Reform des Kündigungsschutzes

Merz-Regierung drängt Rentner zu mehr Arbeit – bei reduziertem Kündigungsschutz

  • schließen

Der Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer muss angepasst werden, meint der neue Berater des Finanzministers. Unternehmen würden dann eher Rentner beschäftigen.

Berlin – Die Deutschen sollen mehr arbeiten, das findet die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). Dazu sind eine Reihe von Maßnahmen geplant, die die Bevölkerung zu mehr und längerem Arbeiten animieren sollen: So sollen Rentner und Rentnerinnen, die weiterarbeiten möchten, jeden Monat 2000 Euro steuerfrei verdienen können. Außerdem soll der Acht-Stunden-Tag abgeschafft werden, stattdessen würde eine Wochenarbeitszeit in Kraft treten. Nun fordert der persönliche Berater des Finanzministers eine Änderung im Kündigungsschutz für ältere Beschäftigte.

Rentner sollen mehr arbeiten können: Kündigungsschutz für Ältere soll aufgeweicht werden

Der persönliche Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat vorgeschlagen, den Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer zu lockern. Damit könnten Anreize für deren Weiterbeschäftigung gesetzt werden, sagte Jens Südekum zu Zeit-Online. „Ich verstehe nicht, weshalb der Kündigungsschutz für Arbeitnehmer mit 65 im gleichen Ausmaß wie jüngere Beschäftigte gelten sollte.“

Die derzeitigen Regeln könnten laut Südekum dazu führen, „dass Unternehmen ältere Menschen nicht weiter beschäftigen, weil sie fürchten, sie nie wieder loszuwerden“, sagte Südekum weiter. Er forderte mehr Flexibilität.

Die vorherige Bundesregierung leistete demnach bereits Vorarbeiten. „Die Ampel hat sich darauf verständigt, die sogenannte sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen von Arbeitnehmern mit Rentenanspruch zu erlauben“, sagte er laut dem Bericht. Das Gesetz jedoch wurde aufgrund des Ampel-Aus nicht mehr umgesetzt. „Hier kann sich die neue Regierung direkt bedienen“, sagte Südekum.

Ökonom Jens Südekum, hier in der Sendung „Maybrit Illner“ im April 2025.

Der 49-Jährige lehrt Volkswirtschaft an der Universität Düsseldorf und soll Klingbeil in makroökonomischen Fragen beraten. Der Minister und Vizekanzler würdigte Südekum als einen „der führenden Ökonomen in unserem Land“.

Rentner können maximal fünf Jahre befristet angestellt sein – laut Südekum für Unternehmen unattraktiv

Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen bedeutet im Wesentlichen, dass ein befristeter Arbeitsvertrag zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer existiert, ohne dass es dafür einen offensichtlichen Grund gäbe. Ein guter Grund für eine Befristung ist zum Beispiel, wenn die Einstellung an ein bestimmtes Projekt gebunden ist – und nach der Vollendung des Projektes eben endet.

Rentner aufgepasst: Das sind die besten Länder für die Rente

Strand am Tayrona National Natural Park, Kolumbien.
Kolumbien hat es auf Platz 10 des Rankings von International Living geschafft. Das südamerikanische Land punktet demnach mit schönen Stränden und Natur, niedrigen Lebenshaltungskosten und einfachen Einreisebestimmungen. Allerdings sollten Auswanderungswillige auch die Sicherheitsrisiken dort beachten.  © robertharding/Imago
Mont-Saint-Michel in der Normandie: Unser Nachbarland hat nicht nur ein gutes Transport- und Gesundheitssystem, sondern auch schöne Städte und Natur zu bieten.
„Leben wie Gott in Frankreich“ ist nicht umsonst ein Sprichwort: Unser Nachbarland auf Platz 9 hat nicht nur ein gutes Transport- und Gesundheitssystem, sondern auch schöne Städte und Natur zu bieten. © robertharding/Imago
Die Insel Langkawi in Malaysia: Das südostasiatische Land ist im GRI-Ranking ein Newcomer.
Malaysia ist im GRI-Ranking ein Newcomer. Das multikulturelle südostasiatische Land bietet Auswanderungswilligen laut International Living große Gastfreundlichkeit, niedrige Lebenshaltungskosten und ein warmes tropisches Klima, das aber manchen Ruheständlern auch zu viel sein könnte. © Addictive Stock/Imago/Gabriel Trujillo
Thassos: Platz sieben im Ranking belegt Griechenland.
Platz sieben im Ranking belegt Griechenland. Das europäische Land überzeugt demnach nicht nur mit seiner Schönheit und dem milden Klima, sondern auch mit einem guten Gesundheitssystem und niedrigeren Lebenshaltungskosten. © robertharding/Imago/Frank Fell
Wandern am Illiniza Norte Volcano: Platz sechs belegt im Ranking des Magazins Ecuador – wohl auch wegen seiner Nähe zu den USA.
Platz sechs belegt im Ranking des Magazins Ecuador – wohl auch wegen seiner Nähe zu den USA. Das südamerikanische Land bietet ein mildes Klima, atemberaubende Natur und niedrige Lebenshaltungskosten. Doch wegen der aktuellen unruhigen politischen Situation rät das Magazin Auswanderungswilligen dazu, erstmal abzuwarten. © VWPics/ Matthew Williams-Ellis/Imago
Strand in Port de Soller, Mallorca: In einem Ranking über Ruhestandsparadiese darf natürlich Spanien nicht fehlen.
In einem Ranking über Ruhestandsparadiese darf natürlich Spanien nicht fehlen. Viele Sonnentage mit einem milden Klima gepaart mit einem guten Gesundheitssystem und einem großen kulturellen Angebot: Das südeuropäische Land auf Platz 5 erfreut sich schon länger bei auswanderungswilligen Senioren großer Beliebtheit. © Zoonar.com/Volker Rauch/Imago
Strand in Panama: Karibische Strände, mildes Klima und Steuervergünstigungen sprechen laut International Living für das zentralamerikanische Land.
Oh wie schön ist Panama: Karibische Strände, mildes Klima und Steuervergünstigungen sprechen laut International Living für das zentralamerikanische Land.  © Panthermedia/lesniewski/Imago
Strand in Tulum, Mexiko: Überzeugt haben International Living neben der Schönheit des Landes die niedrigen Lebenshaltungskosten
Auf dem Siegertreppchen im Ranking ist Mexiko mit Platz 3 gelandet. Überzeugt haben International Living neben der Schönheit des Landes die niedrigen Lebenshaltungskosten – auch im Gesundheits- und Immobilienbereich.  © Zoonar.com/Loes Kieboom/Imago
Machico in Madeira: Schon länger kein Geheimtipp mehr ist das schöne Portugal, das es im Ranking auf Platz 2 geschafft hat.
Schon länger kein Geheimtipp mehr ist das schöne Portugal, das es im Ranking auf Platz 2 geschafft hat. Rund 800.000 Auswanderer hat es mittlerweile nach Portugal gezogen, berichtet International Living. Das Land an der europäischen Atlantikküste punktet mit Sicherheit, guter Gesundheitsversorgung und einem milden Klima. © Zoonar.com/Mjucha/Imago
Strand in Costa Rica: Das Land gilt als „Schweiz Mittelamerikas“ – es ist sicher und stabil.
Auf Platz eins landet Costa Rica. Das Land gilt als „Schweiz Mittelamerikas“ – es ist sicher und stabil. Zudem überzeugen International Living die niedrigen Lebenshaltungskosten, schöne Natur und Strände sowie die „gute Lebensqualität“. Costa Rica bemüht sich zudem aktiv mit Steuervergünstigungen um Senioren. © YAY Images/xajnx 6025/Imago

Nach geltendem Recht kann ein Vertrag höchstens 24 Monate lang (also zwei Jahre) sachgrundlos befristet sein. Für Arbeitnehmer, die das 52. Lebensjahr vollendet haben, dürfen befristete Arbeitsverträge bis zu fünf Jahre lang gelten. Das gilt aber nur, wenn der betroffene Arbeitnehmer davor vier Monate ohne Arbeit war. Ausnahmen gelten häufig in Tarifverträgen, die dies gesondert regeln.

Was Südekum nun also fordert, ist eine Aufhebung dieser Begrenzung für ältere Arbeitnehmer – explizit spricht er hier von Menschen über 65 Jahren. Damit könnten Rentner und Rentnerinnen ohne Grund befristet angestellt sein, auch über die gesetzlich erlaubten zwei (bzw. in bestimmten Fällen fünf) Jahre hinaus. Der Vorteil wäre für Unternehmen, dass sie dann im Zweifel das Arbeitsverhältnis einfach auslaufen lassen könnten, wenn sie die Person nicht mehr weiter beschäftigen möchten. Fristlose Kündigungen sind immer möglich, dafür muss es aber klare Gründe geben (z.B. Pflichtverletzungen oder betriebsbedingte Kündigungen).

Rubriklistenbild: © Maria Diachenko/Imago

Kommentare