Merz muss bei Rente handeln, sonst „wird es bald keine Rentenerhöhungen mehr geben“
VonMax Schäfer
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Am 1. Juli steigt die Rente. Doch für viele ist das zu gering, warnt der Sozialverband Deutschland. Dazu könnten weitere Steigerungen ausbleiben.
Berlin – Ab dem 1. Juli 2025 steigt die Rente. Am Freitag, 13. Juni, hat auch der Bundesrat der Rentenerhöhung zugestimmt, doch das galt ohnehin als Formsache. Rentnerinnen und Rentner bekommen damit 3,74 Prozent mehr Geld. Sozialverbände begrüßen den Schritt.
„Die Zustimmung des Bundesrates vorausgesetzt, begrüßen wir sehr, dass sich bei den Renten zum Sommer etwas tut“, hatte Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD) IPPEN.MEDIA vor der Entscheidung in der Länderkammer erklärt.
Rentenerhöhung um 3,74 Prozent für „Menschen mit sehr kleinen Renten zu wenig“
Mit Blick auf die Rentenerhöhung am 1. Juli zeigte sich Engelmeier dagegen vorsichtig. „Wir wissen auch, dass diese Steigerung für Menschen mit sehr kleinen Renten zu wenig ist.“ Konkret bedeutet die Erhöhung von 3,74 Prozent eine Steigerung des Werts eines Entgeltpunkts von 39,32 auf 40,79 Euro.
Michaela Engelmeier warnt, dass die Rentenerhöhung für Menschen mit geringen Bezügen zu klein ausfällt und appelliert an die Merz-Regierung, das Rentenniveau zu stabilisieren. (Montage)
Bei einer Standardrente bei durchschnittlichem Verdienst und 45 Beitragsjahren entspricht das einem Anstieg von 66,15 Euro. Bei einer Rente von 1000 Euro macht die Erhöhung jedoch lediglich 37,40 Euro im Monat aus. Wer bisher 1200 Euro bekommt, erhält 44,88 Euro mehr. Wer im Bereich der Durchschnittsrente von etwa 1500 Euro liegt, erhält künftig monatlich 56,10 Euro mehr.
Rentenniveau sorgt für stabile Steigerung der Renten – entlang der Lohnentwicklung
Die Ermittlung der Rentenhöhe richtet sich an der Entwicklung der Löhne und Gehälter. 2024 sind diese nominal 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Da jedoch auch das Verhältnis der Beziehenden und Erwerbstätigen, die Beiträge zahlen, berücksichtigt wird, fiel die Erhöhung mit 3,74 Prozent etwas niedriger aus. Das Rentenniveau von 48 Prozent garantiert, dass die Standardrente nicht unter 48 Prozent des Durchschnittsgehalts fällt.
Doch das Rentenniveau ist bisher lediglich nur noch in diesem Jahr bei 48 Prozent gesichert. Die neue Regierung von Union und SPD will das Niveau bis 2031 sichern, danach ist die Entwicklung wieder offen.
SoVD-Vorsitzende mit Appell – sonst „wird es bald keine Rentenerhöhungen mehr geben“
Hier sieht SoVD-Vorsitzende Engelmeier die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) in der Pflicht. Mit Blick auf die für niedrige Renten zu geringe Steigerung appelliere der Sozialverband „an die Bundesregierung, das Rentenniveau bei 48 Prozent nachhaltig zu stabilisieren“.
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„Wenn dies nicht geschieht, wird es bald keine Rentenerhöhungen mehr geben“, warnte Engelmeier. „Und: Einen armutsfesten Lebensabend kann es für Millionen von Menschen nur dann geben, wenn das Rentenniveau perspektivisch auf 53 Prozent angehoben wird.“
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