Eklat vor der Wahl

Merz will das Heizungsgesetz abschaffen: Wärmepumpen-Chef zerlegt „Phantasialand“ der CDU

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In der TV-Show „Klartext“ des ZDF wurde der CDU-Spitzenkandidat von einem Wärmepumpen-Monteur in die Mangel genommen. Jetzt legt er erneut nach und warnt die Konservativen vor der Eliminierung des Heizungsgesetzes.

Berlin – Kurz vor der Bundestagswahl beantworten die Kandidaten täglich die Fragen der Bürger in verschiedenen Wahlsendungen. In der ZDF-Sendung „Klartext“ wurden Friedrich Merz (CDU), Olaf Scholz (SPD), Robert Habeck (Grüne) und Alice Weidel (AfD) einzeln zu ihren Positionen befragt. Jan Ossenbrink, Gründer eines Wärmepumpen-Start-ups, konfrontierte in der Sendung Merz zu seinen Positionen zum sogenannten Heizungsgesetz. Nun legt der Gründer der Firma Vamo nochmal nach.

CDU will das Heizungsgesetz abschaffen: Wärmepumpen-Chef zerlegt „Phantasialand“ von Merz

Merz hat angekündigt, das „faktische Verbot von Öl- und Gas-Heizungen“ rückgängig machen zu wollen, so formulierte er es im ZDF. Ossenbrink bezeichnet dies als Populismus: „Was sie unter ‚Technologieoffenheit‘ meinen, ist eigentlich ‚Technologienaivität‘ – denn während die Welt und die Industrie sich längst entschieden haben, wohin die Reise gehen wird, schlagen Unionspolitiker Lösungen aus dem Bereich Phantasialand vor“, sagt er im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Auch große Unternehmen wie Vaillant und Viessmann, die ihr Geld noch immer mit Öl- und Gas-Heizungen verdienen und das theoretisch auch noch weiterhin tun könnten, investieren zunehmend in die Wärmepumpe. Dieses Bekenntnis zur Zukunft nimmt Merz nicht ernst, so der Vorwurf.

Abseits vom Standard: Diese Wärmepumpen-Marken kennen Sie noch nicht

Eine Wärmepumpe der Firma Aira steht vor einem Haus.
Sie gehört zu den neueren Unternehmen in Deutschland: Die Firma Aira wurde erst 2022 in Schweden gegründet. Seitdem ist sie aber auf Expansionskurs und baut ihre Wärmepumpen in Deutschland, Italien und Großbritannien ein. Die Firma verkauft Luft-Wasser-Wärmepumpen, die in Polen hergestellt werden. Auf Trustpilot bekommt die Marke Aira 4,2 von 5 Sternen.  © Aira
Eine Wärmepumpe von Stiebel Eltron steht vor einem Wohngebäude.
Stiebel Eltron gehört eigentlich zu den großen Marken in Deutschland – wird aber oft in der Öffentlichkeit vergessen. Die Firma hat dabei 2024 hohen Besuch empfangen: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die Firma auf seiner Sommerreise besucht. Die Luft-Wasser-Wärmpumpen von Stiebel Eltron können nicht nur in Wohngebäude installiert werden, sondern stellt auch größere Wärmepumpen, die im Gewerbe dienen können. Die Firma stellt sowohl Monoblöcke als auch Splitgeräte her. Bei Stiftung Warentest ist Stiebel Eltron mit eines ihrer Geräte als Testsieger hervorgegangen.  © IMAGO/Karl-Heinz Hick
Eine Wärmepumpe der Firma Brötje vor einem Mehrfamilienhaus.
Die Firma Brötje stellt schon seit über 100 Jahren Heizungen her – und seit einiger Zeit hat sie auch Wärmepumpen im Repertoire. Die Firma mit niederländischem Hauptsitz hat für den deutschen Markt sieben verschiedene Wärmepumpen im Angebot, darunter Luft-Wasser-, Sole-Wasser- und Trinkwasser-Wärmepumpen. Hier im Foto: Die Luft-Wasser-Wärmpumpe NEO, die mit einer höheren Leistung auch für Mehrfamilienhäuser geeignet ist.  © IMAGO/Karl-Heinz Hick
Eine Wärmepumpe von LG mit Katze.
Nein, LG stellt nicht nur Fernseher her: Die südkoreanische Marke ist in zahlreichen Märkten aktiv - eben auch bei Wärmepumpen. LG profitiert dabei von ihrer Expertise in schwülwarmen asiatischen Ländern, die einen hohen Bedarf an Klimaanlagen haben. Eine Wärmepumpe funktioniert sehr ähnlich. Fünf verschiedene Produkte gibt es von LG in Deutschland zu kaufen, ganz neu ist auch ein Produkt mit natürlichem Kältemittel.  © IMAGO
Panasonic stellt eine ihrer Wärmepumpen auf einer Messe aus.
Bleiben wir bei den asiatischen Herstellern: Auch Panasonic tummelt sich längst im Wärmepumpenmarkt. Auch der japanische Hersteller profitiert von einer Expertise bei Klimaanlagen, und bringt Wärmepumpen nach Deutschland. Stiftung Warentest hat 2024 für die Panasonic-Modelle einen Preistipp gegeben, da sie zu den günstigsten Modellen mit einem Qualitätssiegel „gut“ gehören.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Eine Wärmepumpe von Alpha Innotec vor einem Neubau.
Hinter den Wärmepumpen der Marke Alpha Innotec steckt die ait Deutschland GmbH mit Sitz in Oberfranken. Der deutsche Anbieter stellt ausschließlich Wärmepumpen her und wirbt damit, dass ihre Wärmepumpen schon seit über zehn Jahren natürliche Kältemittel nutzen und daher besonders nachhaltig seien. ait stellt sowohl Luft-Wasser- als auch Sole-Wasser-Wärmepumpen her – und zwar in Deutschland am Standort Kasendorf.  © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Die Wärmepumpe der Marke Zewotherm steht vor einem Haus.
Die Firma Zewotherm ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen aus Remang am Rhein, das sich auf klimafreundliches Heizen und Kühlen spezialisiert hat. Die Firma stellt Wärmepumpen her, aber auch Flächenheizungen, Lüftungssysteme und Photovoltaik-Anlagen. Zewotherm bietet mittlerweile als Allrounder auch Stromtarife an, mit denen man seine Wärmepumpe günstig betreiben kann. Zwei Modelle hat Zewotherm aktuell auf dem Markt: Der Lambda sowie der Eco. Auf dem Foto ist der Lambda zu sehen.  © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Eine Wärmepumpe der Marke Tecalor steht auf einer Messe aus.
Die Firma Tecalor aus Niedersachsen punktet mit einem breiten Angebot an verschiedenen Wärmepumpen. Neben den typischen Außenblöcken wie hier auf dem Foto gibt es auch Geräte, die im Innenraum stehen sowie solche, die nebenbei auch noch die Luft filtern können. Auch Großwärmepumpen für Mehrfamilienhäuser hat Tecalor im Angebot. Online gibt es auch ein Ersatzteilshop, für all jene, die diese Sicherheit dazu noch haben wollen.  © IMAGO/Alexander Pohl
Eine Wärmepumpe von Buderus vor einem Haus.
Die Marke Buderus kennen viele Menschen wohl zumindest vom Sehen: Die Wärmepumpen gehören zu den markantesten auf dem Feld. 2024 waren die Wärmepumpen auch Testsieger von Stiftung Warentest. Buderus war einst ein Familienunternehmen, wurde aber 2003 von Bosch übernommen. Neben Wärmepumpen stellt die Wetzlarer Firma auch Solaranlagen her. © IMAGO
Eine Wärmepumpe von SenerTec zusammen mit Vertriebsleiter Hagen Fuhl.
Ein weiteres deutsches Unternehmen macht die Liste komplett: SenerTec aus Schweinfurt stellt nicht nur Wärmepumpen her, sondern kombiniert sie mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Diese eignen sich insbesondere für Mehrfamilienhäuser und größere Immobilien. Die Kombination kann außerdem noch mit einer PV-Anlage ausgefertigt werden.  © SenerTec

Ossenbrink hat im „Klartext“-Format einen Erfolg gegenüber dem CDU-Chef verbuchen können: Merz räumte in der Sendung ein, dass es kein richtiges Verbot gibt. Das Heizungsgesetz hat immer das Ziel verfolgt, den Umstieg von fossilen Heizungen auf erneuerbare Systeme zu fördern – was aber durch die Kampagne aus der Opposition nie so angekommen ist, findet Jan Ossenbrink: „Die CDU/CSU und Herr Merz als Oppositionsführer haben mit den Ängsten der Menschen gespielt, indem sie das Bild eines staatlich erzwungenen Heizungstauschs gemalt haben. Dieses Bild war von Anfang an völlig verzerrt und das leider mit Absicht.“

Heizungsgesetz soll Verbraucher vor dem CO₂-Preis schützen: Ab 2027 wird es richtig teuer

Was in der Debatte um das Gesetz 2023 kaum eine Rolle gespielt hat – und auch jetzt nur am Rande diskutiert wird – ist der kommende CO₂-Preis über das europäische System ETS II. Das ETS II erweitert das Emissionshandelssystem auf Gebäude und Straßenverkehr. Das bedeutet, dass künftig auch CO₂-Emissionen aus Heizungen und Kraftstoffen wie Benzin und Diesel erfasst und in einem marktwirtschaftlichen System bepreist werden. Der Preis wird nicht mehr festgelegt, sondern bildet sich frei am Markt anhand von Angebot und Nachfrage. Dadurch werden teils sehr hohe Preise für fossile Energie in den kommenden Jahren erwartet – wovor das Heizungsgesetz die Menschen schützen sollte.

„Wenn es keinen Mechanismus gibt, der wie das aktuelle Gebäudeenergiegesetz Anreize setzt und den Umstieg von fossilen Brennstoffen fördert, dann birgt die Einführung des CO₂-Preis 2027 riesigen sozialen Sprengstoff“, warnt der Chef von Vamo aus Nordrhein-Westfalen. Er gehe mittlerweile deswegen davon aus, dass das ETS II verschoben werden wird, um den Menschen und der Wirtschaft mehr Zeit zu geben, sich auf die kommenden Realitäten einzustellen.

CDU will das Heizungsgesetz abschaffen – hat aber keinen Plan B

Was ebenfalls laut Jan Ossenbrink in der ZDF-Sendung klar wurde: Die CDU hat keinen Plan entwickelt darüber, wie sie die hohen Energiepreise abfedern wird. Aus seiner Sicht reicht das Klimageld, das die Union verspricht, „hinten und vorne nicht“. „Das ist ganz einfache Mathematik: Merz spricht davon, dass es 200 Euro pro Person an Klimageld pro Jahr geben soll. Das hört sich toll an, aber dafür reichen die Einnahmen aus dem CO₂-Handel nicht. Um ein Klimageld in dieser Höhe zu finanzieren, müsste der CO₂-Preis um ein Vielfaches ansteigen.“

Jan Ossenbrink war bei ZDF-Klartext dabei

Für Unternehmer wie Jan Ossenbrink sind es anstrengende Monate gewesen. Die Verunsicherung um das Gesetz hat den Absatz für Wärmepumpen einbrechen lassen. Investitionen, die getätigt wurden, in der Hoffnung auf einen kommenden Boom, bringen Unternehmen nun in Schwierigkeiten. Eine aktuelle Meldung des Europäischen Wärmepumpenverbands bietet ein weiter düsteres Bild: In ganz Europa sind 2024 um die 4000 Stellen in dieser Branche abgebaut worden. Die beiden Länder mit den größten Einbrüchen waren Belgien (-52 Prozent) und Deutschland (-48 Prozent).

Wenn Ossenbrink eine Botschaft an Merz und die CDU richten könnte, würde er ihnen raten, Ruhe in das Thema zu bringen und klare Entscheidungen zu treffen. „Entscheiden Sie sich: Was ist das Ziel – meinetwegen können wir auch darüber sprechen, ob Klimaneutralität ab 2045 oder ab 2050 erreicht werden soll, das ist für mich nicht das Entscheidende. Aber entscheiden Sie sich und dann: Finger weg davon.“ Danach sollte man eine Weile lang die Branche und die Bürger einfach machen lassen.

Rubriklistenbild: © Carsten Koall/dpa

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