MediaMarkt-Manager mit speziellen Ideen: Merz macht Wildberger zum Digitalminister
VonHannes Niemeyer
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Die Liste der Unions-Minister für Friedrich Merz‘ Kabinett steht. Darauf findet sich auch ein überraschender Name: Karsten Wildberger wird Digitalminister.
Berlin – Große Überraschung bei der Union: Friedrich Merz macht Karsten Wildberger zum Minister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung. Dass der baldige Bundeskanzler eine Person von „außen“, also nicht aus der vordersten politischen Reihe für das Ressort vorsieht, war zuvor klar. Dass es aber Wildberger wird, ist eine große Überraschung im politischen Berlin. Den Namen hatte vorab wohl niemand wirklich auf dem Zettel.
Schon seit längerem gab es Listen über die mögliche Minister-Auswahl von Merz. Der Posten des Digitalministers war dabei eine Position, die zu den Unklareren im Vorfeld gehörte. Zuvor wurde die hessische Digitalministerin Kristina Sinemus als Favoritin genannt. Nun ist die komplette Liste derer, die ins Merz-Kabinett gehen, klar. Und darauf auch der überraschende Name: Karsten Wildberger übernimmt das Digital-Ressort.
Karsten Wildberger wird Digitalminister unter Merz – MediaMarkt-Manager mit Vorerfahrung
Wildberger, 56 Jahre alt, ist seit August 2021 Vorstandsvorsitzender der Ceconomy AG mit Sitz in Düsseldorf. Dazu gehört die MediaMarkt-Saturn-Holding GmbH, für die er als Geschäftsführer für etwa 1000 Filialen der Elektronikeinzelhandelsketten MediaMarkt und Saturn in ganz Europa zuständig. Rund 400 Filialen davon befinden sich in Deutschland. Diese Aufgabe wird er jedoch schon bald abgeben, wie nun bekannt wurde.
Am Montagmorgen folgte parallel zur Bekanntgabe auch die Meldung, dass Wildberger den Aufsichtsrat der Ceconomy gebeten hat, ihn zum 5. Mai von seinen Aufgaben zu entbinden. Das Datum passt, soll Friedrich Merz doch am 6. Mai zum Bundeskanzler gewählt werden. Wildberger wäre dann bereit, um den Posten als Digitalminister komplett auszufüllen. „Ich fühle mich geehrt über das Vertrauen, das Friedrich Merz in mich setzt, und die Möglichkeit, der neue Minister für Digitales zu werden“, erklärte er.
Merz‘ neuer Digitalminister Wildberger: Promovierter Physiker und Vizepräsident im CDU-Wirtschaftsrat
Wildberger stammt aus Gießen, ist promovierter Physiker. Sein Studium der Physik hatte er an der TU München und der RWTH Aachen absolviert. Er hat durch seinen Job als Vorstandsvorsitzender auch einiges an praktischer Erfahrung in der Wirtschaft. Für das Digitalministerium wirkt er geeignet, da er sich auch in der Ceconomy AG zuvor besonders mit der digitalen Transformation im Unternehmens- und Wirtschaftskontext beschäftigt hatte. Zuvor war er auch in internationalen Konzernen wie etwa Vodafone, T-Mobile oder Telstar tätig. Von 2016 bis 2021 war Wildberger als Vorstandsmitglied bei E.ON kümmerte sich auch da um den digitalen Wandel im Unternehmen.
Ein völlig unbeschriebenes Blatt ist Wildberger in den Gefilden der Politik aber nicht. Der 56-Jährige ist Vizepräsident im Wirtschaftsrat der CDU, einem Verein, der die Interessen seiner Mitglieder in der Wirtschaft vertritt. Die Vereinigung hat auch einen Eintrag im Lobbyregister des Deutschen Bundestages.
Merz‘ neuer Minister: Wildberger fiel zuvor mit speziellen Ideen auf
Seinen Einfluss auch auf politische Entscheidungen versuchte Wildberger im vergangenen Jahr zu erhöhen, mischte sich in durchaus auch politische Diskussionen ein und fiel dabei mit teils speziellen Vorschlägen auf. In der Diskussion um den schleichenden Verkauf von E-Autos in Deutschland schlug Wildberger so zum Beispiel im Herbst 2024 vor, MediaMarkt und Saturn könnten, wie es bereits andere Märkte in Ländern wie Italien oder Spanien tun, auch Elektroautos in deutschen Filialen verkaufen. „Wir hätten auch hier noch Platz für E-Autos“, sagte er damals gegenüber t-online.
Schlagzeilen machte Wildberger Anfang 2024 auch mit einer anderen Idee. Wegen des sich fortsetzenden Aufschwungs im Online-Handel und den Problemen im stationären Verkauf schlug der Top-Manager vor, die Sonntagsruhe im Einzelhandel zu kippen. „Wir sollten das einfach mal ausprobieren und den Vorschlag nicht direkt wieder zerreden“, sagte er gegenüber der Funke Mediengruppe. Zugleich sprach er sich für eine Form der Abwrackprämie auf alte Elektrogeräte aus. Sie sollte Verbraucher dazu bewegen, alte Elektrogeräte mit einer schlechten Klimabilanz auszutauschen.
Wildberger wird Digitalminister unter Merz: Interview gibt Andeutungen über Führungsstil
Erst kürzlich gab Wildberger in der FAZ ein Interview zu seinem Job als Geschäftsführer für die MediaMarkt-Saturn-Holding GmbH. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, dass er kurz darauf in die Spitzenpolitik wechseln sollte. Ein paar Hinweise auf einen möglichen Führungsstil im Digital-Ressort lassen sich dennoch erkennen.
Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“
Die „Fähigkeit, eine Mannschaft hinter einer Strategie und einem Ziel zu versammeln, sie darauf einzuschwören und dann gemeinsam alles daranzusetzen, das umzusetzen“, schrieb der Top-Manager sich etwa im Gespräch zu. Als lautstarker Politiker dürfte er seinen Job im Digitalministerium aber eher nicht angehen: „Man kann extrem viel Veränderung kraftvoll erreichen, ohne besonders laut zu sein“. Seine beruflichen Schritte im Ausland hätten ihm gezeigt, dass er in Deutschland eher die Skepsis für Neues erkenne und die Offenheit für Veränderung vermisse. Das wird er in seiner neuen Rolle wohl ändern müssen.