Deutscher Standort betroffen

Zeiss kündigt Stellenabbau an – „Schlag ins Gesicht“ für die Mitarbeiter

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Ein Standort des Elektronikkonzerns Zeiss muss aufgrund der Konsumflaute Stellen abbauen. Ein Schock für die Mitarbeiter und den Betriebsratschef.

Oberkochen/Aalen - In der Industrie ist eine merkbare Kaufzurückhaltung zu bemerken, die immer deutlicher ihren Tribut fordert. Der Technologiekonzern Siemens hat aufgrund der gesunkenen Nachfrage Arbeitszeit und Gehalt von rund 700 Mitarbeitern in Baden-Württemberg gekürzt. Jetzt bekommt auch ein Standort des Elektronik- und Optikkonzerns Carl Zeiss im Bundesland die Konsumflaute zu spüren. Konkret geht es um die gesunkene Nachfrage nach Brillengläsern, die am Standort in Aalen zu einem Stellenabbau von derzeit noch ungewissem Umfang führen soll.

Die Carl Zeiss AG wird noch immer mit ihrem Gründungsort Jena in Verbindung gebracht – dort hat sie nach wie vor einen Standort – der Konzernsitz befindet sich aber seit langem im baden-württembergischen Oberkochen. In der Stadt Aalen am Rande der Schwäbischen Alb hat die Carl Zeiss Vision GmbH ihren Sitz, die sich auf die Herstellung von Brillengläsern spezialisiert hat. Wie das Unternehmen vor wenigen Tagen mitteilte, sei aktuell eine sinkende Nachfrage nach den Produkten zu bemerken.

Die Carl Zeiss Vision GmbH reagiert am Standort Aalen mit einem Stellenabbau auf die sinkende Nachfrage nach Brillengläsern.

Carl Zeiss Vision reagiert an Standort Aalen mit Stellenabbau auf sinkende Nachfrage nach Brillengläsern

In der angespannten Wirtschaftslage und durch die seit langem massiv steigenden Preise ist das Konsumverhalten in nahezu allen Märkten sehr vorsichtig geworden. Brillengläser brauchen Träger zwar noch immer, laut der Mitteilung von Zeiss kaufen die Kunden aber vorrangig hochpreisige Ausfertigungen und diese deutlich seltener. Deshalb muss der Konzern in Aalen zum einen die Produktionskapazität anpassen und zum anderen personelle Anpassungen vornehmen. Für einen Abbau von Arbeitsplätzen sollen in den kommenden Monaten Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen werden.

Name Carl Zeiss AG
Gründung 17. November 1846 in Jena, Thüringen
Sitz Oberkochen, Baden-Württemberg
Branchen Optische Industrie, Medizintechnik, Messtechnik und weitere
Mitarbeiter 42.992 (2023)
Umsatz 10,1 Milliarden Euro (2022/2023)
Standorte Deutschland Oberkochen, Baden-Württemberg (Konzernhauptsitz)
Aalen, Baden-Württemberg
Karlsruhe, Baden-Württemberg
Bochingen, Baden-Württemberg
Neuenstein, Baden-Württemberg
München, Bayern
Neubeuern, Bayern
Roßdorf, Hessen
Wetzlar, Hessen
Jena, Thüringen (Gründungsort)
Dresden, Sachsen
Berlin, Berlin
Göttingen, Niedersachsen
Braunschweig, Niedersachsen
Leipzig, Sachsen
Görlitz, Sachsen

Wie viele Stellen letztendlich bei der Carl Zeiss Vision GmbH in Aalen wegfallen, werden demnach erst die Ergebnisse der Gespräche zeigen. Laut Konzernangaben beschäftigt Zeiss in der Mittelstadt in Baden-Württemberg rund 1.400 Mitarbeiter. Der Betriebsratschef in Aalen, Uwe Frey, ist allerdings alles andere als begeistert von dem Vorstoß des Unternehmens und erklärte laut dem SWR, die Ankündigung sei ein „Schlag ins Gesicht“ für die Mitarbeiter. Man sei bereits seit Monaten in Gesprächen um die Zukunft des Standorts gewesen.

Carl Zeiss will Produktionskapazität in Aalen laut Betriebsrat mehr als halbieren

Laut Frey kam die Ankündigung des Stellenabbaus bei Zeiss in Aalen zwar überraschend; aus einem bestimmten Grund befürchtet der Betriebsrat aber auch selbst eine personelle Anpassung. Die bislang produzierte Menge an Brillengläsern im Werk soll unter Umständen nämlich von derzeit 55.000 pro Woche auf 20.000 pro Woche mehr als halbiert werden. Das könnte eben zu einem empfindlichen Stellenabbau führen; Pläne des Unternehmens müssten in den kommenden Wochen aber zunächst geprüft werden.

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In der Belegschaft von Zeiss in Aalen hat die Ankündigung aber verständlicherweise bereits jetzt Unmut und Unsicherheit ausgelöst. „Die Beschäftigten sind total schockiert“, erklärte Heike Madan von der IG Metall Aalen laut SWR. „Sie sind total schockiert, weil sie es nicht nachvollziehen können.“ Die Gewerkschaft hat Widerstand gegen den Stellenabbau angekündigt und lädt am 14. November zu einer Mitgliederversammlung

Rubriklistenbild: © Carl Zeiss AG

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