VonAmy Walkerschließen
In der TV-Show „Klartext“ des ZDF wurde der CDU-Spitzenkandidat von einem Wärmepumpen-Monteur in die Mangel genommen. Jetzt legt er erneut nach und warnt die Konservativen vor der Eliminierung des Heizungsgesetzes.
Berlin – Kurz vor der Bundestagswahl beantworten die Kandidaten täglich die Fragen der Bürger in verschiedenen Wahlsendungen. In der ZDF-Sendung „Klartext“ wurden Friedrich Merz (CDU), Olaf Scholz (SPD), Robert Habeck (Grüne) und Alice Weidel (AfD) einzeln zu ihren Positionen befragt. Jan Ossenbrink, Gründer eines Wärmepumpen-Start-ups, konfrontierte in der Sendung Merz zu seinen Positionen zum sogenannten Heizungsgesetz. Nun legt der Gründer der Firma Vamo nochmal nach.
CDU will das Heizungsgesetz abschaffen: Wärmepumpen-Chef zerlegt „Phantasialand“ von Merz
Merz hat angekündigt, das „faktische Verbot von Öl- und Gas-Heizungen“ rückgängig machen zu wollen, so formulierte er es im ZDF. Ossenbrink bezeichnet dies als Populismus: „Was sie unter ‚Technologieoffenheit‘ meinen, ist eigentlich ‚Technologienaivität‘ – denn während die Welt und die Industrie sich längst entschieden haben, wohin die Reise gehen wird, schlagen Unionspolitiker Lösungen aus dem Bereich Phantasialand vor“, sagt er im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Auch große Unternehmen wie Vaillant und Viessmann, die ihr Geld noch immer mit Öl- und Gas-Heizungen verdienen und das theoretisch auch noch weiterhin tun könnten, investieren zunehmend in die Wärmepumpe. Dieses Bekenntnis zur Zukunft nimmt Merz nicht ernst, so der Vorwurf.
Abseits vom Standard: Diese Wärmepumpen-Marken kennen Sie noch nicht




Ossenbrink hat im „Klartext“-Format einen Erfolg gegenüber dem CDU-Chef verbuchen können: Merz räumte in der Sendung ein, dass es kein richtiges Verbot gibt. Das Heizungsgesetz hat immer das Ziel verfolgt, den Umstieg von fossilen Heizungen auf erneuerbare Systeme zu fördern – was aber durch die Kampagne aus der Opposition nie so angekommen ist, findet Jan Ossenbrink: „Die CDU/CSU und Herr Merz als Oppositionsführer haben mit den Ängsten der Menschen gespielt, indem sie das Bild eines staatlich erzwungenen Heizungstauschs gemalt haben. Dieses Bild war von Anfang an völlig verzerrt und das leider mit Absicht.“
Heizungsgesetz soll Verbraucher vor dem CO₂-Preis schützen: Ab 2027 wird es richtig teuer
Was in der Debatte um das Gesetz 2023 kaum eine Rolle gespielt hat – und auch jetzt nur am Rande diskutiert wird – ist der kommende CO₂-Preis über das europäische System ETS II. Das ETS II erweitert das Emissionshandelssystem auf Gebäude und Straßenverkehr. Das bedeutet, dass künftig auch CO₂-Emissionen aus Heizungen und Kraftstoffen wie Benzin und Diesel erfasst und in einem marktwirtschaftlichen System bepreist werden. Der Preis wird nicht mehr festgelegt, sondern bildet sich frei am Markt anhand von Angebot und Nachfrage. Dadurch werden teils sehr hohe Preise für fossile Energie in den kommenden Jahren erwartet – wovor das Heizungsgesetz die Menschen schützen sollte.
„Wenn es keinen Mechanismus gibt, der wie das aktuelle Gebäudeenergiegesetz Anreize setzt und den Umstieg von fossilen Brennstoffen fördert, dann birgt die Einführung des CO₂-Preis 2027 riesigen sozialen Sprengstoff“, warnt der Chef von Vamo aus Nordrhein-Westfalen. Er gehe mittlerweile deswegen davon aus, dass das ETS II verschoben werden wird, um den Menschen und der Wirtschaft mehr Zeit zu geben, sich auf die kommenden Realitäten einzustellen.
CDU will das Heizungsgesetz abschaffen – hat aber keinen Plan B
Was ebenfalls laut Jan Ossenbrink in der ZDF-Sendung klar wurde: Die CDU hat keinen Plan entwickelt darüber, wie sie die hohen Energiepreise abfedern wird. Aus seiner Sicht reicht das Klimageld, das die Union verspricht, „hinten und vorne nicht“. „Das ist ganz einfache Mathematik: Merz spricht davon, dass es 200 Euro pro Person an Klimageld pro Jahr geben soll. Das hört sich toll an, aber dafür reichen die Einnahmen aus dem CO₂-Handel nicht. Um ein Klimageld in dieser Höhe zu finanzieren, müsste der CO₂-Preis um ein Vielfaches ansteigen.“
Für Unternehmer wie Jan Ossenbrink sind es anstrengende Monate gewesen. Die Verunsicherung um das Gesetz hat den Absatz für Wärmepumpen einbrechen lassen. Investitionen, die getätigt wurden, in der Hoffnung auf einen kommenden Boom, bringen Unternehmen nun in Schwierigkeiten. Eine aktuelle Meldung des Europäischen Wärmepumpenverbands bietet ein weiter düsteres Bild: In ganz Europa sind 2024 um die 4000 Stellen in dieser Branche abgebaut worden. Die beiden Länder mit den größten Einbrüchen waren Belgien (-52 Prozent) und Deutschland (-48 Prozent).
Wenn Ossenbrink eine Botschaft an Merz und die CDU richten könnte, würde er ihnen raten, Ruhe in das Thema zu bringen und klare Entscheidungen zu treffen. „Entscheiden Sie sich: Was ist das Ziel – meinetwegen können wir auch darüber sprechen, ob Klimaneutralität ab 2045 oder ab 2050 erreicht werden soll, das ist für mich nicht das Entscheidende. Aber entscheiden Sie sich und dann: Finger weg davon.“ Danach sollte man eine Weile lang die Branche und die Bürger einfach machen lassen.
Rubriklistenbild: © Carsten Koall/dpa

