Krise

Bosch-Betriebsrat rechnet mit Abbau von 10.000 Stellen – Streik droht

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Laut dem Betriebsrat von Bosch beläuft sich der geplante Stellenabbau inzwischen auf rund 10.000 Arbeitsplätze. Die Arbeitnehmervertreter drohen mit Widerstand.

Stuttgart - Der Technologiekonzern Bosch hat kürzlich erneut einen massiven Stellenabbau angekündigt, der allein in Deutschland rund 3.800 Arbeitsplätze betreffen soll. Laut dem Betriebsrat beläuft sich der Abbau hierzulande damit auf insgesamt rund 10.000 Stellen, wie es bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage am 11. Dezember in Stuttgart hieß. Diese Zahl könnte in den kommenden Jahren sogar noch weiter steigen. Während massive Proteste im Frühjahr den geplanten Stellenabbau bei Bosch zumindest abmildern konnten, reicht diese Maßnahme nun offenbar nicht mehr aus.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Wie fatal die Situation aktuell beim größten Autozulieferer der Welt ist, zeigt allein, dass Arbeitsdirektor Stefan Grosch kürzlich die Schließung ganzer Standorte nicht ausschloss, wenngleich er diesen Schritt als „Ultima Ratio“, also das letzte Mittel bezeichnete. Bei den Arbeitnehmervertretern stehen die Zeichen aber auf Sturm; sollte die Geschäftsführung nicht für Gespräche über die Zukunft der Beschäftigten bereit sein, wollen der Betriebsrat und die IG Metall härtere Geschütze ausfahren. „Einen Streik schließen wir nicht aus“, machte Bosch Mobility-Betriebsratschef Frank Sell deutlich.

Bosch Mobility-Betriebsratschef Frank Sell erklärte, im Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen Streiks nicht auszuschließen. (Archiv)

Bosch-Personalchef schließt weiteren Stellenabbau nicht aus – Verweis auf Tarifvertrag

Die Krise bei einem der größten Industrieunternehmen Deutschlands schwelt bereits seit langem. Bosch-Chef Stefan Hartung hatte bereits im Frühjahr 2023 erklärt, dass der Konzern künftig weniger Mitarbeiter beschäftigen werde. Aktuell kommen die Hiobsbotschaften für die Mitarbeiter – inklusive derer von Tochterunternehmen wie Bosch Rexroth oder BSH – aber Schlag auf Schlag. „Die Situation für die Bosch-Mitarbeitenden ist absolut unerträglich“, sagte Frank Sell. „Die emotionalen Betriebsversammlungen und Aktionen an den Standorten der vergangenen Wochen zeigen die hohe Bereitschaft der Mannschaft, Bosch auch in Zukunft nach vorne zu bringen.“

Name Robert Bosch GmbH
Gründungsjahr 1886
Gründer Robert Bosch
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte
Produkte (Auswahl) Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik
Mitarbeiter429.400 (2023)
Umsatz91,6 Milliarden Euro (2023)

Wie unter anderem der SWR berichtet, erklärte Bosch-Personalchef Stefan Grosch als Vertreter des Konzerns bei besagter Pressekonferenz, dass sich die wirtschaftlichen Perspektiven im zweiten Halbjahr 2024 weiter verschlechtert hätten. Entsprechend seien in Zukunft weitere personelle Anpassungen nicht auszuschließen. Er betonte aber auch, dass sich Bosch bei allen Anpassungen, die die Beschäftigten betreffen, an den im vergangenen Jahr beschlossenen Tarifvertrag halten werde, der betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2027 ausschließt. Betriebsratschef Sell sagte dazu jedoch, dass das Verständnis der Umsetzung dieses Vertrags stark unterschiedlich sei.

„Bosch steht stellvertretend für zahlreiche Unternehmen in Deutschland“

Wenngleich Bosch die geplanten Stellenstreichungen sozial verträglich umsetzen will, wird das den Arbeitnehmervertretern nicht reichen. Sie fordern stattdessen konkrete Zukunftsperspektiven und schließen wie eingangs erwähnt auch Streiks nicht mehr aus. Diese würden unter Umständen ganze Standorte temporär lahmlegen und dem Konzern zusätzliche Verluste bescheren. „Sparen schafft keine Zukunft!“, erklärte Adrian Hermes, Konzernbeauftragter der IG Metall und Aufsichtsratsmitglied bei Bosch. „Nur wenn die Beschäftigten jetzt mitgenommen werden, um ihre vollen Potenziale zu entfalten, wird Bosch ein starkes, innovatives Unternehmen bleiben.“

Die Situation bei Bosch steht laut der IG Metall stellvertretend für viele Unternehmen in Deutschland.

Liane Papaioannou, die Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart, betonte zudem, dass die derzeitige Entwicklung nicht nur für den Technologiekonzern selbst, sondern für die gesamte deutsche Wirtschaft ein fatales Zeichen sei. „Bosch steht dabei stellvertretend für zahlreiche Unternehmen in Deutschland“, erklärte sie. „Deshalb stehen wir entschlossen für die Zukunft von Beschäftigung und den Industriestandort Deutschland ein.“ Baden-Württembergs IG Metall-Chefin Barbara Resch hatte bereits im Frühjahr erklärt, dass der Stellenabbau bei Bosch erst der Anfang sei und andere Unternehmen folgen werden.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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