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Russische Traditionsmarke muss Belegschaft in Urlaub schicken – kein Material mehr

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Die Sanktionen des Westens infolge des Ukraine-Kriegs machen Russland zu schaffen – das gab nun Putin auch erstmals zu. Eine bekannte Marke muss nun zu drastischen Mitteln greifen.

Moskau – Aufgrund akuter Lieferprobleme muss der Automobilhersteller der russischen Automarke Lada seine Belegschaft ab Ende Mai für drei Wochen kollektiv in den Urlaub schicken. „Im Frühjahr 2023 hat eine Reihe von Bauteilzulieferern Avtovaz über die Beendigung der Lieferungen unterrichtet“, teilte der Konzern der Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Donnerstag mit.

Das im vergangenen Jahr vom russischen Staat rückübernommene Unternehmen klagte darüber, dass mit der Kündigung vorherige Liefervereinbarungen gebrochen worden seien. Der Automobilsektor war nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs einer der am stärksten von westlichen Sanktionen betroffenen Sektoren im Land. Auch Putin räumte nun erstmals ein, dass westliche Sanktionen dem Land zu schaffen machen.

AutobauerAvtovaz
MarkennameLada
SitzToljatti, Russland
Gründung1966

Ukraine-Krieg: Autobauer Lada muss Belegschaft in Urlaub schicken

Ursprünglich sollten die Fließbänder von Avtovaz erst Ende Juli für drei Wochen abgestellt werden, um die Belegschaft in den Urlaub zu schicken. Nun wird der Zwangsurlaub jedoch um zwei Monate vorgezogen und soll planmäßig vom 29. Mai bis 19. Juni 2023 stattfinden. Eine ununterbrochene Fertigung sei ansonsten ohnehin nicht möglich, teilte der Lada-Bauer mit.

Russlands Präsident Putin zeigt sich gern vor den Fahrzeugen der Marke Lada – hier 2015.

Bereits im vergangenen Jahr musste der Konzern aufgrund von Problemen mit Zubehörteilen die Produktion monatelang stilllegen. In der Stadt Ischewsk rund 1000 Kilometer östlich von Moskau hatte Avtovaz zudem Beschäftigten, die das Unternehmen freiwillig verließen, eine Abfindung in Höhe von zwölf Mindest- oder fünf Durchschnittslöhnen angeboten.

Lada-Hersteller Avtovaz baut nach Ukraine-Krieg Marktführerschaft in Russland aus

Avtovaz gehörte bis vor kurzem zur Gruppe des französischen Automobilkonzerns Renault, wurde aber nun wieder von Russland verstaatlicht. Ende Juli hatten Mitarbeiter aus Ischewsk einen offenen Brief an Kremlchef Wladimir Putin geschrieben, in dem sie um den Erhalt ihres Standorts und den Schutz ihrer Arbeitsplätze baten. Russischen Medienberichten zufolge soll die Produktion des Modells Lada Vesta nun in das Werk in der Stadt Toljatti verlagert werden.

Top 10: Das sind die meistgebauten Autos aller Zeiten

BWM 3er-Reihe
Platz 10: BMW 3er-Reihe. 16 Millionen mal wurde BMWs beliebte Mittelklasse seit 1975 gebaut – in mehreren Karosserievarianten wie dem im Foto gezeigten Kombi Touring, und auch als Cabrio. Der BMW 3er wird aktuell in siebter Generation produziert, und auch bald voll elektrifiziert. Die Erfolgsstory kann also weitergehen. © Fabian Kirchbauer/BMW
Ford Model T
Platz 9: Ford Model T. Längst Geschichte, doch mit 16,5 Millionen produzierten Einheiten noch immer in den ewigen Top 10. Die 1908 vorgestellte „Tin Lizzie“ startete 1910 auf dem weltweit ersten Fließband in die Serienproduktion, und hielt mit nur wenigen Modifikationen (zu denen auch ein Panzer gehörte) und der Mono-Farbe schwarz bis 1927 durch. © Joseph Sohm/Imago
Lada 1200
Platz 8: Lada 1200. Oder Schiguli. Oder VAZ 2101. Der klassische russische (oder sowjetische) Pkw war unter vielen Namen bekannt und brachte es von 1966 bis 2007 auf 17,3 Millionen Einheiten. Er basierte auf dem Fiat 124, wies aber eine robustere Karossiere und weniger Komfort auf. © National Motor Museum/Imago
Toyota Hilux
Platz 7: Toyota Hilux. Der Pick-up-Truck ist vor allem in den USA begehrt, was für mittlerweile über 18 Millionen gebaute und verkaufte Exemplare reicht. Seit 1968 schätzen ihn seine Fahrer als robustes Allwege-Gefährt, auf dessen Pritsche afrikanische Warlords auch mal ein Maschinengewehr installieren. Derzeit ist die achte Generation unterwegs. © Toyota
VW Käfer
Platz 6: VW Käfer. Etwa 21,5 Millionen mal wurden VW 1200 und andere Versionen produziert, bis zum Wachwechsel durch den VW Golf war der originale Käfer hierzulande der Bestseller – aber auch in aller Welt beliebt. Entstanden aus dem 1938 für das Nazi-Reich entwickelten KdF-Wagen, wurde der VW noch 2003 in Mexiko produziert. © Gottfried Czepluch/Imago
Honda Civic
Platz 5: Honda Civic. In Europa nur ein weiterer VW-Golf-Gegner, ist dieser Kompaktwagen in den USA und in Japan seit Jahrzehnten ein Megaseller. Seit 1972 wurden über 27,5 Millionen Einheiten produziert, derzeit steht Generation Nummer elf bei den Händlern. © Honda
VW Passat Variant
Platz 4: VW Passat. Vielleicht etwas überraschend, aber auch der brave Mittelklassewagen hat es seit seinem Debüt 1973 auf über 30 Millionen Exemplare gebracht – allerdings inklusive der deutlich anderen US-Version. In Europa dominiert klar die Kombi-Variante, die neunte Generation ab 2023 wird es als Stufenheck gar nicht mehr geben. © Ingo Barenschee/VW
VW Golf
Platz 3: VW Golf. Auch wenn der gefühlt ewige Liebling der Deutschen derzeit gegen Tesla und den internen Konkurrenten T-Roc zu kämpfen hat: An über 35 Millionen produzierten Autos seit 1974 muss man erst mal vorbeikommen. Ob die derzeit aktuelle achte Generation noch einen Nachfolger bekommt, ist allerdings unsicher. Als elektrischer ID. Golf könnte der Inbegriff des Kompaktwagens aber trotzdem weiterleben. © Martin Meiners/VW
Ford F-150
Platz 2: Ford F-Serie. In den USA ist Pick-up-Truck Ford F-150 aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken, er und seine noch größeren F-Brüder verkörpern perfekt den American Way of Driving. Die elektrische Version Lightning beschert dem seit 1948 über 40 Millionen mal gebauten Nutz- und Lifestyle-Laster weiteren Zulauf. © Mark Phelan/Imago
Toyota Corolla
Platz 1: Toyota Corolla. Was den Deutschen der VW Golf ist, das ist für Amerikaner, Japaner und viele Europäer der Toyota Corolla. Seit 1966 wurden über 50 Millionen dieses Kompaktwagen gebaut, seine zwölfte Generation ist mittlerweile auch als Cross-Version zu haben. Das Maximum der Elektrifizierung ist allerdings ein Plug-in-Hybrid. © Slavko Midzor/Imago

Obwohl praktisch alle westlichen Autobauer sich aus Russland zurückgezogen haben, hat Avtovaz seine Marktführerschaft ausgebaut. Aufgrund der aktuellen Schwierigkeiten durch den Ukraine-Krieg konnte das Unternehmen jedoch nicht besonders vom Rückzug der Konkurrenz profitieren. Im Jahr 2022 sanken die Lada-Verkäufe um 46 Prozent bei einem Gesamteinbruch des Marktes um 59 Prozent.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Wire

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