und will internationaler werden – mit Folgen für den Hauptsitz in Stephanskirchen. Dort werden nun 89 Mitarbeiter entlassen. Warum ist dieser schmerzhafte Schritt nötig?
Stephanskirchen – Wandel bei Marc O’Polo: Das Stephanskirchner Modeunternehmen stellt seine Logistik neu auf. Mit Folgen für den Standort in der Region. Bisher wurde die sogenannte Vor-Order-Logistik mit dem Fokus auf Liegeware – also Kleidungsstücke, die nicht am Bügel hängen – am Hauptsitz in Haidholzen abgewickelt. Das soll sich ab Herbst 2025 ändern. Dann zieht die gesamte Marc O'‘Polo-Logistik nach Hannover, genauer zum Dienstleister Arvato, um.
Marc O‘Polo: Umzug für Wachstum entscheidend
„Eine effiziente Logistik ist ein Schlüsselfaktor für unseren Erfolg. Durch die Zentralisierung werden wir für unsere Endkunden und Handelspartner unmittelbar spürbare Verbesserungen in Qualität, Effizienz und Geschwindigkeit erreichen, was für unser Wachstum in bestehenden und neuen Märkten entscheidend ist“, sagt Firmenchef Maximilian Böck zur Logistik-Neugestaltung.
Was für das Unternehmen ein wichtiger Schritt ist, ist allerdings für die insgesamt 89 Mitarbeiter aus den Bereichen Vor-Order-Logistik, Quality Control und Retoure in Stephanskirchen ein harter Schlag. Sie verlieren ihren Job, wie das Unternehmen erklärt. Die Trennung soll so „fair und sozialverträglich wie möglich“ ablaufen, macht Marc O‘Polo deutlich. Zwar könnten aufgrund der sehr spezifischen Berufsprofile keine alternativen Positionen im Unternehmen angeboten werden, allerdings werden umfassende Beratungsangebote sowie eine Transfergesellschaft geschaffen.
Jobs bei Marc O‘Polo in Stephanskirchen weg: Wie es um den Standort steht
„Vorstand und Aufsichtsrat bedauern sehr, dass wir uns im Zuge dessen von Mitarbeitenden verabschieden müssen. Wir werden so fair wie möglich dabei vorgehen“, erklärt Böck. Dabei nutzt der CEO des Modelabels allerdings auch die Chance, klarzumachen, wie sehr er den Standort Stephanskirchen schätzt. „Diese Maßnahme ändert nichts daran, dass wir der Region und der Gemeinde Stephanskirchen auf das Engste verbunden sind. Hier ist unser Sitz, hier schlägt unser Herz und hier werden wir auch weiterhin investieren“, sagt Böck. Langfristig sei es außerdem denkbar, die Logistik wieder in der Region Rosenheim zu bündeln.
Zunächst geht es allerdings nach Hannover. Dort wird dann der Dienstleister Arvato, ein Unternehmensbereich des Bertelsmann-Konzerns, sich um Marc O‘Polos Logistik kümmern. Im Herbst dieses Jahres beginnt der Umzug. Ende 2025 soll dann alles abgeschlossen sein. Und dann enden auch die Arbeitsverträge der 89 Logistik-Mitarbeiter in Stephanskirchen.
Marc O‘Polos Firmengeschichte
Marc O‘Polo hat schwedische Wurzeln und wurde 1967 in Stockholm gegründet. Die Idee der Gründer: Mode aus natürlichen Materialien mit einem lässigen, hochwertigen Stil (Premium Casual Wear). Schon bald nach der Gründung verlagerte sich der Firmensitz nach Deutschland, heute ist das Headquarter in Stephanskirchen.
Über die Jahrzehnte entwickelte sich Marc O‘Polo zu einer international bekannten Modemarke. Aktuell beschäftigt die Marc O‘Polo Gruppe weltweit über 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Design, Produktion, Vertrieb und Verwaltung.
Marc O‘Polo will internationaler werden
Es ist ein Schritt, um schneller und effizienter arbeiten zu können, erklärt das Unternehmen. Und dieser Schritt passt auch in die Zukunftspläne von Marc O‘Polo. Es soll internationaler werden. „Internationalisierung ist der strategische Eckpfeiler, um unsere 55-jährige Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben“, sagte Böck schon im Jahr 2022, nachdem mit dem Onlineshop 18 neue Länder erschlossen wurden und die Kleidung auch in Kanada, Dänemark, Griechenland, Italien und Spanien vor Ort zu kaufen war.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stephanskirchen soll – trotz des schwierigen Marktumfelds – eine Weltmarke werden. Und hierfür wird mit dem Umzug ein neuer Schritt getan – wenn auch mit schlechten Nachrichten für die 89 Mitarbeiter, die sich nun nach einer neuen Stelle umsehen müssen. Und es ist nicht das erste Mal, dass in den vergangenen Monaten Mitarbeiter aus Stephanskirchen ihre Arbeitsplätze räumen mussten. So hat auch der Bodenbelags-Hersteller Hamberger aus Stephanskirchen im November die Entlassung von rund 40 Mitarbeitern bekannt gegeben. Allerdings wegen der schwierigen Verhältnisse in der Baubranche.

