VonLisa Mayerhoferschließen
Wer in Russland seinen Mercedes reparieren lassen will, muss sich auf Verzögerungen und weitere Probleme einstellen. Der deutsche Autobauer hat den Software-Zugang gekappt.
Moskau – Viele westliche Unternehmen haben inzwischen im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine das größte Land der Welt verlassen. Auch der Autobauer Mercedes-Benz hat sich vollständig aus Russland zurückgezogen. Nun sperrt der Konzern auch den Zugang zur Software in Russland – mit weitreichenden Folgen für die russischen Autobesitzenden.
Mercedes-Benz verlässt Russland - mit Konsequenzen für Kundinnen und Kunden
So berichtet die russische Tageszeitung Iswestija, dass Mercedes-Benz seinen früheren Vertragshändlern und Vertriebspartnern in Russland alle Softwareverbindungen gekappt habe. Es gebe nun für die russischen Autohändler und Werkstätten keine Möglichkeiten mehr, installierte Serviceangebote zu prüfen und durchzuführen.
Künftig würden beispielsweise Reparaturen und Wartung auf Basis „gesammelter Erfahrungen und Kenntnisse“ durchgeführt werden müssen, so die Zeitung. Für die russischen Mercedes-Besitzenden bedeutet das, dass Reparaturarbeiten entweder länger dauern oder sogar gar nicht mehr möglich sind. Zwar wurden neue Fahrzeuge schon seit längerem nicht mehr nach Russland geliefert, aber Serviceleistungen durften von russischen Kundinnen und Kunden noch in Anspruch genommen werden.
Mercedes: Wartung und Reparatur künftig ohne firmeneigene Software
Das ist nun vorbei. Der Grund dafür ist, dass Mercedes-Benz alle Anteile an den russischen Tochtergesellschaften im April an einen Investor verkauft hat: die lokale Autohandelskette Avtodom. Diese muss nun Wartung und Reparatur anbieten – ohne Hilfe aus Deutschland. „Die Transaktion beinhaltete auch das Servicegeschäft“, erklärt Mercedes-Benz gegenüber ntv.de. „Die Verpflichtungen aus Garantieansprüchen von Kunden gingen mit der Transaktion an den Käufer über.“ Doch ohne die firmeneigene Software wird das die russischen Autohändler vor einige Schwierigkeiten stellen.
Das zeigt sich schon bei anderen westlichen Automarken, die sich aus Russland zurückgezogen haben. So konnten laut Iswestija unter anderem Renault- oder Nissan-Kundinnen und Kunden nicht mehr ihr Auto aus der Ferne öffnen oder die Benzinanzeige funktionierte nicht mehr. Dazu gebe es Probleme bei der Motorsteuerung, oder den Bremsen.
Ein ähnliches Schicksal droht auch den russischen VW-Besitzern und -Besitzerinnen: Dort wurde zwar schon durch den Verkauf an den russischen Investor der Zugang zu einigen IT-Systemen bereits eingestellt, erklärte ein VW-Sprecher gegenüber der Berliner Zeitung. Bis Ende des Jahres bleiben aber noch fünf Systeme aktiv, die bis dahin ebenfalls gekappt werden.
Rubriklistenbild: © Igor Russak/dpa

